Augsburg    

Wertachkliniken sollen in einen Neubau ziehen

Augsburg - Die Wertachkliniken im Landkreis Augsburg sollen auf die Zukunft vorbereitet werden. In der vergangenen Woche stellten Gutachter in einer gemeinsamen Sitzung der Stadtratsgremien aus Schwabmünchen und Bobingen sowie des Augsburger Kreistags in der Stadthalle Schwabmünchen die Ergebnisse eines Strategiekonzepts für die Krankenhäuser vor. Dabei empfahl die Krankenhausberatung Oberender, einen Klinikneubau an einem neuen Standort im Bereich der B 17 im südlichen Landkreis Augsburg zu errichten.


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Die Wertachkliniken wollen sich auf die Zukunft vorbereiten. Laut einem Gutachten ist hierfür wohl eine Zentralisierung der beiden Standorte in Bobingen und Schwabmünchen nötig. Foto: Ingrid Küchle


Den Kliniken stehen viele Herausforderungen bevor, etwa der demographische Wandel, der Fachkräftemangel und die zunehmende Spezialisierung. Oberender-Vorstand Jan Hacker lobte: "Im Vergleich mit vielen anderen Krankenhäusern, die wir beraten haben, handeln die Träger im Landkreis Augsburg ausgesprochen weitsichtig." Die Verantwortlichen hätten die Lage erfasst und sich aus einer Position der Stärke heraus dazu entschlossen, zu handeln. Dafür sei die solide Finanzgrundlage der Wertachkliniken eine gute Basis.
Allerdings haben die Klinikstandorte auch Probleme, die sich zumindest laut Einschätzung des Beratungsunternehmens wohl nur durch ein komplett neues Gebäude lösen ließen: Die geringe Größe der Häuser in Bobingen und Schwabmünchen hemme aktuell die Entwicklung der Wertachkliniken. Außerdem gebe es einen "Ressourcenengpass" im Hinblick auf Krankenhauspersonal. Aufgrund des Personalmangels seien die bisherigen "Doppelvorhaltungen" - also Angebote, die es für Patienten sowohl in Bobingen als auch in Schwabmünchen gibt - auf lange Sicht wohl kaum mehr aufrecht zu erhalten.
Die Berater empfehlen stattdessen einen gemeinsamen Neubau, der idealerweise an der B 17 liegen würde, und eine anderweitige Nachnutzung der Standorte in Bobingen und Schwabmünchen. Durch moderne und attraktive Arbeitsstrukturen in einem Neubau könnte nach Meinung der Experten womöglich auch wieder mehr Personal gewonnen werden. Zudem bedeute der Abbau von "Doppelstrukturen" eine deutliche Entlastung des Personals und Optimierung der Abläufe. So könnten unter anderem Abteilungen besser zusammenarbeiten und es bestünden erweiterte medizinische Möglichkeiten.
Ein weiteres Argument für einen Neubau: Die Chancen für eine umfassende Investitionsförderung durch den Freistaat Bayern sollen sehr gut stehen. Aktuell werden für den Neubau geschätzte Kosten von rund 150 Millionen Euro veranschlagt. Der Freistaat könnte davon wohl 60 bis 70 Prozent übernehmen.
Die Firma Oberender hatte auch geprüft, ob statt einem Neubau einer der beiden heutigen Standorte als alleiniger Standort in Frage kommen könnte. Das Urteil der Krankenhausberatung fiel hier aber negativ aus: Die Standorte seien zu klein, müssten kernsaniert und bedeutend erweitert werden. Diese massiven Eingriffe in die Infrastruktur bei laufendem Betrieb würden die Abläufe wohl extrem einschränken. Neben der Empfehlung für einen Klinikneubau schlägt das Gutachten aber auch eine Nachnutzung für die beiden aktuellen Standorte Bobingen und Schwabmünchen vor, die niedergelassene Ärzte mit einbeziehen soll. Die Idee ist die Etablierung eines Gesundheitszentrums in Schwabmünchen und eines ambulanten Angebots in Bobingen.
Alle Verfahrensschritte und weiteren Entscheidungen obliegen laut Pressemitteilung der Wertachkliniken nun den Gremien der Trägerstädte sowie dem Augsburger Kreistag. So müsse beispielsweise ein zukunftsfähiger Standort für den Neubau gefunden werden, der gut erreichbar ist, auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Für die Nachnutzung der Gebäude in Bobingen und Schwabmünchen müssen Konzepte erarbeitet werden.
Die Verantwortlichen der Wertachkliniken sowie die Träger standen der Idee eines Neubaus bei der Vorstellung des Strategiekonzepts aber grundsätzlich positiv gegenüber. Klinikvorstand Martin Gösele erklärte: "Die aktuelle Situation auf dem Gesundheitsmarkt macht dem gesamten Klinikpersonal derzeit große Sorgen, deshalb möchten wir so sensibel wie möglich mit diesem herausfordernden Thema umgehen, ohne jedoch die nötige Klarheit zu vernachlässigen. Wir haben akuten Handlungsbedarf." Gleichzeitig betonte Gösele, dass eine solche Veränderung nicht über Nacht käme. Er geht aktuell von einem Zeithorizont von sieben bis zehn Jahren für einen Klinikneubau aus. Standorte sind für Entwicklung zu klein

Von Laura Türk


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Veröffentlicht am 04.08.2022 16:59 Uhr