Augsburg    

Projektgruppe soll sexuellen Missbrauch in Reitenbuch aufklären

Augsburg - Betroffene und Opfer sexuellen Missbrauchs berichteten bereits vor zehn Jahren über Fälle im Kinder- und Jugendheim Reitenbuch, im westlichen Landkreis Augsburg, doch erst jetzt drängt das Bistum Augsburg auf eine vollständige Aufklärung der Missbrauchsfälle. "Die Aufarbeitung hat mittlerweile einen anderen Stellenwert als noch 2010, als erste Fälle bekannt wurden", erklärt Reiner Sroka, Leiter des diözesanen Arbeitsstabs zur Behandlung von Missbrauchsfällen, am Dienstagnachmittag während der Vorstellung der Projektgruppe "Aufklärung Josefsheim Reitenbuch". Diese ist Ende vergangenen Jahres von der Diözese gegründet worden und besteht aus der Leiterin Elisabeth Mette, ehemalige Präsidentin des Bayerischen Landessozialgerichts, Bernhard Koloczek, ehemaliger Richter am Bundessozialgericht, Manfred Prexl, ehemaliger Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht, und Gerda Riedl, Leiterin der Hauptabteilung des Bischöflichen Ordinariats.


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Projektgruppenleiterin Elisabeth Mette (von links), Domkapitular Andreas Magg und Diözesan Rechtsdirektor Reiner Sroka stellen die Projektgruppe "Aufklärung Josefsheim Reitenbuch" vor.


Der Auftrag der Projektgruppe besteht darin, die Fälle körperlicher und sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen im Josefsheim Reitenbuch und gegebenenfalls auch im Marienheim Baschenegg bis zum 30. Juni 2021 aufzuklären.
"Ich habe mir gut überlegt, ob ich mir diese harte Kost im Ruhestand antun will", sagt Mette und ergänzt: "Wir wollen Licht ins Dunkel bringen und aufarbeiten, wie es sein kann, dass drei Priester nacheinander in einem Ort Kinder missbrauchen können".
Die Projektgruppe fokussiert sich auf die Zeit von 1950 bis vornehmlich 1985, in der die drei bereits verstorbenen Geistlichen tätig waren. Seit 2010 sind in der Diözese Augsburg inzwischen Hinweise in Bezug auf 16 Betroffene vorgetragen worden. 15 der Hinweisgeber sind männlich und berichten laut Sroka über Fehlverhalten von drei Priestern und mehreren Ordensschwestern. Ob es unter den Schwestern der Dillinger Franziskanerinnen, die in diesem Zeitraum die Verantwortung für die beiden Einrichtungen hatten, ebenfalls Täter gibt, müsse laut Domkapitular Andreas Magg, Vorsitzender der Christlichen Kinder- und Jugendhilfe, nun geklärt werden. "Vier Täter sind uns namentlich bekannt", erklärt Magg. Dabei soll es sich neben den drei verstorbenen Geistlichen um einen ebenfalls verstorbenen Nachbarn handeln, der Kinder zum Pfarrhaus neben dem Jugendheim gelockt haben soll. Das Pfarrhaus sei laut Magg der Haupttatort gewesen. Bei allen bislang eingegangenen Hinweisen handelt es sich um Vorkomnisse im Jugendheim Reitenbuch. "Baschenegg ist für uns ein unbeschriebenes Blatt aber eine Aufklärung macht nur dann Sinn, wenn man alles vollständig betrachtet", sagt Sroka. Kinder unter sechs Jahren lebten in dem Marienheim, ehe sie ab dem sechsten Lebensjahr ins Josefsheim Reitenbuch umzogen.
Nach Untersuchungen in Kinderheimen in Schrobenhausen und Donauwörth bleibt nach der Aufarbeitung in Reitenbuch und Baschenegg ein weiteres Haus des Bistums Augsburg am Ammersee übrig, das in der damaligen Zeit aktiv war. Ob dieses im Anschluss unter die Lupe genommen wird, das ließ Magg offen.
Ehemalige Heimkinder, die in der Zeit von 1950 bis 1985 Leid und Unrecht erfahren haben und darüber berichten wollen, können sich vertraulich per Post an "Projektgruppe Aufklärung Josefsheim Reitenbuch", Fronhof 4 in 86152 Augsburg, per E-Mail an projektgruppe.reitenbuch@bistum-augsburg.de oder per Telefon unter 0821/31 66 83 93 wenden. Leiterin Projektgruppe: "Wollen Licht ins Dunkel bringen"

Von Patrick Bruckner


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Ehemalige Heimkinder können sich beim Bistum Augsburg melden. Fotos: Patrick Bruckner



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Veröffentlicht am 04.02.2020 23:00 Uhr



 
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