Augsburg    

Wenn Tiere zur Ware werden

Augsburg - Das Tierheim Augsburg leidet unter dem verstärkten Tierhandel im Internet. Das beklagen Sabina Gassner, Geschäftsführung Tierschutzverein Augsburg, und Heinz Paula, Vorsitzender des Tierschutzvereins. Die meisten Tiere, die über den Internethandel beschafft werden, kommen krank oder verstört in das Tierheim. So erging es zum Beispiel Nora, einem Malteser aus Bulgarien. Mit weniger als sechs Wochen wurde der Welpe mit gefälschten Papieren nach Deutschland gebracht. Das Alter des Hundes konnte anhand des Gebisses geschätzt werden. Nora war nicht geimpft und zu früh vom Mutterhund getrennt worden. Der Malteser erlitt eine schwere Darmentzündung und wurde in eine Tierklinik gebracht, dort stationär behandelt. Der Welpe musste per Hand gefüttert werden, brauchte Infusionen und hatte einige Gewichtskontrollen. Die Tierärztin schaltete das Veterinäramt ein.


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Diese drei Möpse aus Bulgarien wurden von der Polizei bei einer Verkehrskontrolle beschlagnahmt. Sie wurden fünf Tage stationär behandelt. Ein Welpe verstarb in der Klinik. Fotos: Martina Dieminger


Die Besitzerin habe geglaubt, das Tier aus guten Händen gekauft zu haben, erklären Gassner und Paula. Die Frau habe für die Anschaffung ihres Maltesers circa 1000 Euro bezahlt. Weitere 2000 Euro wurden für die Tollwutquarantäne während des Tierheimaufenthaltes von ungefähr zweieinhalb Monaten benötigt. Circa 60 Euro täglich für die Klinikkosten, 350 Euro für Untersuchungen und Medikamente, 500 Euro für Impfungen, 250 Euro für Bescheid und Fahrtkosten. Ausgebildete Fachkräfte mussten sich um den Hund während der Tollwutquarantäne kümmern. Zwei Schutzmonturen wurden pro Tag für die Pfleger benötigt.
Verkaufsportale im Internet tragen dazu bei, dass wichtige Voraussetzungen zum Kauf von Tieren nicht eingehalten werden. Gerade auf eBay würden Tiere aus Sicht von Gassner und Paula als "Ex-und-Hopp-Artikel" vertrieben. "Importeure schaden dem Ruf seriöser Tierschutzvereine." Lebewesen aus dem sogenannten "Auslandstierschutz" würden häufig viele Probleme verursachen und seien häufig an verschiedenen Infekten erkrankt.
"Rassenhunde" gelten oft als ein Zeichen der Stärke und des Wohlstandes, deshalb würden diese oft über illegalen Handel aus dem Ausland importiert. Diese Tiere erleiden schon Qualen bei ihrer "Herstellung", betont der Tierschutzverein. Sie werden über lange Strecken in kleinste Käfige gesteckt, ohne Wasser und Nahrung. "Ein Hund ist kein Gegenstand," ärgert sich Heinz Paula. Menschen unterstützen "die Verbrechen der Verkäufer durch den Erwerb eines Tieres".
Laut Paula verwenden die unseriösen Händler oftmals geschönte Bilder, um Tiere zu verkaufen. Der Tierheim-Vorstand erklärt, woran man seriöse Vermittler erkennt: Wichtig sind unter anderem ein Herkunftsnachweis und ein persönliches Kennenlernen durch ein Gespräch mit dem Vermittler oder einen Spaziergang mit dem Tier. Das Tierheim selbst bietet eine Vorkontrolle, einen Probetag oder -wochenende, eine Abschlussuntersuchung, eine Krankenakte und einen Impfpass. Ebenso sind eine telefonische oder persönliche Nachkontrolle und eine Rückgabe bei dauerhaften Schwierigkeiten möglich. Zudem werde 14 Tage lang eine Begleitung bei Problemen geboten, gegebenenfalls kostenfreie Schnupperstunden bei einem Hundetrainer und die Übernahme von Behandlungskosten. "Das Ziel ist nicht, die Vermittlungskosten zu bekommen. Das Ziel ist es, den Tieren bis zum Ende ein schönes Zuhause zu geben", betont Heinz Paula. Merkmale seriöser Vermittlungen

Von Martina Dieminger


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Hektor , ein American Staffordshire Terrier, wurde mit gefälschten Papieren nach Deutschland gebracht. In Bayern darf die Hunderasse nur mit einer Ausnahmegenehmigung gehalten, nicht aber verkauft werden.



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Veröffentlicht am 26.10.2020 16:58 Uhr