Augsburg    

Die sprechenden Toten

Augsburg - Wie gut kann man sich an etwas erinnern, das vor 25 Jahren passierte? Vor diesem Problem stehen zahlreiche Zeugen, die im aktuellen Verfahren zum Mord an der Prostituierten Angelika Baron (wir berichteten) aussagen. Manche, die mit dem Opfer zu tun hatten, sind sogar bereits verstorben. Soweit sie damals nach der Tat verhört wurden, wurden bei der gestrigen Verhandlung einige Protokolle verlesen.


Wer hat die damals 36-jährige Prostituierte Angelika Baron missbraucht und erwürgt? Der Tat bezichtigt wird Stefan E. Der 50-Jährige sitzt auf der Anklagebank in dem Verfahren, in dem bis Ende April mehr als 120 Zeugen und drei Sachverständige angehört werden sollen. Er bestreitet die Vorwürfe. Dass zumindest in der Zeit nach dem Mord auch andere Verdächtige in den Fokus der Ermittler gerieten, wurde gestern deutlich.
Eine Frau, die 2014 verstarb, gab damals ihrem Mann, Hubert W.*, ein Alibi. Dieser soll Angelika Baron 800 D-Mark geliehen haben. Sie seien am Tatabend von München nach Augsburg gefahren, um in einer Apotheke in der Fuggerstadt Blutzucker-Teststreifen zu kaufen, sagte die Frau damals der Polizei. Angeblich, weil die Schwester des Mannes dort arbeitete. Danach sei man zur Familie gefahren, die in Gessertshausen lebte. Gessertshausen? Dort wurde die Leiche der Prostituierten am 25. September 1993 gefunden.
Eine Frau, die schon 1997 starb, hatte bei der Polizei zur Protokoll gegeben, ein auffallend kleiner Mann und Angelika Baron hätten etwa eine Woche vor ihrer Ermordung heftig gestritten. Es sei um 400 oder 800 D-Mark Schulden gegangen. Zudem hatte die Frau ausgesagt, Angelika Baron habe große Angst gehabt. Im August 1993 habe sie sich eine Gaspistole schussbereit herrichten lassen.

Von Monika Grunert Glas


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Veröffentlicht am 19.12.2018 23:00 Uhr



 
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