Augsburg    

Vorsatz oder Versehen?

Augsburg - Nach einer Ecke kann der Ball geklärt werden und die Sportfreunde Friedberg wollen einen schnellen Konter ausspielen. Ein Friedberger Spieler will nach einem Zweikampf aufstehen, dann rauscht plötzlich ein 22-jähriger Gegner voll in ihn rein und erwischt ihn mit dem Knie im Gesicht. Mit einer Verletzung am Auge muss er ausgewechselt werden. Die Folgen des Zusammenpralls merkt der 35 Jahre alte Mann noch heute im Alltag. Vor dem Augsburger Amtsgericht wurde nun geklärt, ob es sich um einen absichtlichen Schlag oder einen unglücklichen Zusammenprall gehandelt hatte. Richterin Susanne Scheiwiller entschied zugunsten des Angeklagten und sprach ihn frei.


Das Fußballspiel zwischen den Sportfreunden Friedberg und dem TSG Augsburg Lechhausen 1885 fand Ende September vergangenen Jahres statt. Die Staatsanwaltschaft warf einem 22-Jährigen von der TSG vor, einem 35-jährigen Friedberger Spieler während dieser Partie mit voller Absicht sein Knie gegen den Kopf geschlagen zu haben, als dieser nach einem Zweikampf wieder aufstehen wollte.
Mithilfe eines Dolmetschers schilderte der 22-jährige, der sich selbst verteidigte, die Situation gegen Mitte der zweiten Halbzeit. Als der Ball weit über ihm in die gegnerische Hälfte flog, drehte er sich um und rannte los. Dann habe er direkt vor sich auf dem Boden einen Gegenspieler erkannt, zu spät um auszuweichen. "Ich helfe anderen Menschen, würde aber nie jemandem mit Absicht schaden", sagte der Angeklagte.
Der 35-jährige Geschädigte, der an diesem Tag nur aushilfsweise mitspielte, hingegen schilderte die Situation anders. Nach einer gegnerischen Ecke habe sein Verein schnell kontern wollen. "Dann kam es zu einem Pressschlag zwischen einem Gegenspieler und mir und wir lagen beide am Boden." Als er wieder aufstehen wollte, habe er aus etwa anderthalb Metern Entfernung den Angeklagten auf sich zulaufen sehen. Dieser sei laut dem 35-Jährigen auch nicht in Ballrichtung unterwegs gewesen, sondern direkt auf ihn zugerannt und habe ihn daraufhin absichtlich mit dem Knie angegangen. "Ich wollte ausweichen, aber er hat das Knie in Richtung Kopf nachgezogen", sagte der Spieler von den Sportfreunden.
Außerdem sei der Angeklagte im Anschluss an diese Situation direkt ausgewechselt worden, um sein Gemüt zu beruhigen, unterstellte der Geschädigte. Nach dem Spiel soll der 22-Jährige ihm nur gesagt haben: "Das ist Fußball".
Bei genaueren Untersuchungen sei eine Prellung des Augapfels mit einem schwarzen Punkt im Auge festgestellt worden, führte er weiter aus. "Ein Stück höher und die Augenhöhle wäre gebrochen, ein Stück tiefer und ich wäre blind", erklärte der 35-Jährige, was ihm die Ärzte diagnostiziert hatten.

Von Patrick Bruckner


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Veröffentlicht am 23.04.2019 16:22 Uhr




 

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