Augsburg    

Diedorfer Filmemacher für Dokumentarfilmpreis nominiert

Diedorf - Die Dreharbeiten zu ihrem neusten Film haben dem Diedorfer Dominik Utz und seinem Produzentenpartner Martin Schwimmer einige schlaflose Nächte bereitet; fanden sie doch in Kolumbien im Milieu der "Blutigen Kohle" statt - so lautet auch der Titel des dabei entstandenen Dokumentarfilms, der nun für den Deutschen Dokumentarfilmpreis 2021 nominiert ist. Die Dreharbeiten "bargen ein gewisses Risiko, das wir aber bewusst eingegangen sind", sagt Utz.


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Dominik Utz aus Diedorf ist für den Deutschen Dokumentarfilmpreis 2021 nominiert. Foto: Domar Film


Die Auswahl für den Deutschen Dokumentarfilmpreis 2021, dotiert mit 20 000 Euro, erfolgte aus 90 Dokumentarfilmen, 15 stehen nun in der Endausscheidung am 18. Juni. Utz und Schwimmer stehen damit mit ihrem Werk "Blutige Kohle - Carbon con Sangre" in einer Reihe mit so bekannten Film- und Regiegrößen wie Marcus H. Rosenmüller.
Ihr Film beleuchtet ein bislang wenig beachtetes Thema: "Im Namen der hiesigen Kohleindustrie wurden in Kolumbien Morde begangen", erklärt Dominik Utz. Deutschland bezieht seit vielen Jahren aus dem südamerikanischen Land einen Teil seiner importierten Kohle. Doch an dieser Kohle klebe viel Blut und noch viel mehr Tränen, sagt Utz. Seit vielen Jahren drehe sich in Kolumbien eine Gewaltspirale, von der nicht nur die Unternehmen, sondern auch die Menschen in Deutschland indirekt profitieren, erläutert der junge Filmemacher.
Zusammengebracht hat das Produzentenduo Utz und Schwimmer ihr Studium in den Bereichen "Creative Producing" und "International Producing" an der Filmakademie Baden-Württemberg. "Wir wurden eine Art Bayern-Connection", erzählt Utz und lacht. Bereits im ersten Studienjahr hatten die beiden die Idee, eine Filmproduktion zu gründen. Auch wenn Dozenten und Professoren davon eher abgeraten hätten, ließen sich Utz und Schwimmer nicht abhalten und gründeten die "Domar Film GmbH". Ihre Abschlussarbeit "Trash Detective", ein "schwäbischer Krimi", zu dem der Stuttgarter Maximilian Buck Regie führte, erschien deutschlandweit in den Kinos. Von Esslingen und Eichenau bei München aus produzieren die beiden seither Spiel-, Dokumentar- und Werbefilme, die national und international mit einer Vielzahl an Preisen bedacht wurden.
Für ihren 60-minütigen Dokumentarfilm "Blutige Kohle - Carbon con Sangre" begleitete das Filmteam El Samario, einen ehemaligen Soldaten der paramilitärischen Einheiten in Kolumbien ein Jahr lang. Dieser berichtete von den unzähligen Morden, die er im Auftrag deutscher Kohlezulieferer ausgeführt habe. Gleichzeitig erzählt der Film von El Samarios Versuch, Vergebung für seine begangenen Morde zu finden. Dabei trifft er sich auch mit den Hinterbliebenen seiner Mordopfer. Der Film will auf diese Weise "einen intensiven Einblick in die Psyche eines Auftragsmörders, die Beweggründe für seine Taten sowie seinen Umgang mit den schrecklichen Erinnerungen und seinen Schuldgefühlen" geben. Zudem soll den Zuschauern das Leben der Hinterbliebenen nahegebracht werden. Der Film stelle schlussendlich die Frage, ob einem Mörder überhaupt jemals vergeben werden kann.
Die Dreharbeiten seien "einerseits megainteressant" gewesen, doch sie hätten dem Filmteam auch viele schlaflose Nächte eingebracht. Nicht zuletzt deshalb, weil während der Zeit ein weiterer Mord geschehen sei. "Dies zeigte uns klar, wie wenig dort ein Menschenleben wert ist. Wir hatten also begründet Angst, sahen wir uns doch in der Verantwortung für Team und Protagonisten", sagt Utz. "Wir wurden eine Art Bayern-Connection"

Von Jutta Kaiser-Wiatrek


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Veröffentlicht am 06.06.2021 17:30 Uhr