Aichach    

Ratlose Mienen bei der Aichacher Feuerwehr

Aichach - Stress statt Schnaps: Als Feuerwehrreferent Peter Meitinger (CSU) für die beiden Notkommandanten Werner Mayer und Michael Greifenegger Belohnungs-Ramazzotti übergab, schien der Weg für das erhoffte Finale geebnet zu sein. Für Außenstehende zumindest. Doch dann wurde es plötzlich doch noch ein denkwürdiger Abend bei der Aichacher Feuerwehr, der deutlich machte, dass ein tiefer Riss durch die Mannschaft geht.


Feuerwehr Aichach
Betretene Gesichter gab es am Dienstagabend bei der Aichacher Feuerwehr. Verlief die Mitgliederversammlung zunächst noch reibungslos, gab es dann anstelle eines positiven Finales ein Desaster. Eine Mehrheit der aktiven Mannschaft lehnte den unterbreiteten Kandidatenvorschlag für den Kommandanten ab. Nun bleibt Notkommandant Werner Mayer (vorne erste Reihe links sitzend) weiter im Amt. Rechts neben Mayer Kreisbrandrat Christian Happach, der erklärte, dass sich die Einführung der Digital-Alarmierung für die Feuerwehren mindestens bis zum dritten Quartal 2023 verschieben werde. In der ersten Reihe rechts Bürgermeister Klaus Habermann, der nun endgültig ein Problem hat. Fotos: Erich Hoffmann


Mit Patrick Bardenhagen und Vorsitzendem Benedikt Schulz gab es einen Kandidatenvorschlag für das nach dem Rücktritt von Christoph Fischer und Dominik Wenger offiziell vakante Kommandantengespann der Wehr. Kurz darauf platzte die Bombe: Die 69 anwesenden Aktiven sprachen sich mit 36:33 Stimmen gegen Bardenhagen als neuen Kommandanten aus. Worauf Schulz, der sich im Anschluss für den Stellvertreterposten beworben hätte, zurückzog und Bürgermeister Klaus Habermann die Wahl abbrach. Mit Blick auf völlig ratlose Mienen in der Fahrzeughalle des Feuerwehrgerätehauses kündigte das Stadtoberhaupt Gespräche mit der Wehr und eine möglichst baldige neue Versammlung an. Bis dahin sollen die Notkommandanten ihre Arbeit fortsetzen. "Das ist Demokratie", meinte Habermann.

Dort weitermachen, wo Fischer aufgehört hat


Ratlos auch Vorsitzender Benedikt Schulz. Während des ersten Wahlgangs legten der 35-jährige akademische Wasserkraftingenieur aus Untergriesbach und Patrick Bardenhagen, 29-jähriger Fachinformatiker aus der Paarstadt, im Gespräch mit unserer Zeitung ihre Beweggründe für die Kandidatur dar. "Wir wollen dort weitermachen, wo Christoph Fischer aufgehört hat", erklärte ein zu diesem Zeitpunkt noch zuversichtlicher Schulz. Nach den Worten Bardenhagens seien sie damit dem Wunsch der aktiven Mannschaft nachgekommen. Er selbst habe sich die Kandidatur lange überlegt, so der Zugführer und Atemschutzgeräteträger, der einräumte, in diese Aufgabe erst reinwachsen zu müssen. Dass dies mit Unterstützung der Mannschaft gelingen, man zudem alle Aktiven wieder unter einen Hut bringen könne, davon zeigte sich auch Schulz überzeugt. Später herrschte Ratlosigkeit. Er könne sich das Ergebnis nicht erklären, so der Vorsitzende, der ankündigte, nun erst einmal in Ruhe über alles nachdenken zu müssen. Dazu zählt wohl auch die Frage, ob sich er und Bardenhagen einen möglichen zweiten Anlauf überhaupt vorstellen könnten.
Auch Notkommandant Werner Mayer hätte eigentlich am Dienstagabend gerne kandidiert. Allerdings nur im Gespann mit seinem bisherigen Stellvertreter Michael Greifenegger. Der habe sich in den zurückliegenden schwierigen Monaten als "toller Kamerad" erwiesen, "auf den ich mich blind verlassen konnte", so Mayer. Leider habe er Greifenegger nicht motivieren können, sich gemeinsam mit ihm zur Wahl zu stellen, womit "es für mich dann automatisch nicht mehr möglich ist anzutreten", erklärte Mayer.


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Feuerwehrvorsitzender Benedikt Schulz (links) und sein Stellvertreter Robert Anlauf (linkes Foto rechts) bedankten sich beim zurückgetretenen Kommandanten Christoph Fischer (Zweiter von links) für dessen Arbeit. Die wollten Schulz und Patrick Bardenhagen (Foto rechts) eigentlich fortsetzen. Eine knappe Mehrheit der anwesenden Aktiven sprach sich aber gegen Bardenhagen als neuen Kommandanten aus.



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Veröffentlicht am 11.05.2022 16:49 Uhr