Augsburg    

Schwert erhält eigene Vitrine

Königsbrunn - Völlig überraschend hat das Königsbrunner Kulturbüro im vergangenen Sommer einen ungewöhnlichen archäologischen Fund erhalten, ein eisernes Schwert, das mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in der Lechfeldschlacht im Jahre 955 als Waffe diente. Rebecca Ribarek, die Leiterin des Kulturbüros, erläuterte im Gespräch, wie es zu der Leihgabe kam und wie die Ausstellung im Infopavillon 955 zur Geschichte der bedeutsamen Schlacht umgestaltet werden soll.


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Schwert in Kleinaitingen entdeckt : Rebecca Ribarek mit dem wertvollen archäologischen Fund. Foto: ub


Wo heute in Kleinaitingen das Logistikzentrum von BMW steht, gab es zuvor ein großes Gut mit Gestüt. Es gehörte zum Lager Lechfeld und beschäftigte bis zu 200 Mitarbeiter. Auf diesem Areal wurde das Schwert gefunden. Der Leiter des Guts, Herbert Birk, hatte das Schwert in seinem Besitz und war stets überzeugt, dass es aus der Lechfeldschlacht stammt. Genaueres über Ort und Umstände des Funds ist nicht bekannt und kann leider nicht mehr in Erfahrung gebracht werden. Daher wird es ein Rätsel bleiben, wie das Schwert so gut erhalten geblieben ist. Funde dieses Alters sind gewöhnlich stärker verrostet und beschädigt. Birks Familie wohnt nicht mehr in der Region, hat sich aber dazu entschlossen, das Fundstück der Stadt Königsbrunn als Dauerleihgabe auf unbestimmte Zeit zu überlassen. In einer ersten Untersuchung haben Experten des Landesamts für Denkmalpflege bestätigt, dass das Schwert im 9. oder 10. Jahrhundert angefertigt wurde. "Das Landesamt für Denkmalschutz wird das Schwert unter anderem mit einer Röntgenaufnahme genauer untersuchen lassen. Wir hoffen, dass dadurch die Schlagmarke des Schmieds sichtbar gemacht werden kann. Damit könnte die Herstellungszeit genauer eingegrenzt werden", so Ribarek.
Über 1000 Jahre sind vergangen seit der Schlacht im Jahre 955, aber vergessen wurde sie nicht, denn ihre Folgen wirken bis heute nach. Magyaren, auch ungarische Reiter genannt, hatten jahrzehntelang wieder und wieder Siedlungen und Städte auf heute süddeutschem Gebiet angegriffen, ausgeraubt und verwüstet. Es herrschten Angst und Schrecken und der Glaube an einen nahen Weltuntergang. Dann versammelte Otto I., Herzog von Sachsen, König des Ostfrankenreiches und König von Italien, Baiern, Franken und Sachsen hinter sich und wurde von fast allen männlichen Einwohnern Augsburgs unterstützt, die Bischof Ulrich von Augsburg zusammen gezogen hatte. Insgesamt müssen auf beiden Seiten zigtausende unter Waffen gestanden haben. Ottos Sieg brachte ihm den Beinamen "der Große" und die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. Auch auf ungarischer Seite bedeutete die Schlacht einen Wendepunkt. Die überlebenden Reiter zogen sich bis ins heutige Westungarn zurück, wurden sesshaft und christianisiert.
Wie Ribarek weiter erläuterte, ist bis heute umstritten, wo die Schlacht genau stattfand und ob es überhaupt eine große Schlacht gab oder vielmehr eine lange Reihe kleinerer Schlachten und Scharmützel, denn archäologische Fundstücke sind rar. Was auf dem Schlachtfeld zurückblieb, nahmen Überlebende an sich, denn die Kampfausrüstungen waren wertvoll. Schriftlich wurde über die damaligen Ereignisse nichts festgehalten und die mündliche Überlieferung ist keine zuverlässige Quelle. Bisher gibt es keinen Ort, an dem das vorhandene Wissen gebündelt wird. Ribareks Ziel ist es, Königsbrunn zu einem solchen Ort zu machen. Sie möchte im nächsten Jahr Experten sowohl des Nürnberger Germanenmuseums als auch solche aus Ungarn einladen. "Das Schwert wird uns viele Türen öffnen", ist Ribarek überzeugt.
Das Schwert wurde auf ottonischer Seite benutzt. Es soll eine eigene Vitrine im Infopavillon 955 erhalten. Daneben soll der Nachbau eines Reflexbogens, mit dem die magyarischen Reiter ihre Pfeile abschossen, ausgestellt werden. Bisher liegt der Schwerpunkt der Ausstellung auf dem Kampf um Augsburg und der Schlacht auf dem Lechfeld. Im neuen Konzept soll auch die ungarische Sicht auf die Ereignisse gezeigt werden. "Es ist mir außerdem ein großes Anliegen, den Blick zu weiten auf das Leben außerhalb des Kampfgetümmels, auf den Alltag der Menschen der damaligen Zeit, der sich grundlegend von unserem heutigen unterscheidet", so Ribarek. Historischer Wendepunkt

Von Ute Blauert


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Veröffentlicht am 09.05.2021 16:01 Uhr