Aichach    

Laden auch daheim: Immer mehr E-Autos im Aichacher Land

Aichach/Dachau - Seit ein paar Wochen kurvt das Mehrgenerationenmobil von Ortszeit durch Petersdorf. Fast lautlos bringt es Kinder in den Kindergarten und die Spieler zum Tennis. Dank eigener PV-Anlage tankt der Mercedes-E-Vito heimischen Sonnenstrom. Zwar sei er anfangs etwas ungewohnt, mit der Zeit aber "voll cool" zu fahren, sind sich die Initiatoren von Ortszeit einig. Musste man die emissionsfreien Gefährte vor ein paar Jahren noch mit der Lupe suchen, sticht heute immer wieder ein Auto mit dem E im Kennzeichen ins Auge.


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Die Ladesäule für Elektroautos am Alten Friedhof in Aichach wird rege genutzt: Von Juli bis Dezember 2020 wurde 483 Mal getankt, die Lademenge belief sich laut Ulrich Endraß von den Lechwerken auf fast 10 000 kW/h. Vor fünf Jahren hatte man sich noch über 25 Ladungen im Dezember gefreut; zum Vergleich: Im Dezember 2020 waren es 78. Außerdem gibt es seit Mai 2019 an der Freisinger Straße eine weitere Ladesäule. Dort wurde 2020 von Juli bis Dezember 311 Mal Strom gezapft. Foto: Verena Heißerer


Der Eindruck, dass immer mehr Elektrofahrzeuge wie dieser Bus auf den Straßen des Wittelsbacher Lands unterwegs sind, täuscht nicht, wie die Zulassungszahlen zeigen (siehe Kasten rechts).
Lange galten zu kurze Reichweiten und zu wenig Ladestationen als Hemmschuh für die Elektromobilität. Doch inzwischen sind die Reichweiten größer, die Ladepunkte auch in ländlichen Regionen mehr geworden, wie ein Blick in den Ladeatlas Bayern zeigt, der im Internet einsehbar ist. So wurde etwa in Aichach neben der Ladestation am Alten Friedhof und bei BMW Weiß eine weitere an der Feuerwehr eingerichtet, die schneller laden kann. In Pöttmes lässt sich am Marktplatz tanken, in Aindling und Baar bei Autohäusern. Auch in Kissing, Merching und Ried gibt es Stromtankstellen, einige weitere in Friedberg und Derching.
Bei den Nachbarn in Neuburg-Schrobenhausen sind die meisten Ladeboxen in den beiden Städten zu finden, auch in Aresing können E-Autos anstecken. Wer Richtung Dachau fährt, findet die nächstgelegenen Lademöglichkeiten in Altomünster, Petershausen, Markt Indersdorf und Weichs. Entlang der Autobahn kann man Strom in Odelzhausen und Sulzemoos tanken.
Laut Sina Török von der Pressestelle des Landkreises Dachau wurde 2020 ein Ladesäulen-Infrastrukturkonzept in Auftrag gegeben und im Herbst abgeschlossen. In Workshops erarbeitete der Auftragnehmer gemeinsam mit den Kommunen einen Leitfaden samt Handlungsempfehlungen, überwiegend darüber, wo das größtmögliche Potenzial besteht, eine Ladesäule zu installieren. "Die ersten Schritte der Handlungsempfehlung werden nun ab Herbst gemeinsam eruiert und umgesetzt", sagt Török.
Doch inzwischen kommt es nicht mehr nur auf öffentliche Ladepunkte an. Das Elektroauto lässt sich problemlos auch in der eigenen Garage betanken. Noch besser mit einer Ladebox. Sich eine solche einzubauen, wird seit November 2020 üppig gefördert: 900 Euro pro Wallbox können Interessierte abgreifen - und müssen dafür nicht einmal ein Elektroauto haben oder sich eines kaufen wollen. Bis Juli förderte das Bundesverkehrsministerium 600 000 Ladepunkte in Deutschland, zwischendurch war der Fördertopf aufgebraucht. Doch mittlerweile können wieder Anträge bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gestellt werden, der Bund hat weitere 300 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.
Auch im Landkreis Aichach-Friedberg werden munter Ladeboxen bestellt und Anträge eingereicht: Bis Ende März waren laut Zahlen der KfW 1073 Förderungen bewilligt - das sind mehr, als es aktuell Elektroautos im Wittelsbacher Land gibt. Doch längst nicht alle haben ihre Wallbox bereits in der Garage: Die Lieferzeiten für die günstigeren Ladestellen betragen derzeit mehrere Monate.
Mit ein Grund für den sprunghaften Anstieg der Zahl der Elektroautos seit Mitte 2020 dürfte die verdoppelte Förderung sein. Der Bund steuert für reine Elektroautos, deren Listenpreis unter 40 000 Euro liegt, 6000 Euro bei, für Hybridelektrofahrzeuge sind es 4500 Euro. Dazu gibt es Prämien von den Herstellern. Laut Spiegel kostet dieser verdoppelte Zuschuss den Bund rund zwei Milliarden Euro, hat aber gemessen an den Zulassungszahlen auch einen großen Effekt.
Das inzwischen absehbare Ende des Verbrennungsmotors durch Ankündigungen der EU und verschiedener Autobauer, die ihre Flotte mittelfristig komplett umstellen wollen, tut sein Übriges. Wallboxförderung auch ohne E-Auto

Von Verena Heißerer

Laut Landratsamt waren Ende Juni 857 Elektroautos in Aichach-Friedberg zugelassen, dazu kommen 2134 Hybride. Insgesamt sind aktuell über 88 000 Pkw auf den Straßen unterwegs, E-Autos und Hybride haben einen Anteil von 3,39 Prozent. Der lag Ende 2018 noch bei mageren 0,95 Prozent, lediglich 168 Elektroautos wurden gezählt, dazu 639 Hybrid-Fahrzeuge.
Ähnlich sieht es in den Nachbarlandkreisen aus. Im Dachauer Land sind laut Pressestelle bereits 1027 E-Fahrzeuge unterwegs, dazu 2560 Hybride bei insgesamt 152 495 zugelassenen Fahrzeugen. Ende 2018 waren es lediglich 246 Elektroautos, die Anzahl hat sich in nicht ganz drei Jahren vervierfacht.
Im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen gab es Anfang 2021 drei Mal so viele Elektroautos wie Anfang 2018. Inzwischen sind es 189. Dazu kommen 702 Hybrid-Autos. Insgesamt sind rund 67 000 Kfz zugelassen. vga



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Veröffentlicht am 03.08.2021 16:20 Uhr