Augsburg    

Corona bestimmt Eva Webers erstes Jahr als Oberbürgermeisterin

Augsburg - Oberbürgermeisterin Eva Weber ist nun seit einem Jahr im Amt und seither dreht sich fast alles um die Corona-Pandemie. Unter dem Einfluss der Krise schlossen CSU und Grüne einen Koalitionsvertrag, in dem es beispielsweise um eine autofreie Maximilianstraße, mehr Radwege und Fahrradstraßen sowie stärkeren Klimaschutz und eine intensivere Willkommenskultur für Migranten und Geflüchtete geht. Schon vor rund einem Jahr erklärten die Regierungsparteien mit Blick auf die Pandemiesituation in ihrem Vertrag, dass sie nicht genau sagen könnten, wie viel von den Plänen tatsächlich umgesetzt werde.


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Amtszeit in der Krise: Das erste Jahr als Oberbürgermeisterin von Augsburg war für Eva Weber bestimmt von der Corona-Pandemie. Foto: Ruth Plössel


Schließlich nahm das Infektionsgeschehen auch in Augsburg Fahrt auf, was ein ständiges Abwägen und Reagieren auf die aktuellen Situationen beinhaltete. Maßnahmen schienen zu funktionieren und die Inzidenzzahlen ließen im vergangenen Jahr einen Augsburger Stadtsommer mit Attraktionen und Fahrgeschäften an verschiedenen Orten in der Innenstadt zu. Im Herbst stieg die Zahl der Neuinfektionen dann allerdings rasant an, so dass sich die Fuggerstadt zum deutschlandweiten Corona-Hotspot entwickelt hatte. Die Ursache dafür wussten weder Weber noch das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. "Vielleicht haben wir alle gemeinsam die Pandemie im Sommer zu sehr auf die leichte Schulter genommen", sagte die Oberbürgermeisterin damals und räumte ein, dass man im Oktober und November in Augsburg Fehler gemacht habe.
Und auch Monate später wird die Rathauschefin mit Kritik seitens der Sozialfraktion aus SPD und Linke konfrontiert. In der vergangenen Stadtratssitzung äußerte Fraktionsvorsitzender Florian Freund seine Zweifel am städtischen Corona-Management. Er frage sich, ob es die Stadt versäumt habe, das Gesundheitsamt ausreichend vorzubereiten, trotz der Erfahrungen der zweiten Welle. Denn vermehrt hätte die Nachverfolgung innerhalb von 24 Stunden nicht geklappt. Weber verwahrte sich deutlich gegen die Kritik und wies darauf hin, dass das Gesundheitsamt erst tätig werden könne, sobald ein Laborergebnis vorliege.
Eine Eltern-Whatsapp-Gruppe sei da eben schneller, sobald im Kindergarten ein positiver Soforttest vorliegt.
"Wir sind gebrannte Kinder", sagte die Oberbürgermeisterin. Es sei ein ständiges Abwägen und Reagieren auf die aktuelle Infektionslage. Vor einem Jahr hätte sie es nicht für möglich gehalten, dass sie den Ordnungsdienst anweisen würde, Hauskontrollen durchzuführen, ob sich die Augsburger Bürger an die Kontaktbeschränkungen halten, dennoch hätten es die anhaltend hohen Inzidenzwerte erfordert.
Die Stadtverwaltung beschäftigt sich aber nicht nur mit der aktuellen Corona-Situation, sondern macht sich auch Gedanken über einen möglichen Neustart nach dem Lockdown. Gemeinsam mit Mitgliedern des Stadtrats und Vertretern von Gastronomie, Handel, Marketing, Aktionsgemeinschaften und Wirtschaftskammern diskutierte Weber über einen "attraktiven Neustart" nach der Pandemie. Sollte es die Corona-Lage zulassen, können sich die Augsburger auch heuer auf einen Stadtsommer freuen.
Doch im vergangenen Jahr ging es nicht ausschließlich um Corona. So beschloss der Stadtrat trotz massivem Gegenwind unter anderem die Fortsetzung der kostspieligen Theatersanierung und den Bau der Straßenbahnlinie 5 westlich des Augsburger Hauptbahnhofs, die eine schnelle Verbindung bis zum Klinikum darstellen soll.
Auch in Sachen Klimaschutz hat sich im vergangenen Jahr etwas getan. So wurde beispielsweise die Konrad-Adenauer-Allee zur Fahrradstraße umgewandelt und der Stadtrat hat ein CO2-Restbudget für Augsburg festgelegt. Eine autofreie Maximilianstraße, wie sie sich die Grünen wünschen, gibt es aber noch nicht. Im vergangenen Jahr war der Prachtboulevard abends an den Wochenenden für Nicht-Anlieger gesperrt. Viel Zuspruch seitens der Anwohner gab es für diese Regelung in einem Bürgerdialog. Die Bewohner würden es demnach durchaus begrüßen, wenn auch heuer zeitweise die Autos aus der Maxstraße verbannt werden.
In einer Sondersitzung des Stadtrats am 11. Mai wird es ausschließlich um den städtischen Klimaschutz gehen. "In den kommenden Jahren müssen wir es schaffen, Maßnahmen zur Überwindung der Corona-Krise mit unseren langfristigen Visionen für Augsburg zu kombinieren", sagt Verena von Mutius-Bartholy, Vorsitzende der Grünen im Stadtrat. Langfristige Visionen für Augsburg

Von Patrick Bruckner


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Veröffentlicht am 04.05.2021 17:02 Uhr