Aichach    

Parkplatz-Soll am Landratsamt erfüllt

Aichach - Am Aichacher Landratsamt gibt es zu wenig Parkplätze - das ist für jeden offensichtlich. Der in dieser Woche beschlossene Erweiterungsbau soll Platz für weitere 112 Angestellte schaffen, die derzeit zum größten Teil in Außenstellen sitzen. Mehrfach war im Kreistag über den dadurch noch wachsenden Parkplatzbedarf gesprochen worden. Allein: Ein aufgeständerter Bau mit Parkdeck ist aus Kostengründen verworfen worden. Folglich kommt der Bau ohne zusätzliche Parkplätze.


Stadtrat diskutiert über Parkplätze am Landratsamt
Auch nach der Zufahrtsregulierung durch Schranken ist der Parkplatz am Landratsamt häufig voll. Dennoch verfügt die Behörde laut Stellplatzsatzung der Stadt Aichach nicht nur heute schon über genügend Parkplätze, sondern auch dann, wenn der Erweiterungsbau für zusätzliche 112 Angestellte in Betrieb genommen wird.
Carina Lautenbacher


Nun wurde das Landratsamt mit einem Antrag auf Vorbescheid bei der Stadt Aichach vorstellig, um die laut Stellplatzsatzung erforderliche Zahl der Parkplätze nach Fertigstellung des Neubaus zu ermitteln. Denn die Behörde muss wie jeder andere Bauherr die Auflagen der städtischen Satzung erfüllen. Umso überraschender dürfte für den in Verwaltungsakten weniger bewanderten Laien die Feststellung sein: Auch nach dem Bezug von 60 zusätzlichen Büros hat das Landratsamt schon heute fünf Parkplätze mehr als künftig erforderlich sein werden, wie der Bauausschuss des Aichacher Stadtrats am Dienstag erfuhr. Wie kann das sein? Die Baugenehmigung für das Bestandsgebäude datiert aus dem Jahr 1975. Damals gab es keine Stellplatzsatzung und wie für alle Bauherrn gilt Bestandsschutz. Man verlangte damals 96 Parkplätze, 106 wurden tatsächlich errichtet, weitere 50 kamen in den folgenden Jahrzehnten an verschiedenen Stellen und in Garagen hinzu. Das sorgt für ein Polster, aus dem die 60 nun erforderlichen Stellplätze rechnerisch erfüllt werden können - auch wenn faktisch Parkplätze fehlen.
Bürgermeister Klaus Habermann (SPD) fasste zusammen: "Eigentlich würden sehr viel mehr Parkplätze gebraucht, wie man sieht, aber durch den Bestandsschutz ist das Vorgehen rechtlich einwandfrei."
Das machte Marc Sturm (FWG) fassungslos. Am Landratsamt herrsche die größte Parkplatznot der ganzen Stadt. Er wollte eine Entscheidung vertagen, zumal die Stadtratsmitglieder ohnehin an einer Aktualisierung der Stellplatzsatzung arbeiteten. Die Einstufung verschiedener Bereiche, etwa der Flure, missfiel ihm. Die Flure des Landratsamts seien Wartebereiche und erforderten deshalb eine andere Berechnung bei der Stellplatzfrage. Ähnliches gelte für Archivräume. Klaus Habermann hingegen wies darauf hin, dass man die Flächen nicht nach Belieben beurteilen könne. Marc Sturms Fraktionskollege Georg Robert Jung fand ebenfalls , dass in der Berechnung offensichtlich "etwas hakt".

Von Carina Lautenbacher



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Veröffentlicht am 09.06.2021 17:55 Uhr