Aichach    

Tierheim Lechleite wird zur Arche: Wiedereröffnung nach Sanierung

Friedberg - Das Tierheim Lechleite heißt jetzt Lecharche. Am Freitag ist das sanierte Domizil für ausgesetzte, kranke und verwahrloste Haustiere feierlich eröffnet worden. Der Vorsitzende des Tierschutzvereins Augsburg und Umgebung, Heinz Paula, sprach von einem "Meilenstein". Der Blick der Tierfreunde sei auf die Zukunft gerichtet. Der Abschluss des eine Million Euro teuren Projekts soll laut Paula nämlich nur eine von vielen weiteren positiven Meldungen sein. So deutlich sagte er das auch wegen der zahlreichen negativen Schlagzeilen, die das einzige Tierheim im Landkreis Aichach-Friedberg in den vergangenen Jahren gemacht hatte (siehe Kasten).


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Brachte Friedberg-Schirme als Geschenk mit, weil Schirmherr Landrat Klaus Metzger wohl keine dabei hatte: Friedbergs Bürgermeister Roland Eichmann (rechts). Über den Witz lachte nicht nur der Vorsitzende des Tierschutzvereins Augsburg und Umgebung, Heinz Paula. Foto: Bastian Brummer


In die Vergangenheit schauen wollte am Freitag aber niemand - was alle Redner betonten. Weit über 100 Interessierte hatten sich in den frisch renovierten Räumlichkeiten eingefunden, was das Parken im Umkreis von mehreren 100 Metern zu einer Herausforderung machte. Heinz Paula zeigte sich begeistert vom großen Zustrom und dem Interesse am Tierheim, das mit dem neuen Namen einen wichtigen Schritt macht, wie er sagte. Freilich bleibt es nicht bei der Umbenennung in die Lecharche.
Mit dem Umbau sei das Tierheim auch ein rettendes Schiff für ehemalige Haustiere geworden. Allein über 150 Katzen hätten Platz, 108 davon in den umgestalteten Katzentürmen mit runden Räumen, in denen die Vierbeiner tagsüber miteinander spielen und sich austoben können. Die ersten Kätzchen wohnen seit Ende Oktober dort (wir haben berichtet) und fühlen sich laut Paula "katzenwohl" bei der Eröffnung. Die bezeichnete er als "wichtigen Moment für die gesamte Region". Schirmherr des Projekts, Landrat Klaus Metzger (CSU), legte nach: "Diese Einrichtung wird Sonnenstrahlen in die Region senden" und spielte damit auf das verregnete Wetter an. Überrascht zeigte er sich von der trotz widriger Bedingungen hohen Besucherzahl.
"Eine Feier wie diese ist wichtig, weil sie uns für etwas sensibilisiert, das es auch bei uns im Landkreis gibt: Tierquälerei gibt es leider auch hier", sagte der Landrat, der zuvor mit Friedbergs Bürgermeister Roland Eichmann (SPD), Heinz Paula und Birgit Di Grisolo das zuvor verhüllte neue Namensschild des Tierheims präsentiert hatte. Di Grisolo wohnt in Gablingen und ist Mitglied im Tierschutzverein. Von ihr stammt der neue Name - beziehungsweise von ihrem Mann Michele, wie sie später im Gespräch ergänzt.
Alle Mitglieder hatten einen Namen vorschlagen dürfen, über 350 Vorschläge gingen ein. Die Arche ist es geworden, ein biblisches Motiv, das, wie Pfarrer Markus Bader aus Friedberg später anmerkte, jedes Kind kenne. Der Geistliche segnete die neuen Räumlichkeiten, durch die Heinz Paula später führte.
Die ersten Hunde und einige Hasen sind wie die Katzen schon eingezogen. Die Lecharche ist das erste Tierheim in der Geschichte des Tierschutzvereins, das auf eigenem Grund und Boden steht. Der über 100 Jahre alte Verband hatte es im April dieses Jahres ersteigert.

An diesem Sonntag, 20. November, können Interessierte die neuen Räumlichkeiten selbst in Augenschein nehmen. Der Tierschutzverein lädt ab 11 Uhr zu einem Tag der offenen Tür ein.

Von Bastian Brummer Im Jahr 1993 eröffnet das Tierheim Lechleite an der Neuen Bergstraße 101 zwischen Lechhausen und Derching. Der Verein gegen Tierversuche und Tierquälerei, den Gerlinde Bitzl im Jahr 1983 ins Leben gerufen hat, ist Träger. Die Baukosten für das Gebäude belaufen sich auf etwa 3,5 Millionen D-Mark.

Tierheimleiterin Gerlinde Bitzl wird im September 2018 wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz angeklagt. Sie soll zwei kranken Hunden Behandlungen nicht ermöglicht haben. Bis zuletzt bestreitet die damals schon über 80-Jährige die Vorwürfe.
Der Betrieb des Tierheims wird nur noch geduldet, das heißt es gibt keine reguläre Betriebserlaubnis. Die Behörde will das Verfahren abwarten. Am Amtsgericht Aichach wird Bitzl Anfang Oktober 2018 schuldig gesprochen und soll 4500 Euro Strafe zahlen. Sie legt zunächst Berufung ein, später akzeptiert sie das Urteil. Ihr Rechtsanwalt betont, es handele sich nicht um ein Schuldeingeständnis. Seine Mandantin sei mental angeschlagen und wollte dem Verfahren ein Ende setzen.

Ende 2018 heißt es, eine neue Leiterin für das Tierheim sei gefunden, Bitzl könne sich zurückziehen und die Geschäfte übergeben. Doch nur drei Monate später kündigt die Kandidatin.

Anfang April 2019 entzieht das Landratsamt der Einrichtung die Betriebserlaubnis. Das Tierheim wird wegen Nicht-Einhaltung von Auflagen sofort geschlossen. Die personelle Ausstattung zur Sicherstellung der tierschutzrechtlichen Betreuung sei nicht gegeben, heißt es. Viele Gemeinden haben Kooperationsverträge zur Unterbringung von Fundtieren, die damit nicht mehr eingehalten werden können. Aichach-Friedberg hat damit kein Tierheim mehr.

Anfang September 2020 meldet das Tierheim Insolvenz an. Weil dort auch Tierhandel betrieben worden sei, verliert der Verein seine Gemeinnützigkeit und Steuernachzahlungen in Höhe von 240 000 Euro stehen im Raum.

Im April dieses Jahres ersteigert der Tierschutzverein Augsburg das Gebäude, das auf einem etwa einen Hektar großen Grundstück steht. Umfangreiche Renovierungsarbeiten stehen an. Elektrik, Wasserversorgung, Heizung, Fassade und der Außenbereich werden auf Vordermann gebracht. Ende Oktober ziehen nach dreieinhalb Jahren wieder Tiere in die Lechleite ein. tama


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Veröffentlicht am 18.11.2022 17:38 Uhr