Augsburg    

Erlebnisse rund ums Feuer

Augsburg - Auf dem Gelände des Martini-Parks im Augsburger Textilviertel herrscht geschäftiger Betrieb. Die Unternehmen rund um die Halle E3 haben bereits ihren alltäglichen Arbeitsrhythmus aufgenommen. Doch ein Gebäude, auf dem bereits ein in rot-weißes Schild auf die kommende Attraktion hinweist, beheimatet keine Firma, sondern die neue Feuerwehrerlebniswelt.


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Historische Ausstellungsstücke werden in der Erlebniswelt unter anderem zu sehen sein. Sie sollen allerdings nicht das wichtigste Element der Ausstellung sein. Fotos: Elischa Matthias Rietzler


Augsburg - Auf dem Gelände des Martini-Parks im Augsburger Textilviertel herrscht geschäftiger Betrieb. Die Unternehmen rund um die Halle E3 haben bereits ihren alltäglichen Arbeitsrhythmus aufgenommen. Doch ein Gebäude, auf dem bereits ein in rot-weißes Schild auf die kommende Attraktion hinweist, beheimatet keine Firma, sondern die neue Feuerwehrerlebniswelt.
Frank Habermaier steht in der ehemaligen Industriehalle, die in wenigen Wochen ein "deutschlandweit einzigartiges" Erlebnis für Besucher bieten soll. Seit Jahren verfolgt er den Traum, seine jahrelangen Erfahrungen als Feuerwehrmann und Leiter der Augsburger Berufsfeuerwehr einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Neben ihm steht Dirk von Gehlen, der 15 Jahre lang Finanzchef bei der Papierfabrik UPM war und nun, als Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH, die Verwaltungs- und Finanzangelegenheiten der zukünftigen Erlebniswelt koordiniert.
Auf den rund 3000 Quadratmetern der Halle, inklusive neu geschaffenem Galeriebereich, sollen in Kürze einer Zielgruppe vom Kleinkind bis hin zum Bauexperten Themen rund um Brandschutz und Feuerwehr näher gebracht werden. "Eine achte Klasse eines Gymnasiums hat bereits angefragt, wann denn erste Führungen möglich seien", verkündet Habermaier freudig und verweist auf den fast fertigen Seminarraum am Rande der großen Halle, in der sowohl Schulklassen als auch Fachpublikum ihre Heimat finden sollen. Durch einen Aufzug zur zweiten Ebene wird die Ausstellung außerdem komplett barrierefrei werden.
Viele Ausstellungsstücke stehen bereits in der Halle und sollen in den nächsten Wochen an ihren vorgesehenen Platz gebracht werden. "Wir sind hier auf der Baustelle, mit ein bisschen Lärm müssen wir leben", sagt Habermaier, als sich ein Arbeiter an den noch nicht verglasten Fenstern zu schaffen macht und lautstark seine Hebebühne nach oben fährt. In der Tat sind die Arbeiten, die vor knapp einem Jahr begonnen haben, noch in vollem Gange. Ein Künstler sprüht ein großflächiges Feuerwehrmotiv an die Wand und Dämmaterial und Maschinen sind überall in der Halle verteilt.
Wichtig ist den Projektleitern, dass die Erlebniswelt, trotz der historischen Objekte, nicht als reines Museum gesehen wird. Interaktivität soll ein Kernthema der Ausstellung werden und so können viele der geplanten Attraktionen von den Besuchern aktiv genutzt werden. Dies hat auch den Grund, dass sich die Erlebniswelt explizit nicht als Museum sieht. Im Mittelpunkt sollen verschiedene Stationen stehen, die Gefahrensituationen im Alltag für die Besucher erfahrbar machen. Dazu zählen unter anderem eine Rauchkammer, in der durch Theaterrauch eine Brandsituation verdeutlicht werden soll, und eine Feuerwalze, mit der die vernichtende Kraft von Wohnungsbränden durch Flammenwerfer nachgestellt wird. Der "weltgrößte Feuermelder" soll außerdem auf die Nützlichkeit von Sicherheitshilfsmitteln hinweisen und wird für die Zuschauer begehbar sein.
Auch eine Kooperation mit der Hochschule Augsburg wurde initiiert. Fabian Giewald, ein Student der Wirtschaftsinformatik, erstellte einen "Leitstellen-Simulator", bei dem die Besucher einen fiktiven Notfallanruf richtig entgegennehmen müssen.
Bereits 2016 wollte Habermaier sein Projekt mit Geldern der Stadt Augsburg in die Tat umsetzten, doch diese lehnte damals eine Bürgschaft über 800 000 Euro ab. "Die Stadt hat kein Interesse an einem zusätzlichen Museum", meint Habermaier heute rückblickend und kann seinen Frust über diese Ablehnung nicht ganz verstecken. Aus diesem Grund wurde das Erlebnismuseum letztendlich fast ausschließlich durch Sponsorenmittel finanziert und die Macher sind auch nach wie vor auf Spenden angewiesen. Ursprünglich ging man von Kosten in Höhe von 500 000 Euro aus, die auch durch einen "Start-up-Kredit" gedeckt wurden. Die tatsächlichen Kosten verdoppelten sich allerdings und so wird nun eine Million Euro für das Gesamtprojekt veranschlagt.
"Die Besucher sollen mit einem Gewissensgewinn hier raus gehen", erklärt Habermaier und blickt stolz auf das bisher geleistete. Insgesamt 20 Mitarbeiter sollen für den Betrieb angestellt werden. Dabei soll die Erlebniswelt von 10-18 Uhr, ohne Ruhetag, zugänglich sein. In einem angeschlossenen Laden werden Feuermelder und andere Hilfsmittel angeboten, die eventuelle Sicherheitslücken im eigenen Haushalt schließen. Auch ist ein Bistro für die Verköstigung der Besucher vorgesehen.
Am 29. Oktober sollen die Türen für alle Interessierten öffnen. Der Donnerstag soll dabei eine Art Probetag sein, um am anschließenden Wochenende "nicht völlig überrannt zu werden". Für Erwachsene wird das Erlebnis voraussichtlich zehn Euro kosten, für Kinder sechs Euro. Die Tickets sollen aufgrund der Corona-Maßnahmen ausschließlich online verfügbar sein, sodass beim Kauf direkt die Kontaktdaten der Besucher hinterlegt werden können.
Der ehemalige Feuerwehrchef blickt insgesamt positiv auf die bevorstehende Eröffnung. Er sei hin und hergerissen zwischen Freude und der Sorge um den noch zu bewältigenden Zeitplan. "Die Feuerwehr war schon immer gut im improvisieren", sagt Habermaier aber abschließend. Er ist sich sicher, dass sein Lebenstraum bald die Besucher begeistern kann. "Wir sind kein Museum"

Von Elischa Matthias Rietzler


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Die Leiter des Projekts, Frank Habermaier und Dirk von Gehlen (von links), wollen unter anderem auf Rauchmelder aufmerksam machen.



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Veröffentlicht am 14.09.2020 23:00 Uhr



 
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