Augsburg    

Karriere im Internet

Augsburg - Jamal Fischer ist 19 Jahre alt und im Netz bekannt für seine Kurzvideos auf der Plattform "TikTok". Mehr als 346 000 Abonnenten hat er auf seinem Profil, auf dem er Videos rund um das Thema Technik hochlädt. Er zeigt Geräte, erklärt diese, zeigt dem interessierten Zuschauer Tipps und Tricks und bekam für die Videos insgesamt schon über elf Millionen Likes. Wie das Ganze zustande kam erzählt der "Tech-TikToker", wie er sich selbst nennt, im Interview.


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Jamal Fischer ist für seine Technik-Beiträge auf der Plattform TikTok bekannt. Foto: Sophia Leiprecht



Aichacher Zeitung: Jamal Fischer, was machen Sie auf TikTok?
Jamal Fischer: Viele bekannte TikToker machen Videos zu der Thematik Comedy, die sehr groß vertreten ist. Ich trete nicht in dieser Sparte auf, sondern im Technik-Bereich, versuche aber meine Videos humorvoll zu gestalten. Ich bin somit das Technik-Gesicht für den Raum Deutschland, Österreich und Schweiz auf der App. Es gibt auch meines Wissens fast keine anderen privaten TikToker, die sich rein auf den Technikbereich konzentrieren. Ich belege somit eine Nische und kann mich in dieser etablieren, was bei einem Comedy-Kanal nicht mehr so einfach wäre, da die Konkurrenz groß ist.

AZ: Was hat Sie auf TikTok gebracht?
Fischer: Auf TikTok gebracht hat mich mein ehemaliger Arbeitgeber und ich habe dann für diesen auch einige Videos produziert. Bis ich dann irgendwann mein eigenes Profil erstellt habe, weil ich eben so Spaß daran gefunden habe, Videos zu produzieren und mich Leuten auf der Plattform als Experte für meine Nische zu zeigen.

AZ: Welche Türen haben sich Ihnen durch die Plattform geöffnet?
Fischer: Die Türen öffnen sich gerade, da ich tatsächlich meinen Vollzeitjob aufgegeben habe, um mich voll und ganz auf TikTok, beziehungsweise Social-Media im Generellen, zu konzentrieren. Die Türen öffnen sich insofern, dass die Zahlen weiterhin so stark wachsen, dass ich mit meinem Gesicht und meiner Expertise auf gutem Wege bin, damit dann tatsächlich auch Geld zu verdienen und das auf professionelle Weise in Vollzeit zu machen.

AZ: Können Sie mit TikTok Geld verdienen?
Fischer: Ja und das werde ich auch voraussichtlich in naher Zukunft. Da, was viele unterschätzen, man mit Reichweite und Fans einen gewissen Stellenwert hat und das ist natürlich attraktiv für Kooperationen oder Werbungen. Werbetreibende kommen auf einen direkt oder die Agentur, bei der man unter Vertrag steht, mit ihrem Auftrag zu. So kann man auf verschiedene Wege Geld machen. Es kann sein, dass Videos mit dem Gesicht des Videomachers gedreht werden und über den Auftraggeber ausgespielt werden. Die andere Möglichkeit wäre, das Video direkt auf dem Profil des TikTokers zu spielen.

A Z: Wie lange dauert es, ein Video zu produzieren?
Fischer: Ich brauche sehr lange, um ein Video zu produzieren. Man muss dazu sagen, dass Videos auf TikTok bestenfalls zwischen 20 und 40 Sekunden lang sind. Ich brauche, um ein Video mit um die 40 Sekunden zu produzieren, bis zu vier Stunden. Je nachdem wie aufwendig das ist, wie viele Schnittbilder und Animationen es gibt, kann man durchaus von der Planung bis zum fertigen Video zwei bis vier Stunden einberechnen.

AZ: Was können Sie über Ihre Zuschauer sagen?
Fischer: TikTok ist, von den ganzen anderen großen Plattformen wie Youtube und Instagram, die jüngste. Offiziell darf man die App erst ab einem Alter von 13 Jahren nutzen, wobei mir auch aufgefallen ist, dass diese auch schon Jüngere nutzen. Das Problem haben auch andere Netzwerke, aber auf TikTok merke ich es eben, weil ich dort präsent bin. Dementsprechend habe ich eine junge Zielgruppe und passe auch den Inhalt meiner Videos danach an. Ich versuche mich immer in einen Teenager im Alter zwischen zwölf und 16 Jahren hineinzuversetzen und versuche meine Videos so zu produzieren, dass diese Altersgruppe sie versteht und nachvollziehen kann. Was ich generell über die Zuschauer von größeren TikTokern sagen kann: Es ist eine sehr freundliche Plattform. Ich war schon auf anderen Plattformen vertreten und da habe ich ganz andere Kommentare bekommen, sehr viel negativere.

AZ: Finden Sie etwas negativ an der Plattform?
Fischer: Wie andere Plattformen ist TikTok datenschutztechnisch nicht überragend. Das hat man lange Zeit in den Medien verfolgen können und kann dies auch nach wie vor, dass TikTok mit Datenschutzproblemen zu kämpfen hat. Zudem ist der Algorithmus kompliziert, da nicht immer durchschaubar ist, wie man seine Videos gestalten sollte, so dass diese gut ausgespielt werden. Beispielsweise ob bestimmte Wörter, Erwähnungen oder Szenen vorhanden sind, die ein Video abwerten. Der Algorithmus ändert sich von Mal zu Mal, wobei das auch die Magie ist, die hinter TikTok steckt. Also, dass immer wieder neue Videos und nach anderem Konzept ausgespielt werden. Für TikToker ist es aber schwer, diesen zu durchschauen, um die eigenen Videos so zu gestalten, dass diese die höchstmögliche Reichweite erlangen. Grundsätzlich ist das aber Meckern auf hohem Niveau, da die Zahlen, die man in einem gewissen Zeitraum auf TikTok erreicht, im Vergleich zu anderen Plattformen, wesentlich höher sind.
Interview: Sophia Leiprecht Wie TikTok zum Vollzeitjob wird


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Veröffentlicht am 04.01.2021 17:01 Uhr