Augsburg    

Der Heide blüht etwas

Augsburg - Umweltreferent Reiner Erben ist sich sicher: Wenigstens den Rest der alten Flugplatzheide in Haunstetten muss man retten. Der Umweltausschuss der Stadt sah es in seiner jüngsten Sitzung auch so. Schließlich ist nur noch ein Prozent Natur übrig. Dieses Fleckchen wird nun unter Schutz gestellt - allerdings nur zum Teil. So könnte der Freistaat doch noch Wohnungen am Bischofsackerweg bauen.


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Auf dem Brachland in Haunstetten - im Hintergrund der Automobilzulieferer Wafa - leben selten gewordene Tiere wie Rebhühner und Pflanzen, die vom Aussterben bedroht sind. Ein Großteil der Fläche wird nun unter Schutz gestellt. Foto: Patrick Bruckner


Die Stadt wird die Restfläche der Heide in Haunstetten als "geschützten Landschaftsbestandteil" ausweisen. Ein Entwurf der Verordnung wird im Dezember öffentlich ausgelegt, Anfang kommenden Jahres entscheidet der Stadtrat über das weitere Prozedere. Beantwortet werden muss auch die Frage, wie man das Areal trotz der vielen Erholungssuchenden bewahren kann, ohne Zäune zu setzen. Dort tummeln sich Spaziergänger, Hundebesitzer, spielende Kinder.
Bei der alten Flugplatzheide handelt es sich um Reste der Flussschotterhalde des Lechs. Bis Anfang des vorigen Jahrhunderts erstreckte sie sich über die Haunstetter Fluren. Weil auf den kiesigen Böden kein Ackerbau betrieben werden konnte, ließen dort Wanderschäfer ihre Herden weiden. So siedelten sich seltene Insekten, Rebhühner und Pflanzen an, das Gebiet erlangte hohen ökologischen Wert. Ehrenamtliche Mitarbeiter des Naturwissenschaftlichen Vereins für Schwaben kümmerten sich zuletzt intensiv um die Pflege der Trockenrasen- und Halbtrockenrasen-Fläche und wiesen zudem 85 Arten nach, die auf der Roten Liste gefährdeter Pflanzen stehen.
Die Heide hat eine lange Geschichte und landesweite Bedeutung. Ab 1916 wurde das weitläufige Areal sukzessive bebaut. Die Rumplerwerke errichteten dort ein Flugfeld, das erst 1968 aufgegeben wurde. In den 70er Jahren entstanden dann die Universität und das Univiertel, es folgten Betriebe und das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU). Von der einst 200 Hektar großen Heide sind inzwischen nur noch 8,7 übrig, begrenzt vom Landesamt im Norden, einem Gewerbegebiet im Osten, dem Unteren Talweg im Westen und dem Bischofsackerweg im Süden.
Die Flüche gehört nicht der Stadt Augsburg, sondern dem Freistaat. Dieser möchte das vorhandene Baurecht nicht zugunsten des Artenschutzes aufgeben. 2016 wurde bekannt, dass am Bischofsackerweg 70 Wohnungen für 300 anerkannte Flüchtlinge und Bürger mit niedrigerem Einkommen entstehen sollten. Die Naturschützer gingen auf die Barrikaden. Im Mai dieses Jahres wurde das Vorhaben aus dem Sofortprogramm des Wohnungspakts Bayern gestrichen. Dennoch soll dieser Bereich nun von der Unter-Schutz-Stellung ausgenommen werden, das Baurecht bleibt bestehen.
Manche befürchten, es könnten Altlasten oder Kampfmittelreste auf der Flugplatzheide vorhanden sein. Laut Erben gibt es darauf jedoch keine Hinweise. Allerdings dürfte man im Süden auf Bodendenkmäler aus der Bronzezeit stoßen. Diese müssen erhalten werden. Deshalb darf man, so warnen Archäologen, nur 30 Zentimeter tief graben und Büsche lediglich schneiden, nicht entfernen.
Betreut werden soll das neue Schutzgebiet vom Bayerischen Naturschutzfonds. Dafür gibt es Zuschüsse vom Freistaat, der Stadt Augsburg entstehen keine zusätzlichen Kosten. Baurecht am Bischofsackerweg bleibt bestehen

Von Monika Grunert Glas



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Veröffentlicht am 21.11.2019 23:01 Uhr




 

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