Aichach    

Wirte protestieren: "Es fehlt die Perspektive"

Aichach - Insgesamt sechs Monate sind die Gastrobetriebe im Aichacher Land seit März vergangenen Jahres geschlossen. Gaststuben, in denen sonst gelacht, geratscht, gegessen und gefeiert wird, sind still wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Und wäre nicht das Abhol-Geschäft, würden die Gastronomen ihre Gäste wohl völlig aus dem Auge verlieren. Um auf ihre verzweifelte Lage aufmerksam zu machen, hat der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga gestern zu einer deutschlandweiten Aktion aufgerufen. Auch im Landkreis Dachau wurde protestiert.


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Der Tisch ist gedeckt , doch wann wieder Gäste kommen, steht in den Sternen. Auf die Situation der Gastrobetriebe machen unter anderem Kaspar Wagner aus Untergriesbach (links) und Andreas Kühner aus Kissing vom Dehoga-Kreisverband aufmerksam.


Von der Nordsee bis auf die Zugspitze haben Hoteliers und Gastronomen einen gedeckten Tisch beziehungsweise ein gemachtes Bett als stillen Protest auf einen öffentlichen Platz aufgestellt. Damit wollen sie im Vorfeld der nächsten Bund-Länder-Gespräche an diesem Mittwoch auf ihre Lage hinweisen.
Was Wirte wie Kaspar Wagner aus Untergriesbach ärgert, ist vor allem die Perspektivlosigkeit. Seit November, sagt der stellvertretende Kreisvorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes im Wittelsbacher Land, befänden sich gastgewerbliche Betriebe erneut im Lockdown, "ein baldiges Ende ist nach vier Monaten für die Branche aber noch immer nicht in Sicht".
"Wir wollen gar nicht jammern. Es gibt viele Branchen, denen es sehr viel schlechter geht", erklärt Kaspar Wagner im Gespräch mit der AICHACHER ZEITUNG. Es wäre aber schön, so der Gastronom weiter, wenn sich die Politik endlich entschließen könnte, einen Öffnungstermin ins Auge zu fassen.
"Was wir bräuchten, ist Planungssicherheit. Die Leute wissen nicht, können sie ihren Geburtstag im Mai mit 30 Gästen feiern oder nicht. Oder: Können sie heuer noch heiraten?" Er wünscht sich von den Verantwortlichen konkrete Zusagen. Denn die Hygiene-Konzepte für die Gastronomie wurden im vergangenen Jahr ja schon erfolgreich erprobt, findet der Untergriesbacher.
Es gehe nicht um Öffnungen auf Kosten der Gesundheit oder um jeden Preis, betont Dehoga-Kreisvorsitzender Andreas Kühner aus Kissing, es gehe vielmehr um verlässliche Perspektiven und verantwortbare Szenarien, auf die sich die Gastronomen und Hoteliers vorbereiten können.
Auch der Verein Spezialitätenwirte kämpft für eine Öffnungsperspektive. Alle Wirte - Stefan Fuß (Gasthaus Goldener Stern, Rohrbach), Kaspar Wagner (Gasthaus Wagner Untergrießbach), Andreas Kühner (Kühners Landhaus, Kissing), Marianne Golling (Gasthaus Lindermair, Haberskirch), Michael Hodes (Tavernwirt Sulzbach), Hildegard Haugg (Gasthaus zum Schloss, Stätzling) und Maria Füssl (Burghof Oberwittelsbach) haben alle schlüssige und durchdachte Hygienekonzepte, mit denen eine vorsichtige Öffnung durchaus möglich wäre.
Momentan, so der Verein, sei aber nur das To-go-Geschäft außer Haus erlaubt.

Von Thomas Winter



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Veröffentlicht am 01.03.2021 16:35 Uhr