Augsburg    

Eurofighter auf dem Landweg

Lagerlechfeld - Fünf Stunden statt fünf Minuten brauchte der Eurofighter 31+10 am Mittwoch für die rund 60 Kilometer vom Fliegerhorst Lechfeld zum Fliegerhorst Kaufbeuren. Kein Wunder, denn statt im fast grenzenlosen Luftraum bewegte sich der Luftwaffen-Kampfjet im normalen Straßenraum. Und der ist für die Flugzeug-Spannweite von 11,20 Metern ganz schön eng. Zahlreiche Verkehrsschilder und Ampeln im Stadtbereich Kaufbeuren mussten abmontiert, Bundesstraßen und Autobahn für den Verkehr gesperrt werden.


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Ein Kran hob den Eurofighter auf einen Tieflader.


Damit die Ausbildungs-Luftfahrzeuge auf dem aktuellen Stand bleiben und die Gesamtflotte hinsichtlich des Ausbildungs- und Einsatzflugbetriebs möglichst gleichmäßig belastet wird, werden diese Luftfahrzeuge regelmäßig ausgetauscht.
Nachdem die Start- und Landebahn auf dem Fliegerhorst Kaufbeuren für Kampfflugzeuge aufgrund ihres Zustandes derzeit gesperrt und nur für die Nutzung kleinerer Flugzeuge (Sportflieger, Sprungdienst-Flieger) zugelassen ist, landete der Eurofighter in der Lechfeldkaserne. Eine kurzfristige Sanierung wäre nicht möglich gewesen, darüber hinaus stünde der finanzielle Aufwand in keiner Relation zum Nutzen. Eine Landung auf dem näher an Kaufbeuren gelegenen zivilen Flughafen Memmingen war zudem ausgeschlossen, da das Kampfflugzeug stets einer speziellen militärischen Absicherung bedarf.
Anders als beim Tornado, der ebenfalls in Kaufbeuren steht und gelegentlich ausgetauscht werden muss, können beim Eurofighter die Tragflächen nicht abgebaut werden. Daher ist dieser Transport weit aufwändiger.
Der weitestgehend gewichtsentlastete Rumpf wird am Mittwoch auf einen Tieflader gehoben. Eine "Probefahrt" auf dem Fliegerhorstgelände zur Überprüfung der Verzurrung schließt sich an. Nach Freigabe durch die Verkehrspolizei startet der Transport in den Abendstunden und verlässt im Bereich nördlich der Startbahn den Fliegerhorst Richtung Ulrichkaserne. An der Ausfahrt Kleinaitingen fährt er auf die B 17 Richtung Schongau und biegt in Landsberg West auf die A 96 ein, die er in Jengen wieder verlässt und auf der B 12 Richtung Kaufbeuren fährt. Für die Fahrt durch die Stadt sind diverse Verkehrsschilder und -ampeln abzubauen. Während die Fahrt bis zur Stadtgrenze KF zwei Stunden betragen soll, sind für die Durchquerung der Stadt drei Stunden veranschlagt. Deshalb muss der 11,20 Meter breite, 15 Meter lange und nach Abbau des Seitenleitwerks vier Meter hohe Eurofighter vom Fliegerhorst Lechfeld aus nach Kaufbeuren transportiert werden.
Gewichtsmäßig wäre eine Beförderung des rund 130 Millionen Euro teuren Flugzeugs als Außenlast mit einem Bundeswehr-Hubschrauber zwar machbar, aber der Abwind durch den Rotor des Hubschraubers, der sogenannte "downwash", bei gleichzeitig großer Flügelfläche (50 Quadrameter) und der "Fahrtwind" würde Flugzeug und Hubschrauber zu stark in unkontrollierbare Schwingungen versetzen.
"Wenige Wochen später transportiert ein Spezial-Spediteur den auszutauschenden Eurofighter von Kaufbeuren zu Airbus nach Manching bei Ingolstadt, wo er nach zehn Jahren als technisches Ausbildungsflugzeug für die Wiederinbetriebnahme und Übergabe an ein Taktisches Luftwaffengeschwader vorbereitet wird", teilt ein Sprecher der Luftwaffe mit.
Von der Landung in Lechfeld bis zur Übergabe an die Ausbildungsgruppe V. in Kaufbeuren dauert es circa acht Wochen, in dieser Zeit sind bis zu 15 Mann tätig. Die Kosten belaufen sich auf rund 100 000 Euro. Teile wie die beiden Triebwerke, das Seitenleitwerk, die Waffenträger an den Tragflächen und sensible Elektronik-Teile wurden vor dem Transport ausgebaut. Zusammen mit dem Werkzeug und speziellen Bühnen sind 13 Lastwagen-Ladungen schon vorher von und nach Kaufbeuren gefahren.
In Kaufbeuren angekommen wird das Flugzeug wieder komplett zusammengebaut, diverse Checks (unter anderem ein Triebwerkstestlauf) schließen sich an. Schlussendlich wird der Eurofighter Anfang Juli an die Ausbildungsgruppe übergeben und die Schulung der Techniker, die aus ganz Deutschland anreisen, kann fortgesetzt werden.
Neben theoretischem Unterricht zum Systemverständnis und zu den anzuwendenden Verfahren, sowie praktischen Anteilen an Simulatoren und Trainern, ist auch die Arbeit am realen Luftfahrzeug unerlässlich. Zu diesen Ausbildungszwecken befinden sich derzeit drei Eurofighter in Kaufbeuren. Damit diese Ausbildungsmittel auf dem aktuellen Stand bleiben und die Gesamtflotte hinsichtlich des Ausbildungs- und Einsatzflugbetriebs möglichst gleichmäßig belastet wird, werden diese Luftfahrzeuge regelmäßig ausgetauscht.
Der letzte Austausch eines Eurofighters erfolgte im Jahr 2014. Ein weiterer Austausch ist für Ende Juli dieses Jahres geplant. Transport mit einem Hubschrauber wäre zu gefährlich

Von Patrick Bruckner


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Bevor sich der Eurofighter auf den Weg nach Kaufbeuren machte, stand zunächst eine Probefahrt an. Fotos: Kronenbitter/Bundeswehr



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Veröffentlicht am 18.06.2020 23:00 Uhr



 
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