Augsburg    

"Erinnerungen an einen Ort, den es noch gar nicht gibt"

Augsburg - Für die Abgabe ihrer Semesterarbeiten im Masterstudiengang Architektur im Fach Baugeschichte haben Studenten der Hochschule Augsburg in diesem Sommersemester einen besonderen Ort gewählt: eines der Fürstenzimmer, angrenzend an den Goldenen Saal im Augsburger Rathaus.


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Die interpretierende Rekonstruktion der Kassettendecke als Geduldsspiel aus Holz. Foto: Hochschule Augsburg


Der über 400 Jahre alte Goldene Saal im Augsburger Rathaus gilt als einer der Glanzpunkte der Renaissance in Deutschland. Der "Verein zur historischen Wiederherstellung des Goldenen Saals" hat es sich als eine seiner nächsten großen Aufgaben vorgenommen, das südöstliche Fürstenzimmer zum 450. Geburtstag des Baumeisters Elias Holl im Jahr 2023 rekonstruieren zu lassen. Denn der Raum befindet sich noch immer in dem Zustand, der beim provisorischen Aufbau des Rathauses nach dem Zweiten Weltkrieg erreicht worden war.
Die Herausforderungen im Zusammenhang mit einer Rekonstruktion griff Bernhard Irmler, Professor für Bauen im Bestand und Baugeschichte an der Hochschule Augsburg, nun mit den Studierenden aus dem Masterstudiengang Architektur auf. Nach einem "intensiven theoretischen Teil" hatte er eigentlich vor, "große Modelle zum Thema Rekonstruktion und Interpretation bauen zu lassen. Aufgrund der Pandemie und den eingeschränkten Möglichkeiten in unserer Werkstatt musste ich das Programm jedoch anpassen." Entstanden sind in dem Seminar "Strategien für den Goldenen Saal" nun eine Vielzahl von Ideen für Souvenirs zum Thema Fürstenzimmer.
Die Studenten stellten kürzlich vor Mitgliedern des "Vereins zur historischen Wiederherstellung des Goldenen Saals" im Augsburger Rathaus ihre Prototypen vor: etwa ein Geduldsspiel aus Holz, das die Ornamente der Kassettendecke aufgreift, oder einen Bausatz für ein Fürstenzimmer aus Papier zum Selberbasteln.
Maximilian von Grolman, Franziska Riesenegger, Daniela Fieger und Sebastian Thumm etwa haben sich überlegt, wie sie das Muster der Fürstenzimmer-Decke in verschiedenen Variationen auf Seidentücher applizieren können. Entstanden sind Prototypen von Halstüchern und Sakko-Einstecktüchern. "Wir wollen jedem die Möglichkeit geben, ein Stück von Augsburg und vom Fürstenzimmer an sich zu tragen", sagt von Grolman.
Das Thema Rekonstruktion erinnerte Johanna Gaidamak an die Abfolge eines Daumenkinos. Sie macht in ihrem Souvenir-Vorschlag den Wiederaufbau des Fürstenzimmers auf diese spielerische Art greifbar. In etwa 100 Schritten zeigt sie das Prozesshafte einer solchen Wiederherstellung auf.
Anna Mayer und Anna Lena Löcherer haben sich auch für eine Variante aus Papier entschieden. Mit "Rekogami" haben sie eine historische Rekonstruktion zum Selberbasteln vorgelegt. Am Ende erhält der Betrachter einen dreidimensionalen Einblick in den ursprünglichen Zustand des Raumes.
Mit einem Lampenschirm als Nachtlicht möchte Hannah Sophie Hoppstaedter das südöstliche Fürstenzimmer wieder zum Strahlen bringen. Kernstück ist dabei ein Gittermodell, das den Raum auf modernistische Weise minimiert und stilisiert wiedergibt.
Auch Schirme sind als Souvenirartikel nicht unbekannt. Das Besondere jedoch an der Idee von Alexandra Schönherr und Suzan Muhziroglu ist die Innenbedruckung des Werkstücks. Wir haben die Perspektive des Fürstenzimmers so verzerrt, dass es unter der Rundung realistisch aussieht", sagt Schönherr.
Professor Irmler fasst die Seminar-Ergebnisse aus dem Corona-Sommersemester so zusammen: "Wir haben Erinnerungen geschaffen an einen Ort, den es noch gar nicht gibt. Wir hoffen, dass so das Interesse der Bürger erwächst."
Das langfristige Ziel sei klar: die Wiederherstellung des südöstlichen Fürstenzimmers im Augsburger Rathaus. Vieles anders im Corona-Semester



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Veröffentlicht am 21.07.2020 23:00 Uhr



 
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