Augsburg    

Gersthofer Stadtrat hält an Wernher-von-Braun-Straße fest

Gersthofen - Die Wernher-von-Braun-Straße in Gersthofen wird nicht umbenannt. Das hat der Gersthofer Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung am Mittwoch beschlossen. Ein beauftragtes Fachgremium hatte zuvor jedoch eine Abkehr von dem Namenspaten empfohlen.


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In Augsburg sind bereits einige Straßen umbenannt und mit Infotafeln versehen worden. Die ehemalige Dr.-Mack-Straße heißt nun offiziell Geschwister-Schönert-Straße. Foto: Kristin Deibl


Seit Jahren wird in Gersthofen über die Wernher-von-Braun-Straße debattiert, da der Raketentechniker laut Historikern eng mit den Nationalsozialisten verbunden war. Von Braun war Mitglied der NSDAP und gar SS-Sturmbannführer.
Verschiedene Initiativen, Vereine und Arbeitsgruppen aus Gersthofen haben sich daher zusammen getan und bei der Stadt einen Antrag auf Umbenennung beziehungsweise Kontextualisierung einiger Straßennamen im Stadtgebiet gestellt. Neben den umstrittenen Straßennamen hinterfragen die Antragssteller auch den Ehrenbürgertitel für Georg Wendler.
Am Mittwoch nun hat der Stadtrat seine Entscheidung getroffen und sich gegen die Umbenennung der Wernher-von-Braun-Straße ausgesprochen. Unter anderem fielen als Begründung die hohen Kosten wegen der Adressen- oder Handelsregisteränderung für Betriebe.
"Das ist eine nicht hinnehmbare Verhöhnung der Familie Pröll und aller Opfer, die im KZ Dora unter unbeschreiblichen Bedingungen den Tod fanden", richtete sich der Historiker und Vorsitzende der Gersthofer Stolpersteininitiative Bernhard Lehmann an die Öffentlichkeit. "Es ist auch eine Verhöhnung der Opfer, für die wir in Gersthofen Stolpersteine verlegt haben. Täter und Opfer werden so in Gersthofen auf eine Stufe gestellt und gleichzeitig geehrt. Mit welcher Form von Erinnerungskultur haben wir es in Gersthofen zu tun? Sind sich die Stadträte eigentlich der Unvereinbarkeit bewusst?", so Lehmann weiter.
Seiner Ansicht nach würde die Benennung der Mittelschule nach der Widerstandskämpferin Anna Pröll durch die Entscheidung des Stadtrates "vollkommen entwertet".
In einer Stellungnahme zu den deutlichen Worten erklärte Gersthofens Bürgermeister Michael Wörle: "Die Stadträte sind in ihrer Entscheidung frei und müssen diese auch nicht begründen. Ich persönlich habe mich für eine Umbenennung der Wernher-von-Braun-Straße ausgesprochen. Von Seiten der Stadt nehmen wir die Anmerkungen von Dr. Lehmann zur Kenntnis."
Der Stadtrat sprach sich hingegen einstimmig dafür aus, dass an mehreren Straßenschildern mit historisch belasteten Namen Infotafeln samt QR-Codes angebracht werden sollen. So soll auf die Rolle der Namensgeber im Dritten Reich aufmerksam gemacht werden. Außerdem haben sich die Gersthofer Räte mehrheitlich dafür ausgesprochen, dass das Leben sowie politische Verhalten des langjährigen Bürgermeisters und Ehrenbürgers Georg Wendler untersucht werden soll.
Von dem Namenspaten Wernher von Braun hat sich etwa Friedberg bereits im Jahr 2014 losgesagt, das Gymnasium wurde dort in Staatliches Gymnasium Friedberg umgetauft. Auch in Augsburg wurden bereits Straßen umbenannt und mit Hinweisschildern versehen. So wurde die Dr-Mack-Straße am Bezirkskrankenhaus in Geschwister-Schönert-Straße umbenannt. Ehrenbürgertitel soll untersucht werden

Von Patrick Bruckner


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Veröffentlicht am 25.09.2022 17:06 Uhr