Augsburg    

Wann kommt das 50-Meter-Hallenbad?

Augsburg - Der Bau eines 50-Meter-Hallenbads in Augsburg soll weiter vorangetrieben werden. Darüber herrschte in der jüngsten Sitzung des Sportbeirats eigentlich Einigkeit. Doch unklar ist bislang, an welchem Standort ein Neubau in Frage kommt sowie bis wann das Vorhaben umgesetzt, geschweige denn finanziert werden könne.


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Ehemaliges Sportbad am Plärrer. Entsteht hier ein 50-Meter-Hallenbad? Der Standort wird zumindest von den Vereinen, Schulen und der DLRG favorisiert. Foto: Patrick Bruckner


Da die Bemühungen zum Bau eines 50-Meter-Hallenbads nicht zum Stillstand der Sanierungen der Bestandsbäder führen dürfen, schlägt das Sport- und Bäderamt vor, den vor zehn Jahren erstellten "Bädermasterplan" weiter umzusetzen. Die Reihenfolge sieht vor, dass nach dem Alten Stadtbad (Sanierung Dampfbad) und dem Plärrerbad nun in den Jahren 2022 bis 2024 das Spickelbad generalsaniert wird. Parallel dazu soll eine tiefergehende Untersuchung für die Umsetzung eines 50-Meter-Hallenbads durchgeführt werden. Doch die Vereine sind damit nicht einverstanden.
Während der Sanierungsarbeiten im Spickelbad würden laut Bernd Zitzelsberger, Vorsitzender der Schwimmabteilung des Post SV Augsburg und CSU-Stadtrat, in Augsburg zwei bis drei Jahre lang circa 40 Prozent der Schwimm- und Trainingsflächen in Augsburg ersatzlos wegfallen. Was fehlt, ist aus Sicht der Verantwortlichen des Schwimmerbund Delphin 03 Augsburg, dem ältesten und größten Schwimmverein Schwabens, ein "gut durchdachter Langzeitplan", der die aktuell veränderte Situation berücksichtige und die wesentlichen Bedürfnisse aller betroffenen Gruppen sinnvoll in Einklang bringe. Denn aufgrund von Corona gebe es "erheblichen Nachholbedarf an Schwimmkursen" und durch Hygienekonzepte nur eingeschränkte Trainingsmöglichkeiten für Sport- und Freizeitschwimmer. "Wie in anderen Bereichen auch, hat Corona hier den Zeiger auf die Versäumnisse der Vergangenheit gesetzt", so die Einschätzung. So wie bisher könne es also nicht weitergehen.
Daher brauche es als nächstes Bädervorhaben vorrangig ein 50-Meter-Hallenbad einschließlich Lehrschwimmbecken in Augsburg, damit es während der Sanierung der bestehenden Bäder nicht zu erheblichen Einschränkungen für die Öffentlichkeit und die Schwimmausbildung der Schulen, der Vereine und der Wasserrettungsorganisationen kommt.
"Wir schieben einen großen Berg Nichtschwimmer vor uns her, den wir abarbeiten müssen", sagt Frank Lippmann, Vorsitzender der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) im Kreisverband Augsburg/Aichach-Friedberg. Durch die Sanierung der Bäder und den Wegfall der Wasserflächen würde der Nachholbedarf im Nichtschwimmerbereich nur weiter steigen. Nach den Erfahrungen aus der Sanierung des Plärrerbads prognostiziert Lippmann: "Die Hälfte der Schwimmkurse wird wegfallen."
Die Sanierung habe aber auch auf die Jugendarbeit der DLRG erhebliche Auswirkungen. Diese sei stark standortbezogen, so hätte man laut Lippmann im Zuge der Plärrerbad-Sanierung vermehrt Abgänge zu beklagen gehabt. Denn Jugendliche wollten oder konnten nicht zum Ausweichstandort nach Haunstetten kommen. Dort registrierte man schließlich aber zahlreiche Neuzugänge, die entsprechend ausgebildet wurden. Viele davon machten jedoch den Umzug zurück ins Plärrerbad nicht mit und gaben ihre ehrenamtliche Tätigkeit wieder auf. Die Spickelbad-Sanierung könnte nun ähnliche Folgen haben. Dort bildet die DLRG den Wachdienst für das Fribbe-Freibad aus.
Als bevorzugten Standort für ein 50-Meter-Hallenbad nennen die Vereine, DLRG, und auch die Schulen, für die Cornelia Beck im Sportbeirat sprach, aufgrund der guten Erreichbarkeit das Gelände des alten Sportbads am Plärrer. Zitzelsberger könnte sich aber durchaus vorstellen, das sanierungsbedürftige Gögginger Hallenbad durch einen Neubau inklusive 50-Meter-Becken zu ersetzen. Er ist Mitinitiator der Arbeitsgemeinschaft "50-Meter-Hallenbad für Augsburg", die 2019 ins Leben gerufen wurde und an der sich zahlreiche Vereine aus Augsburg und Umgebung beteiligen. "Wir brauchen in Augsburg perspektivisch mehr Wasserfläche", forderte Zitzelsberger in dem beratenden Gremium aus Vereins- und Verbandsvertretern, das dem Sportausschuss eine Beschlussempfehlung geben soll. Bei sofortiger Umsetzung sei eine Eröffnung vor 2025/26 ohnehin nicht realisierbar.
Der Sportausschuss muss am 12. Juli entscheiden, wie es mit dem Schwimmsport in der Wasserstadt Augsburg weiter geht. "Die Hälfte der Schwimmkurse wird wegfallen."

Von Patrick Bruckner


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Veröffentlicht am 07.07.2021 17:26 Uhr