Altomünster    

Drogenhandel am Bahnhof

Altomünster - Es waren einige harte Wahrheiten, die Sylvia Neumeier mit nach Altomünster brachte. Zum Beispiel, als sie auf Marianne Kerles Frage, ob Altomünster als S-Bahn-Endstation besonders vom Drogenhandel betroffen wäre, klipp und klar mit "Ja!" antwortete. "Altomünster ist Teil einer Vertriebslinie." Der Bahnhof sei als Umschlagplatz bekannt.


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Sylvia Neumeier, die Leiterin der Dachauer Drogenberatungsstelle Drobs e.V., und der Altomünsterer JUZ-Leiter Marlon Köhler. Fotos: Horst Kramer


Neumeier ist Geschäftsführerin der Drobs e.V., der Drogenberatungsstelle Dachau. Die SPD-Stadträtin und SPD-Kreisrätin hat die Anlaufstelle für Suchtkranke vor 27 Jahren ins Leben gerufen. Neumeier ist in der Region eine Institution und Vertrauensperson: kompetent, bestens vernetzt, ihr Wort hat Gewicht.
Bürgermeister Michael Reiter (FWG) hatte die Dachauerin in den Marktgemeinderat eingeladen, damit sie die Arbeit der Drogenberatungsstelle vorstellt und über die aktuelle Situation berichtet. Zuletzt hatte Neumeier im Oktober 2016 im Altomünsterer Rat referiert. Kurz darauf nahmen ihre Beraterinnen und ihr Berater die Präventionsarbeit an der Altomünsterer Mittelschule auf, als eine der Letzten im Landkreis. Neumeier erläuterte: "Wir gehen in alle Schultypen in die sechsten oder siebten Klassen und klären über Suchtgefahren auf."
Schon Zehn- und Elfjährige probierten "ganz bewusst" die Wirkung von Alkohol aus. 100 Prozent aller Teenager hätten schon im Alter von 13 und 14 Jahren Drogenerfahrungen hinter sich. "Die Einstiegsdroge ist nicht Cannabis oder Nikotin, sondern Alkohol", betonte die Expertin. Das Vorbild der Eltern spiele eine entscheidende Rolle. "Suchtverhalten ist nicht genetisch bedingt, sondern wird erlernt", stellte Neumeier klar.
In den vergangenen zwei Jahren habe sich die Drogenszene entscheidend verändert, führte Neumeier aus: Kokain sei nun nicht mehr nur eine Modedroge in bestimmten städtischen Kreisen, sondern auch auf dem Land bei jungen Menschen im Alter zwischen 16 und 24 Jahren populär. Einer der Gründe: "Kokain ist derzeit extrem billig." Anfang Februar hatte die Polizei von Jugendlichen in Indersdorf und Altomünster berichtet. Neumeier nahm darauf Bezug, doch ob es dabei um Kokain-Fälle gegangen war, blieb unklar.

Von Horst Kramer


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Bekannter Umschlagplatz für Drogen: Der Bahnhof in Altomünster. Foto: Guido Radig/Wikipedia



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Veröffentlicht am 25.03.2021 16:54 Uhr