Augsburg    

Süchtigentreff besteht weiter

Augsburg - Etwas mehr als ein Jahr ist es nun her, dass der Süchtigentreff "BeTreff" in der Nähe des Oberhauser Bahnhofes eröffnet hat. Im Allgemeinen Ausschuss zogen die Betreiber und die Polizei am Mittwoch eine positive Bilanz und warben damit bei den Mitgliedern des Ausschusses für eine Verlängerung des Programms. Zunächst war für den BeTreff eine Laufzeit von zwei Jahren vorgesehen. Noch vor dem Ablauf dieser Pilotphase haben die Mitglieder des Ausschusses jetzt beschlossen, das Projekt bis Juni 2022 zu verlängern.


Die Einrichtung in der Brandnerstraße soll die Situation am Helmut-Haller-Platz vor dem Oberhauser Bahnhof entlasten. Der Ort hatte sich als Treffpunkt für die Süchtigen-Szene etabliert - zur Verunsicherung der Oberhauser Bürger. Auch außerhalb des Stadtteiles hat der Oberhauser Bahnhof inzwischen einen schlechten Ruf. Der SKM Augsburg und die Drogenhilfe Schwaben bieten den Menschen, die sich regelmäßig am Bahnhof treffen, nun im BeTreff einen alternativen Aufenthaltsort. Die Mitglieder der Szene können sich täglich vier Stunden lang in der Einrichtung aufhalten, bekommen umsonst Essen und billige alkoholfreie Getränke. Niedrigprozentige Getränke dürfen mitgebracht werden. Gleichzeitig können sich die Suchtkranken von den anwesenden Sozialarbeitern beraten lassen.
Das Angebot werde insgesamt "viel besser angenommen, als wir erwartet hatten", erzählte am Mittwoch Kati Wimmer von der Drogenhilfe Schwaben. 2760 Beratungen konnten bislang durchgeführt werden. Von den 288 erfassten Besuchern gehörten außerdem 285 zum ursprünglichen Klientel am Helmut-Haller-Platz. Die Furcht der Anwohner, dass der Treff weitere Drogenabhängige aus anderen Stadtteilen anziehen könnte, habe sich also nicht bestätigt. 187 Suchtkranke konnten die Sozialarbeiter bereits in Suchthilfeeinrichtungen vermitteln.
Die Besucher identifizierten sich auch sehr mit dem Treff, so Wimmer. "Es besteht großes Interesse daran, in der Einrichtung zu helfen." Die einzige Sorge der Betreiber: Der BeTreff wird so gut angenommen, dass die finanziellen Mittel, etwa für Essen, und die Arbeitskräfte für die Beratung kaum ausreichen. Carina Huber vom SKM merkte außerdem an: "Wir würden gerne das Umfeldmanagement weiter ausbauen, damit wir auf dem Platz sichtbarer sind."
Auf diesem habe sich die Situation seit Eröffnung des Treffs tatsächlich etwas entspannt, berichtet Stefan Lanzinger von der Polizeiinspektion 5 in Oberhausen. Einsätze wegen "hilfloser Personen" seien um etwa 20 Prozent gesunken. Das sei zwar ein Trend, der sich wieder ändern könne, und müsse auch nicht nur an der neuen Betreuung liegen, doch: "Die Zusammenarbeit mit den Akteuren ist sehr gut." Die Polizei habe durch den Treff keine zusätzliche Arbeit, Einsätze in der Einrichtung seien seltene Einzelfälle. Allgemein sei die Kriminalität auf dem Helmut-Haller-Platz rückläufig. Allerdings steigt die Anzahl an Drogendelikten - das liege vor allem an mehr Süchtigen auf dem Platz und verstärkten Kontrollen.
Alle Fraktionen im Ausschuss sprachen sich für eine Verlängerung des Programms aus, allerdings waren nicht alle Stimmen positiv. Der Treff sei ein "Riesenerfolg", meinte etwa Stadtrat Dieter Benkhard (SPD), doch am Umfeld müsse man noch "gewaltig arbeiten". Ähnlich sah es Peter Schwab (CSU) "Das, was hier gemacht wird, ist gut, funktioniert, und muss weiter gemacht werden", betonte er, doch in unmittelbarer Nähe gebe es weiterhin Probleme. Gebüsche würden vermüllt, in einem habe er vor Kurzem gebrauchte Spritzen "im zweistelligen Bereich" gefunden - das sei besonders gefährlich für Kinder.
Diese Orte lägen aber nicht in der Verantwortung des Treffs, betonte Ordnungsreferent Dirk Wurm (SPD). Der BeTreff alleine sei auch nicht "das all-heil-bringende Mittel", sondern vielmehr der erste Stein, der ins Rollen gebracht werden musste: "Es ist noch nicht alles gut, aber es ist viel besser geworden."
Bis 2022 muss die Stadt voraussichtlich rund 270 700 Euro für den Süchtigentreff investieren, der eine weitere halbe Stelle erhalten soll. Man müsse sich nun überlegen, ob es eine alternative Immobilie für den Treff geben könnte. Zwar freue sich nach den Diskussionen bei der letzten Standortsuche niemand auf eine Neuauflage, und der Standort funktioniere auch gut. Leider sei er aber "nicht ganz billig", so Wurm. Im nächsten Ausschuss müsse es darum um die Frage gehen: "Bleiben wir in dem Objekt oder gehen wir in ein anderes?" Wurm: "Es ist viel besser geworden"

Von Laura Türk


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Veröffentlicht am 15.07.2019 23:00 Uhr




 

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