Augsburg    

"Natürlich fühlt man mit"

Augsburg - Regelmäßig hört Gabriele Luff dieselbe Frage: "Was machen Hospizdienste eigentlich genau?" Die Leiterin des Fachgebiets Hospiz und Palliative Care der Caritas Augsburg erzählt, viele Menschen beschäftigten sich mit der Hospizarbeit eben erst dann, wenn es sein muss. Sie habe sich inzwischen also daran gewöhnt, dass breite Teile der Bevölkerung der Arbeit kaum Aufmerksamkeit schenkten. Schlimmer sei allerdings, dass die Hospizdienste auch zu Beginn der Corona-Pandemie regelrecht "untergegangen" seien. Gerade in dieser Zeit, sagt Gabriele Luff, müsse eine professionelle Begleitung der Sterbenden selbstverständlich sein. Und auch der Gesellschaft müsse klar werden, was die Hospizarbeit leistet.


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Gabriele Luff , Leiterin des Fachgebiets Hospiz und Palliative Care des Caritasverbandes Augsburg, betont die Bedeutung der Hospizvereine in der Sterbebegleitung. Foto: Caritasverband Augsburg


Im vergangenen Frühjahr hätten sich alle Hospizdienste mit Masken und Schutzausrüstung ausgestattet, erzählt Luff, doch Zutritt zu den Senioreneinrichtungen hätten nur wenige erhalten. Erst ab Mai änderte sich die Situation. Im Sankt-Vinzenz-Hospiz in Augsburg ist seitdem zum Beispiel ein Besucher im Zimmer eines Hospiz-Bewohners erlaubt. Allerdings gibt es für jeden Besucher einen eingetragenen Personenkreis von drei Personen, die dann abwechselnd zu Besuch kommen dürfen, erzählt der stellvertretende Stationsleiter des Hospizes, Markus Ruff. "Wenn der Zeitpunkt des Sterbens bevorsteht, sind Besuche besonders für die Angehörigen wichtig", sagt Ruff. "Wenn ein Mensch dann wirklich im Sterben liegt, sehen wir deshalb bei uns im Hospiz auch davon ab, nur eine vorgegebene Anzahl an Angehörigen am Sterbebett zuzulassen."
Viele Angehörige fingen eben erst in solchen Momenten an, sich mit Hospizarbeit zu beschäftigen, glaubt Gabriele Luff. Viele Menschen seien außerdem der Meinung, dass Hospizarbeit vor allem aus Zuhören besteht. "Das stimmt auch", so Luff, doch gehöre auch noch viel mehr dazu. "Ich wünsche mir mehr Bewusstsein in der Gesellschaft darüber, welche Unterstützung und Hilfe Hospizarbeit sein kann", sagt Luff. "Da, wo Bekannte und Freunde möglicherweise beginnen, sich zurückzuziehen, fängt Hospizarbeit an."
Anders als Palliative Dienste arbeiten Hospizdienste rein ehrenamtlich. Die Mitarbeiter des Hospizdiensten bieten zusätzlich eine palliative Beratung an. "Wir sind geschult darin, zu merken, wenn Sterbende so starke Schmerzen haben, dass ein Arztbesuch nötig ist", erzählt Luff. Und Hospizarbeit sei auch weit mehr, als einen unbezahlten Zuhörer am Sterbebett anzubieten. Man wolle den Menschen in Not spüren lassen, dass er nicht alleine gelassen wird, dass jemand da sei, ohne irgendeine andere Absicht, allein, weil ihm der Patient wichtig sei. "Deshalb darf diese Arbeit nicht angesehen werden als ,Zuckerl', auf das man jetzt gerade auch verzichten kann", findet Gabriele Luff.
Sie selbst arbeitet seit sechs Jahren beim Diözesancaritasverband als Leiterin des Fachgebiets Hospiz und Palliative Care. Die Hospizarbeit sei nicht immer einfach, betont Luff, und so viele Tode hautnah mitzuerleben sicher nicht jedermanns Sache. Doch für sie sei es der richtige Weg gewesen. Nach einem abgeschlossenen Studium hatte Luff zunächst eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht. "Als Krankenschwester musste ich nach meiner Behandlung bei den Patienten immer wieder gehen", erzählt sie. "Das hat mich in einen Konflikt gebracht. Ich wollte immer bei den Menschen, denen es schlecht ging, bleiben, aber ich wusste zugleich, dass noch zehn andere warten."
In der Zeitung las sie damals eine Anzeige des St. Vinzenz-Hospizes für eine Schulung zur Hospizhelferin. Bei dieser Schulung blieb es für Luff allerdings nicht. Ab 2002 baute sie zusammen mit anderen den Hospizverein Christrose in Königsbrunn auf. Insgesamt ist Luff nun seit 14 Jahren in der Hospizbegleitung tätig.
In dieser Zeit hat Luff viele Tode ganz nah miterlebt. "Mir hat bei der Hospiz-Arbeit geholfen, auf mich selbst zu achten und mich zu schützen", sagt sie. "Ich verinnerlichte mir immer wieder, dass ich nicht Betroffene, sondern Begleitende bin. Die Situationen, die ich erlebt habe, waren nicht mein Schicksal. Natürlich fühlt man mit, aber man leidet im Idealfall nicht mit." Für sie sei diese Achtsamkeit mit sich selbst eine Voraussetzung für gute Hospizarbeit. Doch natürlich sei auch das ein Lernprozess gewesen.
Dass in der Corona-Pandemie so wenige ambulante Hospizdienste angefragt wurden, die sich bei den Sterbenden zu Hause ehrenamtlich Zeit nehmen, bedauert Luff. Sie wolle den Hospizdiensten aber dennoch ein Kompliment aussprechen, "für die Art und Weise, wie sie durch diese Zeit kommen und alle Herausforderungen bei all den Corona-bedingten Einschränkungen meistern." Wichtige Unterstützung in der Pandemie


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Veröffentlicht am 24.02.2021 16:53 Uhr