Augsburg    

Ökobilanz von E-Rollern soll besser werden

Augsburg - Der E-Roller-Verleih ist im Juli in Augsburg gestartet (wir berichteten ). Bislang ist das schwedische Unternehmen "Voi" der einzige Anbieter. Claus Unterkircher, Leiter des deutschen, österreichischen und schweizer Raumes, spricht über den Start und geht auf die Kritik bezüglich der Ökobilanz der Elektroroller ein.


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Claus Unterkircher. Foto: Voi



Aichacher Zeitung: Herr Unterkircher, wie wird der E-Roller-Verleih von Voi in Augsburg angenommen?
Claus Unterkircher: Das Angebot wird sehr gut angenommen. Die Nachfrage ist groß und unsere Roller werden dementsprechend häufig eingesetzt. Wir haben inzwischen auch erstes Feedback von unseren Nutzern bekommen - und das war durch die Bank positiv. Aus Erfahrung lässt sich sagen, dass die Nachfrage nach unserem Angebot mit der Zeit noch weiter zunimmt. Das liegt daran, dass die lokale Bevölkerung nachhaltige Elektromobilität immer mehr in ihre Alltagswege aufnimmt.

AZ: Wie viele Roller stellt ihr Unternehmen in Augsburg zur Verfügung und ist aufgrund der bisherigen Erfahrungen eine Aufstockung geplant?
Unterkircher: Wir verfolgen bei jedem Launch einer neuen Stadt einen eher skandinavischen Ansatz. Das heißt, wir starten zunächst mit einer kleinen Flotte von 50 bis einigen hundert E-Scootern und steigern die Anzahl dann je nach Bedarf, um gemeinsam mit den Städten das Angebot an die Nachfrage anzupassen.
AZ: Wie viele Kilometer kann ich mit einem voll aufgeladenen E-Roller zurücklegen?
Unterkircher: Unsere Roller sind für Reichweiten von bis zu 30 Kilometern bei voller Ladung ausgelegt.

AZ: Werden Nutzer bestraft, wenn sie einen E-Roller beispielsweise - wie es in Augsburg durchaus ganz gerne mal vorkommt - mitten auf der Wiese oder anderweitig unpassend abstellen?
Unterkircher: Sobald sich ein Roller in der Sperrzone befindet, ist es nicht möglich diesen Roller abzugeben - beim Nutzer erscheint beim Blick auf die App eine Warnung. Wenn man den Roller jedoch trotzdem dort - ungesperrt - hinterlässt, deaktiviert sich der Roller automatisch nach mehreren Minuten und es wird eine Gebühr in Höhe von 25 Euro fällig.

AZ: Wie lange ist die Lebensdauer eines solchen Rollers? Berichten aus den USA zufolge werden sie im Leih-Betrieb nach zwei bis vier Monaten ausgetauscht und landen auf dem Schrottplatz. Das ist doch nicht umweltfreundlich!
Unterkircher: Wir haben uns auf den Start in Deutschland sehr intensiv vorbereitet und ein spezielles Modell für den deutschen Markt entworfen. In die Entwicklung des Voiager 1 haben wir unsere Erfahrung aus über sechs Millionen Fahrten einfließen lassen und unser eigenes Modell besonders stabil gemacht. Da wir vor weniger als zwei Monaten damit in Deutschland gestartet sind, konnten wir leider noch nicht genug Daten sammeln, um eine präzise Prognose über seine Lebensdauer machen zu können. Wir werden aber auch in Zukunft hart daran arbeiten, unsere Modelle zu verbessern und noch stabiler zu machen. Grundsätzlich gehen wir aber von einer Lebensdauer von weit mehr als zwölf Monaten aus. Defekte Roller werden von uns nicht einfach verschrottet. Sobald wir einen der Roller nicht mehr reparieren können, verwenden wir die vorhandenen Teile als Ersatz für andere Scooter. Wir möchten jedes einzelne Teil so lange wie nur möglich nutzen. 90 Prozent der E-Scooter, die zur Wartung einberufen werden, können wir direkt reparieren und binnen 24 bis 48 Stunden zurück auf die Straße bringen. Die ausgedienten Batterien werden von uns ausgebaut und fachgerecht recycled. Dazu arbeiten wir mit professionellen lokalen Recyclingpartnern zusammen.

AZ: Das Umweltbundesamt kritisierte die Ökobilanz der Roller, weil sie zum Aufladen über Nacht mit einem motorisierten Kleinlaster eingesammelt werden müssen. Dazu muss es doch eine Alternative geben?
Unterkircher: Uns ist bewusst, dass die Auflade- und Wartungslogistik die ansonsten sehr gute CO2-Bilanz von E-Scooterverleihunternehmen beeinträchtigt. Deswegen setzen wir bei unseren Logistikpartnern auch vermehrt auf solche Anbieter, die selber Elektroautos beziehungsweise -lastwagen einsetzen sowie vorhandene Ressourcen nutzen und keine Neuanschaffungen tätigen müssen. Das ist für uns allerdings auch nur eine Übergangslösung: In Zukunft werden wir den Voiager 2 in Deutschland in Betrieb haben, bei dem sich die Batterie tauschen lässt. Dadurch können wir sehr viel nachhaltiger arbeiten. Auch E-Bikes und E-Cargobikes mit austauschbaren Batterien sind geplant. Die vergleichsweise kleinen Batterien werden dann einfach mit unseren elektrischen Lastenfahrrädern getauscht und von uns aufgeladen.

AZ: Fürchten Sie einen Konkurrenzkampf mit anderen Anbietern, falls diese ihr Angebot auf Augsburg erweitern?
Unterkircher: Wir denken, dass es in Augsburg eine Menge Spielraum für zusätzliche Anbieter gäbe, aber generell auch noch viel mehr Städte bundesweit, die noch gar keine Sharinglösung für Elektromobilität haben. Anstatt dass es zu einem Konkurrenzkampf kommt, werden wahrscheinlich einfach mehr Leute mit dem E-Scooter fahren und das freut uns.

Interview: Patrick Bruckner

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100 E-Scooter der Firma Voi gibt es inzwischen in Augsburg. Foto: Janina Funk



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Veröffentlicht am 18.09.2019 09:13 Uhr




 

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