Augsburg    

Beten, singen, feiern

Augsburg - Außerhalb Augsburgs wissen die wenigsten davon: Neben der großen Friedenstafel, an der am 8. August auf dem Rathausplatz die Menschen zusammenkommen, um das bekannte Friedensfest zu feiern, gibt es seit vier Jahren auch eine kleine Friedenstafel. Die wurde am vergangenen Wochenende in Oberhausen auf dem Helmut-Haller-Platz aufgebaut. Damit setzte man ein Zeichen für ein tolerantes Miteinander aller Stadtteilbewohner.


Zum Hohen Friedensfest haben am morgigen Donnerstag die Geschäfte in Augsburg geschlossen. Dieser in Deutschland einmalige Feiertag erinnert an das Datum, an dem 1629 die protestantischen Prediger der Stadt verwiesen wurden, in der 1555 der Augsburger Religionsfriede geschlossen worden war. Erst 1648 kam es mit dem westfälischen Frieden nach dem dreißigjährigen Krieg zur Aussöhnung der Glaubensrichtungen. Zwei Jahre später feierte man in Augsburg das erste Friedensfest am 8. August.
Seit Jahren aber wird dieser Tag immer mehr als Fest der Kulturen zelebriert. Das zeigt auch das Kunst- und Kulturprogramm, das sich auf zwei Wochen erstreckt. Schon am 24. Juli eröffnete der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck mit seiner Rede über die Freiheit im Goldenen Saal die Festivitäten.
Heute Abend treffen sich im Vorfeld des Friedensfests bei jedem Wetter um 19 Uhr Vertreter des Runden Tischs der Religionen zum multireligiösen Friedensgebet auf dem Rathausplatz.
Die Feiern morgen beginnen um 10 Uhr mit einem ökumenischen Festgottesdienst in der Annakirche. Es predigt Monsignore Matthias Türk aus Würzburg, er ist Mitglied im päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen und spricht zum Thema Freiheit sowie ökumenische Perspektiven aus biblischer Sicht. Gleichzeitig findet in der evangelischen Ulrichskirche ein Familiengottesdienst statt.
Um 11.30 Uhr eröffnet Oberbürgermeister Kurt Gribl auf dem Rathausplatz die Friedenstafel. Vertreter verschiedener in Augsburg ansässiger Religionsgemeinschaften sprechen Grußworte. Es spielt die Hochzeitskapelle, die 2018 die Goldene Lola für die beste Filmmusik ("Wackersdorf") erhielt. Wenn das Wetter nicht passt, wird im Augustana- und Moritzsaal zu Tisch gebeten.
Eine einstündige Sonderführung im Fugger und Welser Erlebnismuseum widmet sich Luther und dem Kapitalismus: „Von Monopolbildung und Zinswucher“. Wie relevant ist Luthers ökonomische Kritik heute noch? Beginn ist um 11 Uhr. Der Eintritt kostet neun Euro. Von 12 bis 17 Uhr vergnügen sich Familien beim Kinderfest im Zoo und Botanischen Garten. Bis 15 Jahre ist der Eintritt frei. Um 16.30 Uhr wird auf der großen Wiese im Garten ein lebendiges Friedenszeichen gestellt.
Der Tag klingt um 19 Uhr mit einem Festkonzert in der Annakirche aus. Es spielen Mitglieder der Philharmonie Junger Christen eine Jazzmesse von Todd und Orchesterwerke von Dvorák. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

Von Monika Grunert Glas


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Veröffentlicht am 18.09.2019 09:13 Uhr




 

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