Augsburg    

Impfdrängler oder Resteverwerter?

Augsburg - Nach der Affäre um vorgezogene Corona-Impfungen hat die AWO-Schwaben nun eine ausführlichere Erklärung abgegeben und berichtet, wie die "Vorrangimpfungen" aus ihrer Sicht abgelaufen sind. Der Darstellung der Arbeiterwohlfahrt widerspricht jedoch die Stadt Augsburg.


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Ein Leiter und eine Leiterin von Augsburger AWO-Heimen haben ihre Lebenspartner vorzeitig impfen lassen. Symbolfoto: Patrick Bruckner


Vor kurzem war bekannt geworden, dass ein Leiter und eine Leiterin von Seniorenheimen der Augsburger AWO ihre Lebenspartner gegen Corona impfen lassen hatten, obwohl diese laut der Impfpriorisierung noch nicht an der Reihe gewesen wären.
Wie Brigitte Protschka, Vorsitzende des Verwaltungsrates der AWO Schwaben, nun erklärt, habe sich in der Einrichtung im Stadtteil Herrenbach am 16. Januar gegen Mittag abgezeichnet, "dass aufgezogene Impfdosen wohl übrig bleiben könnten". Die Einrichtungsleiterin habe deshalb im Einvernehmen mit dem Impfteam die Impfung von Polizeibeamten aus dem nächsten Revier organisiert. Gegen 15.30 Uhr seien zwischen zehn und 15 Beamte geimpft worden. "Als gegen Ende des Impfgeschehens noch einige bereits auf Spritzen aufgezogene Dosen übrig waren, impfte das Team zwei der Heimleiterin bekannte Personen", erklärt Protschka.
Die Leiterin habe die beiden vorab bereits mit Blick auf eventuell übrig bleibende Dosen benachrichtigt. Bei den Männern habe es sich um den Lebensgefährten der Heimleiterin und dessen Mitarbeiter gehandelt. Der Lebensgefährte betreibe eine Kfz-Werkstatt und helfe der Heimleiterin gelegentlich bei Reparaturen im Haus, so die AWO. Außerdem betreue er mit seinem Mitarbeiter die Fahrzeuge des Ambulanten Dienstes der AWO in Fürstenfeldbruck. Dort werde der Lebensgefährte vom Gesundheitsamt als systemrelevant angesehen. Die Leiterin habe die beiden dem Impfteam vorgestellt und diesem auch mitgeteilt, "dass diese nichts mit dem Heim zu tun hätten". Mit der Bemerkung "besser geimpft als verworfen" seien die Männer dann geimpft worden, so Protschka.
Im Falle des Leiters der Einrichtung in Augsburg-Haunstetten sei die Impfung am 15. Januar erfolgt. Nachdem sich auch in dieser Einrichtung im Laufe des Tages abgezeichnet habe, dass Impfdosen übrig bleiben könnten, seien im Einvernehmen mit dem Impfteam vorsorglich im Heim tätige Haunstetter Praxisärzte benachrichtigt worden. "Nachdem diese später - als sich der Dosenüberschuss bewahrheitete - geimpft waren, sind noch aufgezogene Spritzen übrig geblieben", berichtet Protschka. Wiederum im Einvernehmen mit dem Impfteam seien diese "einem gerade im Hause befindlichen Hausarzt und der Ehefrau des Einrichtungsleiters verabreicht worden". Die Ehefrau des Heimleiters sei dem Impfteam entsprechend vorgestellt worden. "Letzthin lief alles zur Zufriedenheit aller ab, denn es sollten jedenfalls alle Impfdosen Verwendung finden", so Protschka.
Die Vorsitzende des Verwaltungsrates betont dennoch auch: "Die durchgeführte Impfung der drei in den Medien angesprochenen externen Personen war ein Fehler" - insbesondere mit Blick auf den "hierdurch in der Öffentlichkeit entstandenen Eindruck". Eine "Vordrängelei" oder eine "Selbstbedienungsmentalität" könne sie aber nicht erkennen. Die Heimleitungen bedauerten ihr Vorgehen und würden "heute andere Prioritäten setzen", sagte Protschka. Letztendlich habe der Bundesgesundheitsminister aber recht, "wenn er vorbringt, dass das Wegwerfen von Impfstoff unverantwortlich sei". Außerdem dürfe nicht unbeachtet bleiben, "dass es für alle Beteiligten vor Ort - Impfteams und Heimträger - nicht leicht war und ist, unter gewaltigem Zeitdruck und unter der großen Anspannung unter den Bedingungen einer Pandemie, diese große Herausforderung erfolgreich anzugehen".
Zweifel an der Darstellung der Arbeiterwohlfahrt hat der Impfkoordinator der Stadt Augsburg, Frank Plamboeck. Die Impfteams in Augsburg handelten nach bayerischen Vorgaben, sagt dieser. In deren Rahmen seien in den Heimen nur Leute geimpft worden, die bereits im Vorfeld auf den Impflisten standen. Diese Listen seien wichtig für die Planung und würden deshalb bereits mehrere Tage im Vorfeld erstellt.
Als nach der Impfung aller Angemeldeten noch Dosen übrig blieben, habe man, auch das wolle die Vorschrift so, die Polizisten entsprechend benachrichtigt. Personen, die nicht auf den Listen standen und keine Impfpriorität hätten, seien hingegen nicht geimpft worden - das zeigten zumindest die Unterlagen aus den beiden Häusern.
Inzwischen wurden nicht nur in Augsburg die entsprechenden Vorgaben verschärft, um weitere "Impfdrängelei" zu verhindern. Eine neue Anweisung des Bayerischen Gesundheitsministeriums gibt vor, dass die Berechtigung nun vor jeder Impfung nachgewiesen werden muss, etwa durch den Personalausweis oder eine Bescheinigung des Arbeitgebers. Die Augsburger Impfteams werden deshalb laut Plamboeck inzwischen von einem zusätzlichen Mitarbeiter verstärkt, der die Berechtigung jedes Impflings überprüft. AWO: "Besser geimpft als verworfen"

Von Janina Funk und Laura Türk


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Veröffentlicht am 16.02.2021 17:31 Uhr