Augsburg    

Verschärfte Maßnahmen in Augsburg

Augsburg - Über das Wochenende hat das Augsburger Gesundheitsamt 93 neue Corona-Fälle registriert. Gestern gaben Oberbürgermeisterin Eva Weber, Zweite Bürgermeisterin Martina Wild und Thomas Wibmer vom Augsburger Gesundheitsamt in einer Pressekonferenz bekannt, welche Konsequenzen dies nun haben wird.


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Auf einer Pressekonferenz hat unter anderem Oberbürgermeisterin Eva Weber über eine neue Allgemeinverfügung für Augsburg informiert. Foto: Screenshot/Youtube-Pressekonferenz/StadtAugsburg


Die Infektionszahl sei in Augsburg am Wochenende "explosionsartig in die Höhe geschnellt", sagte Eva Weber. Aktuell gebe es keine speziellen Hotspots, mit Ausnahme eines Inninger Seniorenheims. Insgesamt handle es sich in Augsburg um ein "diffuses Infektionsgeschehen, das die gesamte Bevölkerung betrifft", ergänzte Wibmer. Außerdem habe das Gesundheitsamt bei den aktuellen Fällen Probleme, den Ansteckungsort auszumachen. So sei bei 49 der neu infizierten Personen vom Wochenende die Infektionsquelle unbekannt.
Dies sei ein zusätzliches Problem, das zu den höheren Fallzahlen hinzukomme, so Weber. Die Überschreitung des Signalwertes von 35 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner sei weniger problematisch gewesen, als schnell Kontakte ermittelt werden konnten, um die folgende Infektionskette einzudämmen. Inzwischen geht Widmer von einer deutlichen Dunkelziffer unbekannter Infektionen schon in den vergangenen Wochen aus, die nun zu dem schnellen Anstieg führten.
Im Sommer hatten sich vor allem junge Menschen angesteckt, im Oktober aber seien auch wieder ältere Menschen dazugekommen. Das mache den Anstieg der Infektionen besonders problematisch, da somit wieder mit schwereren Verläufen zu rechnen sei. In den vergangenen sieben Tagen wurden 147 Neuinfektionen im Stadtgebiet gemeldet. Das entspricht etwa 49,3 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner. Man gehe davon aus, "dass spätestens am Mittwoch, die 50 gerissen sein wird", sagte Weber. Die Stadt habe nun eine Strategie entwickelt, die sich an Maßnahmen anderer Städte orientiere. Die Strategie enthält zwei unterschiedliche Regelkataloge, die jeweils bei einem Inzidenzwert zwischen 35 und 50 beziehungsweise ab 50 gelten. Da der Signalwert von 35 Fällen bereits überschritten ist, tritt ab Dienstag, 0 Uhr, die erste Allgemeinverfügung für vorerst sieben Tage, oder so lange, bis die Zahl wieder unter 35 fällt oder über 50 steigt, in Kraft.
Demnach dürfen sich nun nur noch höchstens zehn Personen aus zwei Hausständen beziehungsweise Familienverbänden privat treffen. Bei Veranstaltungen wie Hochzeiten und Beerdigungen dürfen maximal 50 Teilnehmer in geschlossenen Räumen zusammenkommen, maximal 100 unter freiem Himmel. Im Profi- und Breitensport sind nun keine Zuschauer mehr zugelassen, dies gilt auch für Eltern oder sonstige Begleiter von Sportlern. Zudem gilt ein Mund-Nasen-Schutz auf dem Stadtmarkt und unter anderem für die am Samstag startende Lechhauser Kirchweih. Der Verkauf von Alkohol "to go" ist von Donnerstag bis Samstag unter anderem in der Maximilianstraße, auf dem Rathausplatz, dem Elias-Holl-Platz und in anderen Bereichen der Innenstadt von 21 bis 6 Uhr untersagt. Ab 23 Uhr gilt an zahlreichen öffentlichen Plätzen auch ein Verbot für den Konsum von Alkohol. Gaststätten und Veranstaltungen sind davon nicht betroffen.
Wenn die Inzidenzzahl auf 50 steigt, gilt für vorerst weitere sieben Tage eine verschärfte Allgemeinverfügung. Zusammenkünfte im Privaten werden auf maximal fünf Personen begrenzt, Feste in geschlossenen Räumen werden nur noch mit maximal 25 Teilnehmer erlaubt sein, unter freiem Himmel mit 50 Personen. An stark frequentierten Orten in der Innenstadt soll außerdem für Fußgänger eine Maskenpflicht gelten, ebenso am Sitzplatz in Kinos, im Theater und bei anderen Darbietungen mit Publikum. Zudem werde es eine Sperrstunde geben, die Ausgabe von Speisen und Getränken soll von 23 bis 6 Uhr untersagt werden. Besuche von Alten- und Pflegeeinrichtungen werden täglich auf eine Person pro Bewohner beschränkt.
Bildungsreferentin Martina Wild sagte: "Unser Ziel ist es, komplette Schul- und Kitaschließungen so lange es geht zu vermeiden." Am Dienstag werde ein Runder Tisch mit dem Schulamt und dem Ministerialbeauftragten stattfinden. Die Maskenpflicht soll dann wohl ab der fünften Klasse auch im Unterricht gelten. Im Kita-Bereich wird eine Maskenpflicht für Erzieher eingeführt, es soll ausschließlich in festen Gruppen gearbeitet werden und auf Feste wie St. Martin verzichtet werden.
"Ich hab' für jeden Verständnis, der sagt, er hat auf diese Pandemie keine Lust mehr - das geht mir nicht anders", versuchte OB Weber im Vorfeld zu beschwichtigen. Aber man müsse nun "hart entscheiden", um einen zweiten Lockdown zu vermeiden. "Mit all diesen Maßnahmen glauben wir und hoffen wir, dass wir gut durch den Herbst und den Winter kommen", so Weber. Private Treffen ab heute eingeschränkt

Von Janina Funk und Laura Türk


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Veröffentlicht am 12.10.2020 17:43 Uhr



 
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