Aichach    

Nach Pilzverzehr in Lebensgefahr

Aichach - Mit einer Pilzvergiftung ist gestern Morgen ein Paar, 40 und 50 Jahre alt, ins Aichacher Krankenhaus gekommen. Wenig später wurden die beiden bereits an die Universitätskliniken in München verlegt, denn voraussichtlich kann nur eine Lebertransplantation das Leben der Patienten noch retten. Und selbst dann werden sie lebenslang mit den Folgen zu kämpfen haben. Die beiden hatten Grüne Knollenblätterpilze gegessen und ihre Symptome nicht mit dem Verzehr in Verbindung gebracht. Erst die drastischen Leberwerte brachten die Ärzte auf die Spur, die fraglichen Pilze wurden dann mit Hilfe von Bildern ermittelt.


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Der Spitzgebuckelte Raukopf ist besonders giftig. Foto: A. Kunze/CC-BY-SA-3.0


Dr. Christian Stoll, Ärztlicher Direktor der Kliniken an der Paar, berichtet von dem dramatischen Fall, um Pilzsammler zu warnen. Eine Pilzvergiftung ist nämlich tückisch. Etwa zehn Stunden nach dem Verzehr beginnen Übelkeit und Erbrechen, nach sechs oder sieben Stunden sei das wieder vorbei und der Patient fühle sich besser, berichtet der Mediziner. Wenn die Schmerzen dann wieder stärker werden, fangen Leber und Nieren bereits an, dauerhaft Schaden zu nehmen. Spätestens 48 Stunden nach dem Verzehr ist dieser Schaden meist nicht wieder gut zu machen.
Kommen Patienten früher zum Arzt, kann die Medizin eingreifen. Mit bestimmten Präparaten kann die weitere Aufnahme von Gift im Körper reduziert werden, auch die Darmpassage kann man beschleunigen. Geschieht das nicht, wie im aktuellen Fall, kommt es zu einer beginnenden Lebernekrose. Das Organ zerfällt buchstäblich. Weil nur eine Transplantation das Überleben ermöglicht, erhalten die Patienten sofort höchste Dringlichkeitsstufe auf der Transplantationsliste. Jeder dritte Patient in diesem Stadium überlebt nicht. Christian Stoll erinnert sich an einen Fall aus seiner Zeit im Klinikum Großhadern. Damals ist eine Familie mit zwei Kindern wegen Pilzvergiftung eingeliefert worden. "Das haben nicht alle überlebt."
Der Vorfall wird manchen Schwammerlsucher nachdenklich stimmen. Dabei hat gerade eine offenkundig vielversprechende Pilz-Saison begonnen. "Wir dachten, dass nach der großen Trockenheit des Sommers eher ein schlechtes Pilz-Jahr kommt", berichtet Günther Groß, seit 40 Jahren Vorsitzender des Pilzvereins Königsbrunn. "Aber voraussagen kann man bei Pilzen gar nichts." Heuer gebe es viele Steinpilze und kaum Gallenröhrlinge, vergangenes Jahr sei es umgekehrt gewesen. Der Verein berät während der Saison immer montags von 16 bis 17.30 Uhr in der Viktualienhalle des Augsburger Stadtmarkts Schwammerlsucher, die bei ihren Funden unsicher sind. 
Die Empfehlung von Dr. Christian Stoll lautet: Wer Pilze gegessen hat und am nächsten Tag Übelkeit verspürt, soll unbedingt zum Hausarzt gehen. Nur 35 Gramm eines giftigen Pilzes reichen aus, um tödlich zu sein.

Wer fürchtet, eine Pilzvergiftung zu haben, kann sich an den Giftnotruf wenden: 089/19240. 48 Stunden nach dem Verzehr sind die gesundheitlichen Schäden oft irreversibel

Von Carina Lautenbacher


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Einen Grünen Knollenblätterpilz haben die beiden Patienten gegessen, die nun um ihr Leben kämpfen. Foto: CC-BY-SA-3.0-migrated



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Veröffentlicht am 27.09.2022 18:48 Uhr