Augsburg    

Soll die Sanierung gestoppt werden?

Augsburg - Die Kostenexplosion beim Augsburger Staatstheater stoppen. Das fordern die Initiatoren eines neuen Bürgerbegehrens, die sich am Donnerstag offiziell vorgestellt und ihr Anliegen präsentiert haben. Widerstand gegen die Sanierung des Theaters gibt es bereits seit Jahren, als man noch von Kosten in Höhe von rund 186 Millionen Euro ausging. Vor vier Jahren scheiterte ein entsprechendes Bürgerbegehren, lediglich etwa 8000 von rund 11 000 benötigten Unterschriften (fünf Prozent der Wahlbeteiligten) konnten gesammelt werden.


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Kostenexplosion stoppen: Unter diesem Titel haben Alexander Süßmair (links) und Tobias Bevc ihr Bürgerbegehren zum Staatstheater vorgestellt. Foto: Patrick Bruckner


Inzwischen sollen sich die Kosten für die Sanierung des Theaters auf bis zu 321 Millionen Euro belaufen, die der Stadtrat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause so auch mit den Stimmen der schwarz-grünen Regierung beschlossen hatte. Seitdem gab es intensive Gespräche zwischen verschiedenen Gruppierungen und Einzelpersonen und schließlich taten sich Alexander Süßmair, der zwölf Jahre lang für Linke und Polit WG im Stadtrat saß, sowie Tobias Bevc, Kreisvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), und Anna Xenia Weingart von der V-Partei als Initiatoren zusammen, um ein zweites Bürgerbegehren auf den Weg zu bringen.
Die Fragestellung lautet: "Sind Sie dafür, dass die Planung und weitere Auftragsvergaben der Theatersanierung sofort gestoppt und die Stadtverwaltung beauftragt wird, kostengünstigere Alternativen zu prüfen und vorzulegen?" Die Zulässigkeit der Frage sei laut Süßmair bereits juristisch geprüft worden. Unterstützt wird das Begehren bislang von den Gruppierungen Augsburg in Bürgerhand, Die Linke, GEW, Verein zur Förderung der Musikkultur, dem Kreativzentrum Kulturpark West sowie der V-Partei.
"Die Kostenentwicklung für die Theatersanierung läuft dramatisch aus dem Ruder", heißt es in der Begründung zum Bürgerbegehren. Demnach müssten wichtige Maßnahmen und schon lange geplante Projekte im Kultur-, Bildungs- und Sozialbereich weichen oder um Jahre verschoben werden. Weiterhin sei zu befürchten, dass aufgrund der Baupreisentwicklung und der nicht vorhersehbaren Kostensteigerungen bei der Altbausanierung des Großen Hauses die tatsächlichen Kosten weiter steigen können.
Der Stopp der bisherigen Planung könne aus Sicht der Initiatoren dazu genutzt werden, diese unter Einbeziehung von alternativen Vorschlägen und den Möglichkeiten der vorhandenen Spielstätten zu korrigieren und Lösungsvorschläge zu machen, die zu massiven Kosteneinsparungen führen.
Kritiker eines Baustopps bringen immer wieder die dadurch nur noch weiter steigenden Kosten ins Gespräch. Süßmair, der für die Linken im Bundestag saß und stellvertretendes Mitglied des Haushaltsausschusses war, gab diesbezüglich zu bedenken, dass beispielsweise das Bahnprojekt "Stuttgart 21" anfangs mit rund 2,6 Milliarden Euro veranschlagt wurde.
Projektgegnern sei damals vorgehalten worden, dass ein Baustopp die Kosten um eine Milliarde Euro erhöhen würde. Mittlerweile werden die Gesamtkosten des Projekts jedoch auf satte 8,2 Milliarden Euro geschätzt. Wenn man das Vorhaben gestoppt hätte, hätte man laut Süßmair mehrere Milliarden Euro einsparen und in den Nahverkehr stecken können.
In Augsburg kritisieren die Initiatoren des Bürgerbegehrens die Art und Weise der Stadtverwaltung, wie das Großprojekt Theatersanierung angegangen wurde. Von Anfang an hätte es kein Grundkonzept gegeben und es musste ständig umgeplant werden, erklärte Süßmair. Beispielsweise sahen die ursprünglichen Planungen vier Kellergeschosse vor. Dem zuständigen Architekten Walter Achatz wirft der ehemalige Stadtrat vor, dass er hätte wissen müssen, dass man bei derartigen Planungen auf Grundwasser stoßen wird.
"Jetzt sehen alle, dass die 186 Millionen Euro bewusst gefaked wurden", fand Tobias Bevc deutliche Worte und verwies auf eine Präsentation des ehemaligen Stadtrats und Architekten Volker Schafitel, der eigene Berechnungen zur Theatersanierung durchgeführt hatte. Diese sahen laut Bevc ein Gesamtvolumen zwischen 380 und 480 Millionen Euro vor.
Im Laufe der nächsten Tage soll es zum Bürgerbegehren auch einen Internetauftritt geben. Ob es Infostände geben wird, müsse wegen Corona noch mit den Behörden abgeklärt werden.
Rund 11000 Unterschriften sind nötig, damit sich der Stadtrat mit dem Begehren befassen muss. Um dieses voranzubringen wurde ein Verein gegründet, der sich für die "Förderung der Augsburger Kultur" einsetzen will. Kosten laufen "dramatisch aus dem Ruder"

Von Patrick Bruckner



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Veröffentlicht am 08.10.2020 23:00 Uhr



 
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