Altomünster    

Mehr Anfragen als Platz im Frauenhaus

Dachau - In der jüngsten Sitzung des Dachauer Kreisausschusses berichtete Awo-Vorstandsvorsitzende Wiebke Kappaun über das Projekt Frauenhaus in Dachau. Laut Jahresbericht 2020 gab es im Frauenhaus 113 telefonische Platzanfragen, wovon nur sieben positiv beschieden werden konnten.


Im vergangenen Jahr suchten in der Einrichtung elf Frauen und neun Kinder Schutz vor häuslicher Gewalt. Das Frauenhaus umfasst fünf Wohneinheiten. Es gewährleistet eine gegen unbefugtes Eindringen gesicherte und anonyme Unterkunft. Für die persönliche oder telefonische Beratung der hilfesuchenden Frauen samt ihrer Kinder, unabhängig von einer Aufnahme im Frauenhaus, sowie für die fachliche Begleitung im Haus steht Fachpersonal zur Verfügung.
Bei der Vorstellung des Projekts und der Maßnahmen handelt es sich um eine sogenannte Pflichtleistung, die der Landkreis aber nicht selbst anbietet. So werden insbesondere die Beratungsleistungen vom Landkreis finanziert, für das Wohnen gibt der Kreis keine Mittel. 2020 wurden 132 Beratungen durchgeführt, die Zahl der telefonischen Beratungen nahm im Vergleich zum Vorjahr um die Hälfte ab. Awo-Mitarbeiterin Laura Kaufmann betonte, dass die Zahl der Nachbetreuungstermine sehr stark angestiegen sei, von 161 auf 461. Die starke Nachfrage von ehemaligen Bewohnerinnen könne laut Jahresbericht auf die große allgemeine Verunsicherung durch die Corona-Krise zurückgeführt werden.
Zu den Angeboten im Frauenhaus zählen Kriseninterventionen, Schutz und Wohnen, Beratung, Begleitung und Nachbetreuung, Gruppenangebote sowie fachliche Unterstützung und Gruppenstunden für Kinder. Der Landkreis stellt für die vorgestellten Maßnahmen und das Projekt im Haushalt 245 000 Euro zur Verfügung.
Vor dem Hintergrund einer notwendigen Entlastung des Dachauer Frauenhauses wurde ein Antrag der CSU-Kreistagsfraktion behandelt, der sich im Rahmen des Mitarbeiter- und Sozialwohnungsbaus um die Vergabe an Frauen und Alleinerziehende befasste, die rechtzeitig in die Prüfung mitaufgenommen werden solle - gerade auch mit Blick auf die jüngst veröffentlichen Zahlen im Bereich der sexuellen Gewalt gegen Frauen mit einem sprunghaften Anstieg um 19 Prozent. So wäre hier die Evaluation und eine Neuausrichtung des landkreiseigenen "Wohnprojekts für Alleinerziehende und kinderreiche Familien in Dachau" zu berücksichtigen, um neben sozial schwachen Personen eben auch den aus dem Frauenhaus ausziehenden Frauen und ihren Kindern ein Angebot unterbreiten zu können. Die Verwaltung wurde beauftragt, einen Beschlussvorschlag für das zuständige Kreisorgan zu erarbeiten. Starke Nachfrage nach Nachbetreuung

Von Franz Hofner


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Veröffentlicht am 07.05.2021 16:47 Uhr