Aichach    

Was man in der neuen Heimat wissen muss

Aichach - Was ist zu tun, wenn man krank oder verletzt ist oder einen Unfall hatte? Und was, wenn man den Pass verloren hat? Was, wenn man einen Miet- oder Arbeitsvertrag abschließt? Welche Möglichkeiten der Kinderbetreuung gibt es? Wer berät bei der Wahl der richtigen Schule und welche Beratungsstellen gibt es überhaupt? Oder die ganz schwierigen Themen: Wie funktionieren eine Steuererklärung und die Mülltrennung?


Diese und viele andere Fragen mehr stellt sich jeder, der neu in einem Ort ist. Erst recht, wenn man die Sprache nicht kennt. Erst recht, wenn man womöglich eine lange, gefährliche und traumatisierende Flucht hinter sich hat. Die Antworten findet man nun in dem Willkommensordner, den das Bildungsbüro im Landratsamt entwickelt hat. "Darin sind alle relevanten lokalen und regionalen Informationen zusammengefasst, es ist ein Panorama des Landkreises", beschreibt ihn Sabine Kapfhammer, Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte im Bildungsbüro.
Der Willkommensordner versammelt übersichtlich, leicht verständlich und klar alles, was (Neu-)Bürgerinnen und Bürger im Landkreis wissen müssen, um sich hier zurechtzufinden. Es geht aber nicht nur um trockene Fakten, der Begriff "Willkommen" soll auch wörtlich verstanden werden, die Menschen sollen sich persönlich angesprochen fühlen. Deshalb ist das Grußwort von Landrat Dr. Klaus Metzger in verschiedenen Sprachen abgedruckt. Aktuell sind es zehn, von Arabisch und Farsi über Kroatisch, Rumänisch, Ukrainisch und Russisch bis zu Französisch und Italienisch. Denn der Ordner richtet sich nicht nur an geflüchtete Menschen, sondern auch an Zuwanderer aus EU-Staaten oder auch Menschen, die aus anderen Regionen Deutschlands ins Wittelsbacher Land ziehen. Er wird deshalb nicht nur von den Ausländerbehörden, den Flüchtlings- und Integrationsberatungen, den Familienstützpunkten oder dem Jugendamt, sondern auch von den Einwohnermeldeämtern verteilt.
Zurück reicht die Idee des Ordners ins Jahr 2019. Die Realisierung verzögerte sich zunächst aber, wie so vieles, durch Corona. Friederike Gerlach, Leiterin des Sachgebiets Ehrenamt, Bildung, Integration, sieht das aber nicht nur negativ. Dadurch konnte das Vorhaben nochmal gründlich durchdacht werden, man hatte Zeit, es mit vielen Fachstellen abzustimmen und deren Ideen einzubeziehen. "Mit ihnen haben wir genau besprochen, was wirklich wichtig ist und was von den Menschen gefragt wird", erklärt Gerlach.
Herausgekommen ist ein umfassendes, sehr übersichtliches, in Leichter Sprache verfasstes Nachschlagewerk, das im Grunde jedem im Landkreis hilft, selbst denjenigen, die hier geboren sind. Gegliedert ist es in zehn Kapitel, von denen einzelne sich zum Beispiel mit Wohnen, Arbeit, Bildung, Gesundheit, Geld oder Familie beschäftigen. Man findet Ansprechpartner und Telefonnummern, zentrale Informationen und QR-Codes, die auf die Homepages oder Apps zuständiger Stellen weiterleiten. Piktogramme helfen bei der Orientierung.
Wer zum Beispiel Informationen über Autofahren sucht, findet in dem Ordner nicht nur den Link zur Führerscheinstelle, sondern auch die grundlegenden Hinweise, wie man vorzugehen hat, wenn man einen EU-Führerschein oder einen aus einem anderen Land hat.
Die Form eines Ordners, und nicht etwa eines Handbuchs oder einer Broschüre, ist bewusst gewählt, damit die Informationen leicht ergänzt und aktualisiert werden können. Außerdem können die Nutzerinnen und Nutzer zum Beispiel eigene Dokumente und behördliche Schreiben in den passenden Kapiteln dazu heften.
Apropos Aktualität: Demnächst wird, als Ergänzung und Erweiterung des Willkommensordners, auch eine entsprechende App, die Integreat-App, verfügbar sein. Dort sind dann alle Informationen nicht nur online überall abrufbar und stets auf dem aktuellen Stand, sondern es werden auch alle Inhalte des Ordners, nicht nur das Vorwort, in zehn Sprachen übersetzt sein.
Sabine Kapfhammer hält die App für einen sehr wichtigen zusätzlichen Baustein in der Integrationsarbeit. Schließlich gehe es nicht nur darum, Informationen kompakt zur Verfügung zu stellen, sondern auch darum, Sprachbarrieren abzubauen.
Das alles soll helfen, dass Menschen nicht nur physisch im Landkreis Aichach-Friedberg ankommen, sondern sich auch "angekommen" und angenommen und wirklich willkommen fühlen. Informationen sind nicht nur für Geflüchtete, sondern auch für EU-Zuwanderer

Von Dr. Berndt Herrmann


Ausführliche Nachrichten aus dem Wittelsbacher Land, aus Bayern und der Welt im E-Paper der Aichacher Zeitung. Hier bestellen.


Veröffentlicht am 09.08.2022 16:48 Uhr