Augsburg    

Die neuen Macher des Brechtfestivals

Augsburg (mh) Das Programm zum Augsburger Brechtfestival 2020 gibt es leider noch nicht. Hier müssen sich Fans von Bertolt Brecht noch bis Mitte Dezember gedulden. Aber die beiden neuen künstlerischen Leiter des Brechtfestivals, Tom Kühnel und Jürgen Kuttner, verraten schon jetzt, auf was sich die Besucher einstellen können.


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Neue Leitung: Sie haben das Zepter beim Brechtfestival übernommen: Tom Kühnel (links) und Jürgen Kuttner. Foto: Fabian Schreyer


Als Regie-Duo sind die beiden Künstler bereits seit 2001 aktiv, vor allem am Deutschen Theater Berlin. Jürgen Kutter ist zudem als Radiomoderator, als Kulturwissenschaftler und Mitbegründer der taz-Ostausgabe bekannt.
Kühnel und Kuttner haben mit dem Brechtfestival einiges vor, wie sie in einem Interview mit dem Brechtbüro erzählen. So möchten sie das Festival-Konzept "gehörig umkrempeln" und planen es als "großes, genreübergreifendes Spektakel". Dabei wollen die beiden Regisseure vor allem auf Originaltexte von Bertolt Brecht und Heiner Müller setzen, die sie zusammen mit prominenten Künstlern eigens für das Brechtfestival einrichten.
Zu Brecht selbst haben die beiden eine besondere Beziehung, wie Kühnel erzählt: "In allem, was wir bisher zusammen gemacht haben, hat Brecht immer eine Rolle gespielt." Trotzdem sei es für sie "erst mal total abwegig, so ein Festival zu leiten, weil wir als Regisseure einfach noch nie mit sowas zu tun hatten!"
Dass sie es dann doch machen, liegt laut Kuttner daran, dass es ihnen die "Gelegenheit gibt, uns irgendwie nochmal anders und intensiver mit Brecht zu beschäftigten. Wir waren vorher auch noch nicht in Augsburg. So lernt man auch nochmal eine neue Stadt kennen".
Kühnel sieht das Festival ganz pragmatisch mehr wie eine Inszenierung und hat eine klare Vorstellung, in welche Richtung es gehen soll. "Uns interessieren Sachen, die vernachlässigt sind, die mit Geschichte zu tun haben, die nicht so im gängigen Konsens sind", sagt Kühnel.
Ganz glücklich sind er und Kollege Kuttner mit ihrer Kuratoren-Rolle nicht. Vieles von dem, was man beim Brechtfestival sehen werde, würden die beiden eben auch gerne selber machen. "Aber sowas anzuregen und andere Leute dafür zu begeistern ist irgendwie auch ganz schön", fügt sich das Duo in seine Leitungsfunktion.
Und so ändert sich mit der neuen Leitung einiges im Konzept des Brechtfestivals: weniger Gastspiele, weniger eingekaufte Produktionen und das Festival soll enger mit dem Staatstheater zusammenrücken. "Wir wollen Sachen bieten, die eben in der Art und Weise tatsächlich nur in Augsburg stattfinden und mit Brecht zu tun haben", erklärt Kuttner. "Ein Großteil dessen, was da zu sehen sein wird, gab es vorher noch nicht." Produziert werde im "Hit&Run"-Modus, das heißt, dass die Künstler ohne intensive Probenarbeit ihre Beiträge auf die Bühne bringen. Auch das sei durchaus ein Brecht'scher Gedanke: "Dem großen Tanker Theater ,kleine wendige Truppen' beiseite zu stellen - Leute, die dann drei, vier, fünfmal geprobt haben, bis sie's draufhaben und dann schnell was machen und das dann irgendwie präsentieren", ist Kuttner überzeugt. Das werde auch den besonderen Charme ausmachen, glaubt er, denn: "Wenn's nicht irgendwie auch ein Risiko beinhaltet, dann isses ja langweilig. Wir brauchen ja keinen Versicherungs-Brecht, sondern eher einen Verunsicherungs-Brecht. Für die Künstler, für die Zuschauer und für uns."


Das Brechtfestival 2020 findet vom 14. bis 23. Februar statt. Das Programm von Tom Kühnel und Jürgen Kuttner wird am 16. Dezember veröffentlicht.



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Veröffentlicht am 17.11.2019 23:00 Uhr




 

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