Augsburg    

Vorbereitung auf die WM 2022

Augsburg - Die Kanuslalomanlage am Eiskanal ist seit den Olympischen Spielen 1972 ein beliebter Standort für sportliche Großveranstaltungen. Nach den Olympischen Spielen fanden in Augsburg die Europameisterschaften 1996 und 2012, die Weltmeisterschaften 1985 und 2003 sowie diverse Weltcuprennen und Meisterschaften statt. Im Sommer vergangenen Jahres hat der Internationale Kanuverband (ICF) in Tokio entschieden, dass die Weltmeisterschaft 2022 in Augsburg ausgetragen wird. Wenig später wurde Hannes Aigner vom Augsburger Kajak Verein in Rio Weltmeister im Kajak Einer.


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Der 23. Kanuslalom-Weltcup im Augsburger Eiskanal im Sommer 2018. Foto: Marianne Stenglein


Dieser Erfolg könnte Skeptiker überzeugt haben und kam zu einer Zeit, als die Stadt den Förderantrag an Bund und Land für eine Generalsanierung des Olympiaparks am Eiskanal im Hinblick auf die WM 2022 stellte. Denn mit geschätzten 19,5 Millionen Euro schlägt diese "Mammutaufgabe", wie sie Peter Uhl (CSU) gestern im Sportausschuss bezeichnete, zu Buche.
Ursprünglich wurden die Kosten für die Sanierung und Herstellung der Gebäude und Außenanlagen im Rahmen einer Machbarkeitsstudie mit 18,5 Millionen Euro prognostiziert. Da die ansässigen Vereine während der Bauphase umziehen müssen und zudem der ehemalige Preisrichterturm saniert wird, haben sich die Kosten erhöht. "Wenn wir es machen, machen wir es gescheit", sagte Sportreferent Dirk Wurm (SPD). Eine Projektreserve beinhaltet die Kostenschätzung nicht. Laut Andreas Süßmair (parteilos) erfordere es der enge Zeitplan dringend, dass ein finanzieller Puffer mit eingeplant werde. "Wir wissen alle, wie bei uns die letzten größeren Projekte verlaufen sind", mahnte er. Es könne immer etwas Unvorhergesehenes passieren, das eine Baukostenerhöhung nach sich ziehe. Dass die geschätzten Kosten so bleiben "ist unrealistisch und das wissen wir alle", erklärte Süßmair. Er warf ein zusätzliches 20-Prozent-Polster in den Raum. Insgesamt würde das Projekt dann 24,375 Millionen Euro verschlingen. Günter Göttling (CSU) hingegen könne sich eher mit einer Reserve von zehn Prozent anfreunden. Dann würde das Vorhaben bis zu 21,45 Millionen Euro kosten.
Rudolf Holzapfel (Pro Augsburg) betonte noch einmal: "Schätzungen waren in der Vergangenheit immer niedriger. Wir lügen uns in die eigene Tasche, wenn wir keinen Puffer einplanen." Wurm machte darauf aufmerksam, dass ein Puffer in der kommenden Leistungsphase diskutiert würde. Momentan befindet sich das Projekt in der zweiten Leistungsphase, der Vorentwurfsplanung und Kostenschätzung. In Anbetracht dessen stimmte der Sportausschuss dem Konzept zur Generalsanierung einstimmig zu. In der kommenden Sitzung des Sportausschusses am 1. Juli würden eine genauere Kostenberechnung und mögliche Finanzreserven diskutiert, sagte Wurm.
Der Freistaat Bayern übernehme im Rahmen der Förderung laut Wurm 50 Prozent bis 9,75 Millionen Euro. Die Bundesregierung übernimmt 40 Prozent der förderfähigen Kosten.
Mit der Generalsanierung ist es dann allerdings nicht getan. Der Deutsche Kanu Verband (DKV) schätzt die Kosten zur Durchführung einer Weltmeisterschaft auf 947 500 Euro. Ausgaben für Organisation, Werbung, Infrastruktur, sportspezifische Ausgaben, Personalkosten, Verpflegung, Übernachtung, Transferkosten, Eröffnung-/Abschlusszeremonie würden durch Einnahmen aus Vermarktung, Eintrittsgeldern, Startgeldern, Spenden und Fördermitteln gedeckt.
Mit dem gestrigen Beschluss können die Planungen nun konkreter werden. Hans Peter Pleitner vom Augsburger Sportbeirat lobte vor allem die Zusammenarbeit in der Planung mit den aktiven Sportlern. Sie konnten all ihre Wünsche und Bedürfnisse äußern. "Es war wie ein Wunschkonzert", sagte Pleitner. "Ich kann es kaum erwarten, bis der Bau beginnt."
Der Beginn der Baumaßnahmen ist in dem Konzept für 14. April 2020 angesetzt und die Sanierung soll sich bis 15. Oktober 2021 erstrecken. Der Probebetrieb und erste Wettkämpfe sollen voraussichtlich am 4. April 2022 starten, ehe dann im August zum 50-jährigen Jubiläum des Eiskanals der Kampf um das WM-Gold ausgetragen wird. "Wir lügen uns in die eigene Tasche"

Von Patrick Bruckner


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Veröffentlicht am 21.05.2019 23:00 Uhr




 

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