Aichach    

Schwaben in Altbayern

Aichach - Ein Schwabentag in Aichach? Vor 50 Jahren wohl keine gute Idee. "1972 wär der Stadtplatz voll gewesen - mit schimpfenden Protestierenden", meinte stellvertretender Landrat Manfred Losinger. Doch die Zeiten ändern sich. Am Samstag bei der Eröffnung des Schwabentags war der Stadtplatz nicht voll, die Leute aber überaus friedlich. Die Aichacher haben sich offensichtlich eingelebt als Altbayern in Schwaben - auch wenn der ein oder andere vielleicht lieber auf einen Oberbayerntag gegangen wäre. "Es ist uns natürlich eine Ehre den Schwabentag ausrichten zu dürfen", versicherte Bürgermeister Klaus Habermann.


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Nicht durchs Schlüsselloch sondern durch die Schießscharte: Vom Wittelsbacher Museum im Unteren Tor hatte man einen speziellen Blick auf das Treiben in der Stadt zum Schwabentag. Foto: Verena Heißerer


Allerdings war die Schar der Gäste zur Eröffnung recht überschaubar - vorwiegend Bürgermeister aus dem ganzen Landkreis und andere Ehrengäste lauschten den Klängen der Gruppe Quetschendatschi. Die Bestuhlung bei der Bühne am Rathaus hätte man sich sparen können, befand Habermann, denn bei dem nass-kalten Schmuddelwetter war Hinsetzen zunächst keine gute Idee. Doch das Wetter lässt sich nicht ändern und Geschichte wiederholt sich offenbar zuweilen: 1914 war König Ludwig zu Besuch in Aichach. Sein Fazit: "Alles war schön, bloß das Wetter nicht."
König Ludwig ist übrigens wieder in Aichach: Diesmal als lebensgroßer Pappkamerad im FeuerHaus als Teil der Ausstellung "Die Wiege der Wittelsbacher." Das war das Motto unter das Aichach den Schwabentag gestellt hatte. Mit eingebunden war auch das Jubiläum der Verleihung des Stadtrechts vor 675 Jahren.
Für regen Zulauf sorgte das "Museumswetter" in den Ausstellungen. Die traditionelle Museumsnacht vorzuverlegen, erwies sich als Glücksgriff: Wittelsbacher Museum, Stadtmuseum, San-Depot, FeuerHaus und Sisi-Schloss hatten bis Mitternacht geöffnet und waren - bei freiem Eintritt - recht gut besucht.
Überall vergnügten sich die Menschen beim Aichacher Schwabentag, so auch an historischer Stätte, dem Oberwittelsbacher Burghof. Vor der idealen Kulisse hatten die Augsburger Ritter ein kleines Lager aufgebaut und führten damit das zahlreich erschienene Volk mit Schwertkämpfen und einer Feuerschau in eine Zeit wie vor 500 Jahren. Musik gehörte natürlich auch dazu. Die lieferte Bardensänger Angus von Ardingen mit der Band Mandära. Wer wollte, durfte selbst einmal ein echter Ritter sein. Die Rittersleut steckten die Interessierten in eine schwere Ausrüstung.
Einen wahren Besucheransturm verzeichneten die von Kreisheimatpfleger Michael Schmidberger und Christoph Lang angeboten Führungen durch die neu renovierte Burgkirche. Die über die Stadt verstreuten Stationen verband ein Shuttle-Bus. Der fuhr auch ins Grubet, das in einen Zauberwald verwandelt worden war. Übrigens hatte auch das Wetter irgendwann ein Einsehen, oder auch Mitleid mit den Schwaben.
Von Verena Heißerer und Erich Hoffmann Zahlreiche Bilder vom Schwabentag auf Seite 20 und im Internet



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Veröffentlicht am 25.09.2022 18:01 Uhr