Augsburg    

In der Küche ging es heiß her

Augsburg - In einer Küche geht es oft heiß her, es muss schnell gehen und jeder Handgriff sitzen. In der Hektik des Tages kann es schon mal passieren, dass die Nerven blank liegen und nicht nur die Fetzen fliegen. Wegen gefährlicher Körperverletzung musste sich jetzt ein Augsburger Wirt vor dem Amtsgericht verantworten. Außerdem soll der 47-jährige sich Polizeibeamten widersetzt haben. Doch die Zeugenaussagen im Prozess brachten eine gravierende Wende. Richterin Susanne Scheiwiller sprach den Angeklagten frei.


Nachmittags gegen 16 Uhr im August vorigen Jahres soll es in der Küche eines türkischen Cafés-Besitzers zu dramatischen Szenen gekommen sein. Der 47-jährige Wirt, der eigentlich Elektriker gelernt hat, geriet so in Wut, dass er seiner Küchenhelferin eine Pfanne mit heißem Fett nachwarf. Weil er sie nicht traf, warf er ihr noch einen Teller hinterher. Diesmal zielte er offenbar besser und verletzte die 56-jährige am Unterarm. Die behinderte Frau erlitt eine Schnittwunde sowie Hämatome. So sah es zumindest die Anklagevertretung.
Der Chef räumte zwar ein, dass eine heiße Pfanne geflogen sei, nicht aber seiner Küchenhilfe hinterher, sondern nur gegen die Wand. An diesem Tag sollte es Kalbsküchle geben, weil sein Sohn seinen ersten Geburtstag feierte. Als er in die Küche kam, sah der Wirt, dass das Hackfleisch zur Hälfte im Mülleimer lag und zur anderen Hälfte in der Pfanne verschmorte. "Da bin ich in Zorn geraten und habe meine Wut am Geschirr ausgelassen", schilderte er dem Gericht. Mit Schwung habe er die Teller vom Tisch gefegt. Dabei habe seine Küchenhelferin, die manchmal durch ihre Behinderung recht ungeschickt sei, unglücklich in die Flugbahn gegriffen. Deshalb sei sie verletzt worden. "Zu meinem Entsetzen. Ich hatte nie die Absicht, sie zu treffen", beteuerte er. Er sei lediglich sauer gewesen, weil die Ware verdorben war. Die Küchenhelferin habe daraufhin ihre Schlüssel auf den Boden geworfen und sei einfach nach Hause gegangen. "Sie ist oft sehr ruppig, kann aber eigentlich nichts dafür", betonte der Angeklagte nachsichtig. Das Angestelltenverhältnis bestehe nach wie vor.

Von Alfred Haas


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Veröffentlicht am 16.03.2019 23:00 Uhr




 

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