Augsburg    

Reha trotz Lockdown

Augsburg - Jedes dritte Kind zeigt knapp ein Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie psychische Auffälligkeiten. Das hat eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf belegt. Während eines Reha-Aufenthalts sollen Schulkinder und chronisch kranke Kleinkinder gemeinsam mit ihren Eltern Abstand von der belastenden Situation gewinnen.


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Abstand vom stressigen Alltag gewinnen: Nach einem Reha-Aufenthalt sollen die Kinder ausgeglichen in ihr gewohntes Umfeld zurückkehren. Foto: KJF/Carolin Jacklin


Kinder und Jugendliche zählen aus Sicht der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Augsburg zu den Hauptleidtragenden der Corona-Maßnahmen. Vermehrt beklagen Experten unter anderem eine Zunahme an psychischen Belastungen, Lerndefiziten und Bewegungsmangel bei Jungen und Mädchen.
Gleichzeitig seien Eltern belasteter Kinder und Jugendlicher verunsichert, ob eine bereits empfohlene Rehabilitations-Maßnahme nun in Zeiten von Corona überhaupt beantragt und durchgeführt werden sollte. Dabei sei laut der Katholischen Jugendfürsorge gerade jetzt die ideale Zeit für eine Reha.
"In der Reha-Klinik gewinnen Schulkinder sowie chronisch kranke Kleinkinder mit ihren Eltern Abstand von der belastenden Corona-Situation daheim", berichtet Dr. Maike Pellarin-Schlingensiepen, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie und Chefärztin an der Fachklinik Prinzregent Luitpold in Scheidegg.
Diese Situation daheim sei in den vergangenen Monaten durch ständig wechselnde Anforderungen wie Homeoffice, Homeschooling, Distanz- und Wechselunterricht geprägt worden und werde vielerorts durch beengte Lebensverhältnisse und Themen wie finanzielle Nöte, Arbeitsplatzverlust oder eine Corona-Infektion zusätzlich verschärft. Eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf belegt: Jedes dritte Kind zeigt knapp ein Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie psychische Auffälligkeiten.
"Während der vier- bis sechswöchigen Reha können sich Eltern und Kinder hingegen ganz auf die Gesundheit des Kindes und die Bildung von Ressourcen für den Alltag konzentrieren", so die Jugendfürsorge. Umfassende Hygiene- und Sicherheitskonzepte würden dafür sorgen, dass in den Reha-Kliniken keine erhöhte Infektionsgefahr mit Corona-Viren besteht.
Unter Einhaltung aller Vorkehrungsmaßnahmen sollen alle erforderlichen Therapiemaßnahmen uneingeschränkt durchgeführt werden können. Auch das Training von sozialen Kontakten sei mit Abstandsregelungen weiterhin innerhalb einer Häuserkohorte - also fester Kontaktgruppen - möglich. Die Kinder und Jugendlichen sollen von den Sicherheitsmaßnahmen sogar profitieren, da durch kleinere Patientengruppen noch gezielter auf den einzelnen Patienten und Begleitpersonen eingegangen werden kann.
"Viele Eltern berichten uns, im Nachhinein froh zu sein, trotz der Corona-Zeit eine Reha gemacht zu haben", berichtet Pellarin-Schlingensiepen. Hingegen könne sich ein Aufschieben der Reha für Kinder und Jugendliche sowie ihre Familien nachteilig auswirken.
Um Akut- oder Spätfolgen zu verhindern oder nachhaltig zu lindern, sei es deshalb ratsam, zeitnah eine Reha-Maßnahme durchzuführen. Eltern können sich zu einer Reha für ihr Kind bei ihrem Kinder- und Jugendarzt, einem Kinder- und Jugendpsychiater oder bei der Reha-Beratung der Katholische Jugendfürsorge der Diözese Augsburg unter Telefon 08 21/241 26 22 informieren.
Letztendlich solle die ganze Familie von einer Reha-Maßnahme für das Kind profitieren. Das Kind kehre meist ausgeglichen in sein gewohntes Umfeld zurück und die Eltern erhalten Tipps für den Umgang mit chronischen Erkrankungen. pb Kinder profitieren von derzeit kleineren Patientengruppen


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Veröffentlicht am 31.03.2021 16:43 Uhr