Augsburg    

Die Reform der Reform tritt in Kraft

Augsburg - Nachdem die Tarifreform im Augsburger Verkehrs- und Tarifverbund (AVV) im Januar 2018 in Kraft trat, riss die Kritik an ihr nicht mehr ab. Die politischen Gremien hinter dem Verkehrsverband reagierten schließlich und beschlossen mehrere Änderungen an der Reform. Diese treten nun zum 1. August in Kraft.


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Rund um den Königsplatz ist der öffentliche Nahverkehr ab dem kommenden Jahr kostenlos. Erste Änderungen im Tarif gibt es aber bereits von August an. Mit diesen reagiert der AVV auf die viele Kritik, die es nach der großen Reform vor eineinhalb Jahren gab. Foto: Christian Funk


Die Augsburger Stadtwerke zeigen sich mit der Tarifreform insgesamt nach wie vor zufrieden. Sie habe etwa durch das 30-Euro-Monatsabo ab 9 Uhr für viele Fahrgäste Vorteile gebracht. Doch das Kommunalunternehmen gibt zu: "Für einige bedeutete die Reform aber auch Verschlechterungen."
Drei Anpassungen sollen es jetzt richten und die Nahverkehrssituation in der Stadt verbessern. So wird die Wochenkarte, die der Reform zum Opfer fiel, wieder eingeführt, Abonnenten, die eine Zonengrenze überfahren, müssen nunmehr nur einmal zustempeln und es wird neue Kurzstreckenzonen in Augsburg geben.
Die Wochenkarte wird künftig für eine Zone 16,70 Euro, für zwei Zonen 24,40 Euro kosten. Sie gilt für eine Kalenderwoche. Zustempeln: Wer ein Abo der Zone 10 oder 20 hat und in die andere Zone fahren will, muss ab sofort nur einen Streifen statt, wie seit der Tarifreform bisher nötig, zwei Streifen stempeln. Das Kurzstreckenticket gilt seit der Tarifreform bislang für eine Fahrt über fünf Haltestellen - also Einstieg plus 4 Haltestellen. In manchen Stadtteilen kann man auf diese Weise derzeit allerdings wichtige Nahversorgungszentren nicht erreichen, weswegen nun sogenannte Kurzstreckenzonen eingeführt werden. Diese gelten in fünf Bezirken: Bärenkeller, Firnhaberau, Inningen, Bergheim sowie vorübergehend in Hochzoll-Süd, bis dort ein neuer Supermarkt am Zwölf-Apostel-Platz eröffnet wird. Innerhalb dieser Zonen können Fahrgäste alle Haltestellen mit dem Kurzstreckenticket anfahren, wenn sich die Starthaltestelle ebenfalls innerhalb der Kurzstreckenzone befindet.
Im Augsburger Nahverkehr stehen in naher Zukunft zudem weitere Änderungen an. Ab Oktober soll es eine Mobil-Flatrate geben, mit der Bus, Tram, Carsharing und Fahrräder der Stadtwerke genutzt werden können. Ein Abo, das all diese Bereiche abdeckt, sei bislang einzigartig in Deutschland, betonen die Stadtwerke.
Ein weiteres Novum: Vom 1. Januar 2020 an wird es die kostenlose City-Zone geben. In einer neuen Innenstadtzone mit neun Haltestellen ist die Nutzung von Bus und Tram dann kostenlos. Der Bereich reicht von Königsplatz und Moritzplatz jeweils eine Haltestelle weiter, gilt also vom Hauptbahnhof/Prinzregentenstraße bis zum Rathausplatz und zum Ulrichsplatz sowie vom Staatstheater bis Theodor-Heuss-Platz und Fröhlichstraße. Die dem AVV entstehenden Kosten durch Einnahmeausfälle werden auf 880 000 Euro jährlich kalkuliert. Tragen wird diese die Stadt Augsburg aus Zuschüssen des Freistaats.
Unumstritten ist die City-Zone allerdings nicht. Die Augsburger SPD äußerte zuletzt harsche Kritik. SPD-Stadtrat Christian Moravcik zufolge greift das Modell deutlich zu kurz, er fordert eine Erweiterung des Bereichs. Ansonsten möge die Zone zwar "als herausragendes Novum verkauft werden, kaschiert jedoch tatsächlich nur die Verschlechterungen, die durch die Tarifreform verursacht wurden." Kostenlose City-Zone und Mobilflatrate

Von Janina Funk


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Veröffentlicht am 27.07.2019 23:00 Uhr




 

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