Augsburg    

Caiuby schwänzt Anhörung

Augsburg - Obwohl der brasilianische Skandalprofi Caiuby für den FC Augsburg seit dem 15. Dezember vergangenen Jahres nicht mehr auf dem Platz steht, sorgt er weiterhin für Unruhe beim Bundesligisten. Gestern startete gegen den 31-Jährigen ein Verfahren wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Er soll im Mai 2018 einem 27-jährigen Mann aus Königsbrunn beim Feiern in der Augsburger Maxstraße einen Kopfstoß verpasst haben. Der Geschädigte erlitt dadurch eine Gehirnerschütterung und Jochbeinprellung und war fünf Tage lang arbeitsunfähig.


Um 5 Uhr morgens habe er mit einem Freund einen Nachtclub verlassen, sagt der 27-Jährige. Weil er noch etwas essen wollte und sich sein Bekannter um ein Taxi kümmern wollte, trennten sich die Wege der beiden. Als er eine größere lautere Menschenmenge bemerkte, wollte er die Straße wechseln, doch Caiuby und zwei Begleiter sollen ihm den Weg abgeschnitten haben, wild gestikuliert und aggressiv herum geschrien haben. Er habe versucht die Streitsuchenden zu beruhigen, erklärt der Geschädigte dem Vorsitzenden Richter Julian Mertes. "Ich drehte mich um und lief davon". Als er sich das nächste Mal umgedreht habe, standen die drei Männer direkt vor ihm und Caiuby habe ihm einen Kopfstoß verpasst, berichtet der 27-Jährige. Als er deshalb nach vorne krümmte, soll er zusätzlich von Caiubys Bekanntem einen kräftigen Tritt in den Hintern bekommen haben.
Persönlich zu den Anschuldigungen äußern wollte sich der Brasilianer nicht. Den Prozessauftakt hat er verpasst. "Er hängt noch an einem Flughafen fest", erklärt Verteidiger Fabian Krötz. Caiuby teilt aber über Krötz mit, dass er gar nicht am Tatort gewesen sei, sondern einige Meter entfernt stand. Zudem soll ein Freund von Caiuby dem jungen Mann den Kopfstoß verpasst haben. Dieser war als Zeuge geladen, erschien aber ebenfalls nicht.
Insgesamt elf Zeugen wurden gestern verhört. Einige davon bestätigen die Version des Geschädigten, wirklich eindeutig will den Kopfstoß von Caiuby allerdings niemand gesehen haben. "Es gab eine Kopfbewegung, aber einen Aufprall habe ich nicht gesehen", erklärt ein Türsteher, der die Situation verfolgt hat. Anschließend habe er mit seinem Kollegen den Fußballer und dessen Freunde einige Meter bis ins Hotel verfolgt, unter anderem vorbei am Herkulesbrunnen. Von einem Tritt in den Hintern oder gar einer Flasche, die auf den Geschädigten geworfen worden sein soll, habe der Türsteher nichts mitbekommen.
Einige Bekannte, die in dieser Nacht mit dem Fußballprofi unterwegs gewesen sind, erklären zwar, dass es vor dem Nachtclub zu einem Streitgespräch gekommen sei, jedoch keine Tätlichkeiten stattgefunden haben. "Ich weiß nicht, wieso wir heute hier sitzen", sagt ein 41-jähriger Portugiese, der in Berlin als Ingenieur arbeitet. Er habe Caiuby mit "zwei Kindern" diskutieren sehen, sei dazwischen gegangen und anschließend hätten sie sich auf den Weg ins Hotel gemacht.
Viele Fragen der Prozessbeteiligten bleiben offen, weil der Fußballprofi, der noch beim FCA unter Vertrag steht, nicht erschienen ist. Darum wird die Verhandlung innerhalb der nächsten drei Wochen fortgesetzt.
Neben einigen Augenzeugen werden dann unter anderem Offensivspieler Sergio Cordova und FCA-Sportdirektor Stefan Reuter aussagen.
Vorab hat nämlich ein Gespräch zwischen Stefan Reuter, Finanzgeschäftsführer Michael Ströll, dem Geschädigten und dessen Anwalt Clemens Käuffer stattgefunden. Mit am Tisch saß in der Geschäftsstelle des FC Augsburg ebenfalls Caiuby.
Käuffer tritt selbst als Zeuge auf und berichtet über dieses Gespräch. Stefan Reuter habe betont, dass der Verein "sympathisch positiv wirken" wolle. "Caiuby saß bedröppelt wie ein Schulbub da", erklärt Käuffer. Der Brasilianer habe sich entschuldigt und von einer "emotionalen Ausnahmesituation" gesprochen sowie eine Zahlung in Höhe von 5000 Euro an den Geschädigten versprochen. Eigentlich habe er dieses Gespräch als "sehr harmonisch und sehr positiv" empfunden, sagt Käuffer. Doch nach monatelanger Funkstille habe es im Nachhinein wie ein taktisches Manöver gewirkt. Als er abermals bei Reuter nachhakte, soll dieser nur gesagt haben: "Es weiß kein Mensch, was der treibt und vor hat". FCA-Sportdirektor Stefan Reuter muss aussagen

Von Patrick Bruckner


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Veröffentlicht am 18.09.2019 09:13 Uhr




 

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