Augsburg    

"So ungefähr kann man sich das Auenland vorstellen"

Aystetten - Der Schauspieler Heio von Stetten ist in Aystetten geboren und lebt mittlerweile in München. Am Sonntag, 15. September, um 20.15 Uhr ist er im Film "Rosamunde Pilcher: Raus in den Sturm" im ZDF zu sehen. Ein Gespräch mit dem 59-jährigen Schauspieler darüber, was die Zuschauer erwartet.



Aichacher Zeitung: Sie kommen aus Aystetten und waren in Augsburg auf dem Gymnasium St. Anna. Sind Sie heute noch oft in ihrer alten Heimat?
Heio von Stetten: Ich bin vielleicht vier bis fünf Mal im Jahr in Aystetten und zwei bis drei Mal in Augsburg. Ich lebe jetzt schon seit 30 Jahren in München, werde Augsburg aber immer wieder besuchen.
AZ: Wie entscheiden Sie, welche Rolle Sie annehmen?
Heio von Stetten: Ich lese das Drehbuch und überlege mir, ob mich die Rolle fordert, ob ich neue Seiten von mir zeigen kann und natürlich wie die Gesamtgeschichte und der restliche Cast zusammenpasst.

AZ: Was war der Reiz bei "Raus in den Sturm"?
Heio von Stetten: Die interessante Konstellation mit den Kollegen. Ich kenne den Regisseur Helmut Metzger schon lange. Wir haben schon vier oder fünf Filme zusammen gemacht. Er hat eine klare Struktur und Vorstellung davon, wie etwas aussehen soll.

AZ: Wie haben Ihnen die Dreharbeiten in Cornwall gefallen?
Heio von Stetten: Das war ganz toll. So ungefähr kann man sich das Auenland aus 'Herr der Ringe' vorstellen. Dort widersetzt sich alles dem Drang, alles einzuplanieren, das würde auch gar nicht gehen. Mit den uralten Mauern als Begrenzungen wird es immer so schön verwinkelt bleiben. Das Gebiet ist ein bisschen geschützt und oft touristisch angefragt. Die Leute sind sehr nett, man wird überall in Smalltalks verwickelt, zum Beispiel an der Kasse im Supermarkt.

AZ: Im Film spielen Sie Dan, der sich auf dem Land sehr wohl fühlt und eine Alpaca-Zucht betreibt. Wie ist es bei Ihnen, fühlen Sie sich in der Stadt oder auf dem Land wohler?
Heio von Stetten: Bei Dan ist das berufsbedingt. Er ist jemand, der in der Stadt gelebt und gearbeitet hat. Dann hat er seine Firma verkauft. Ich komme ja ursprünglich vom Land, bei mir ist das anders. In nächster Zeit werde ich auf jeden Fall keine Alpaca-Zucht gründen, auch wenn die Tiere echt süß sind.

AZ: Worauf können sich die Zuschauer bei "Raus in den Sturm" freuen?
Heio von Stetten: Es ist eine sehr schöne Liebesgeschichte, die das Thema ernst nimmt, wenn es in der Beziehung einen Altersunterschied von 20 Jahren gibt. Es ist eine schöne Kulisse mit vielen alten Herrenhäusern. Der Film ist sehr süß gemacht, warmherzig und schön.

AZ: Was halten Sie von großen Altersunterschieden in Beziehungen?
Heio von Stetten: Wo die Liebe hinfällt, das sucht man sich ja nicht aus.

AZ: Haben Sie nach all den Jahren als Schauspieler hin und wieder noch Schwierigkeiten, sich Texte zu merken? Und wie unterscheidet sich Film vom Theater?
Heio von Stetten: Von jemandem, der nicht aus dieser Branche kommt, ist das immer die erste Frage. Texte sind aber überhaupt nicht das Problem. Auswendig lernen ist nicht schwer für mich. Man lernt besser zu sprechen und verwendet Formulierungen, die man selber nie zustande bringen würde. Da gibt es aber noch einen Unterschied zwischen Theater und Film. Im Theater stehe ich die ganze Zeit zur Verfügung, im Film nur dann, wenn auch Szenen mit mir gedreht werden. Am Ende des Tages ist die Vorführung zu Ende und am nächsten Tag wird das Stück wieder neu gespielt. Beim Filmdreh gibt es zuerst eine Stellprobe mit Maske, Kamera, Licht und so weiter, da muss alles stimmen. Wenn ein Mikro oder Scheinwerfer im Bild sind oder ein Flieger drüber fliegt und Lärm macht, muss man nochmal drehen. Wenn dann alles passt, wird die nächste Szene gedreht. Im Film wird aber nicht chronologisch gedreht. Oftmals wird sogar die letzte Szene zuerst gedreht. Das hat keine dramaturgischen Gründe, sondern weil Schauplätze nur an gewissen Tagen zur Verfügung stehen. Es muss ein Drehplan erstellt werden, wann welche Szene gedreht wird, wann jeder Zeit hat und alle Schauplätze zur Verfügung stehen.

Das Interview führte Patrick Bruckner


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Veröffentlicht am 18.09.2019 09:13 Uhr




 

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