Aindling    

Heidi Bentele führt auch weiterhin Tschernobylhilfe

Heimpersdorf - Die Jahreshauptversammlung der "Hilfe für Kinder aus Tschernobyl, Region Nordschwaben e.V." ging vor 35 Besuchern im Gasthof Bachmeir in Heimpersdorf über die Bühne. Einmal mehr eine denkwürdige Veranstaltung - nicht wegen der schlichten Daten. Die waren schnell genannt, sondern wegen der Emotionen, die wie sonst selten hochkochten.


tschernobylhilfe_1


Der 130 Mitglieder starke Verein musste im vergangenen Jahr Ausgaben in Höhe von 54 000 Euro stemmen, wobei die Einnahmen rund 10 000 Euro niedriger lagen. In dem Zahlenwerk von Kassier Jörg Bentele fand Kassenrevisor Heinz-Jürgen Franz "keine Beanstandungen", was zur einstimmigen Entlastung der Vorstandschaft führte. Bei den Neuwahlen der Vorstandschaft stellte sich Heidi Bentele erneut als Vorsitzende zur Verfügung, ihre Stellvertreterin Marina Schmidberger löst Regina Schmidberger im Amt ab. "Die Marina arbeitet seit der Gründung des Vereins an meiner Seite, übersetzt die Briefe aus Weißrussland und dolmetscht", stellte Heidi Bentele ihre neue Vertreterin als echten Insider vor. Kassier bleibt Jörg Bentele, Hildegard Trost seine Stellvertreterin. Schriftführer macht künftig Oleg Maksimovic, ein "Kind" der "Hilfe für Kinder aus Tschernobyl". Margit Schuster vertritt ihn, und als Kassenprüfer fungieren künftig Heinz-Jürgen Franz und Hans Klusch, als Beisitzer wählte die Versammlung Jelena Batrakova und Eva Ziegler.
"Heuer ist ein ganz besonderes Jahr", fing Heidi Bentele ihren Jahresbericht an. Vor 25 Jahren begann ihr Engagement für die Kinder aus Weißrussland und vor 20 Jahren gründete sie "Hilfe für Kinder aus Tschernobyl". Im August 1994 habe sie zwei Ferienkinder aus Gomel bei sich aufgenommen. "Das hat mein Leben verändert", gestand Bentele und berichtete, dass sie nicht glauben konnte, was die beiden ihr über die Zustände in ihrer Heimat erzählten. "Du musst kommen und selber sehen", hatten sie immer wieder gefordert. Und Bentele kam und sah. "Auf dem Heimweg habe ich zu meinen beiden Begleiterinnen gesagt, dass wir so nicht weiterleben können." Fünf Jahre versuchte Heidi Bentele mit anderen Hilfsorganisationen das umzusetzen, was sie für wichtig und richtig hielt. "1999 gründete ich mit 55 Jahren die "Hilfe für Kinder aus Tschernobyl." Bentele schwärmte von den großartigen Menschen, die sie seither "kennenlernen durfte, die mich unterstützten. Ganz viele von euch waren schon drüben, haben selber gesehen, wie es zugeht". Zu ihrer Wiederwahl als Vorsitzende sagte sie: "Ich hoffe, noch eine Weile weitermachen zu können. Soweit die Kräfte eben reichen." Heidi Bentele hat schon Arbeiten delegiert: "Oleg hat den letzten Hilfstransport alleine gemanagt - und zwar vorbildlich", gab Bentele bekannt. Es dürfen zwar keine Lebensmittel mehr importiert werden, doch gute Kleidung, Kindersachen, Schreibartikel und Farbstifte seien drüben kaum zu bekommen, berichtete Bentele. Für die wichtigen Lebensmittellieferungen hat Oleg Maksimovic einen neuen Weg gefunden. Eine weißrussische Lebensmittelkette verkaufe drüben deutsche Waren zu deutschen Preisen. "Wenn wir dort Pakete ordern, werden die sogar kostenlos ausgeliefert. Wir sparen uns also die teuren Transportkosten", so Maksimovic. Sein Bericht über Weißrussland war ernüchternd: "Man soll alles essen, was dort erzeugt wird, sagt die Regierung. Fleisch. Milch. Man soll Häuser bauen und Tiere züchten in der verstrahlten Zone. Weißrussland ist da wie andere Länder auch: Wer Geld hat, kauft sich andere Lebensmittel." Heidi Bentele fährt am 7. April zusammen mit Juli Hofberger, Marina Schmidberger, Peter Holthaus und Oleg Maksimovic nach Weißrussland. Mit im Gepäck werden zum Beispiel Nadeln und Pflaster sein. Einschneidendes Erlebnis mit Betroffenen

Von Martin Golling


Ausführliche Nachrichten aus dem Wittelsbacher Land, aus Bayern und der Welt im E-Paper der Aichacher Zeitung. Hier bestellen.

Veröffentlicht am 09.07.2019 00:00 Uhr




 

Drucken   Speichern   Senden    Leserbrief