Aichach    

Klaus Habermann: "Mehr Wertschätzung geht nicht!"

Aichach - Die Bitte der Aichacher Feuerwehrkommandanten Christoph Fischer und Dominik Wenger, ihre Ämter schnellstmöglich niederlegen zu dürfen, hat in der Paarstadt und Umgebung für reichlich Gesprächsstoff gesorgt. Viele fragten sich vermutlich: Kann es wirklich sein, dass ausgerechnet die Feuerwehrler, die einen Großteil ihrer Freizeit opfern, um für andere da zu sein, von Stadt-Seite so wenig Wertschätzung erfahren? Macht es die Verwaltung der Stadt Aichach den Feuerwehr-Verantwortlichen tatsächlich so schwer statt ihnen Aufgaben abzunehmen?


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Um ihr modernes Feuerwehrgebäude an der B 300 werden die Aichacher Ehrenamtlichen von vielen anderen Feuerwehren ringsum beneidet. Doch die Ausstattung ist bei den Freiwilligen offenbar nicht das Problem. Vielmehr geht es um Schulungen und generell das Verständnis dafür, was Verantwortliche einer Stützpunktfeuerwehr wie Aichach heutzutage leisten müssen.


So zumindest begründete Kommandant Christoph Fischer seinen Rücktritt vor rund zwei Wochen gegenüber unserer Zeitung. Fischer sprach bei der Gelegenheit auch davon, dass er sich vonseiten des Bürgermeisters mehr Unterstützung gewünscht hätte.
Aichachs Stadtoberhaupt Klaus Habermann (SPD) bedauerte den Schritt Christoph Fischers sehr. Ausführlicher äußern wollte er sich dazu jedoch nicht. Schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit waschen sei seine Sache nicht, so Habermann. Außerdem wolle er zunächst abwarten, bis ein persönliches Gespräch mit den beiden Kommandanten stattgefunden habe. Dieses Gespräch lässt noch auf sich warten, allerdings nicht mehr lange, wie Klaus Habermann gestern auf Nachfrage der AICHACHER ZEITUNG versprach. Klar Stellung bezog der Bürgermeister indes zu dem Vorwurf, die Feuerwehr Aichach bekomme von der Stadt zu wenig Wertschätzung entgegengebracht. "Mehr Wertschätzung geht nicht", stellte Habermann gestern am Telefon klar. Er brachte den Satz zwar kontrolliert ruhig heraus, dennoch merkte man, dass ihn die Anschuldigungen innerlich aufwühlen.
Die Stadt Aichach habe noch nie gespart, wenn es darum ging, ihre Feuerwehren ordentlich auszustatten. Man gebe jährlich zweistellige Millionenbeträge aus, habe zuletzt in die Gerätehäuser der Ortsteilfeuerwehren in Walchshofen und Mauerbach investiert, zählt Habermann auf. Von mangelnder Wertschätzung könne also nicht im Geringsten die Rede sein. Er bringe seine Achtung für das, was die Ehrenamtlichen leisten, zudem bei jeder Gelegenheit zum Ausdruck.
Irritiert zeigt sich Habermann darüber, dass seiner Verwaltung und ihm von Kommandanten-Seite nun verschiedene Dinge vorgeworfen werden.
Neben einer einmal jährlich stattfindenden großen Besprechung mit den Kommandanten der Feuerwehr Aichach, wo alles auf den Tisch komme, gebe es einen regelmäßigen Jour fixe, einmal im Monat, erklärt der Bürgermeister und wundert sich darüber, warum diese Themen nicht an dieser Stelle angesprochen wurden. Habermann klingt fast schon beleidigt als er sagt, es sei keineswegs selbstverständlich, dass sich der Bürgermeister einmal monatlich mit den Kommandanten und Vorsitzenden der Feuerwehr zusammenhockt.
Nachdem kürzlich Peter Meitinger (CSU), Feuerwehrreferent der Stadt Aichach, angeboten hat, zwischen Kommandanten und Stadt zu vermitteln, wenden sich nun die Führungskräfte der Aichacher Wehr, insgesamt zwölf Feuerwehrler, mit einem offenen Brief an die Öffentlichkeit.
Darin loben sie ausdrücklich die Beschaffungsmaßnahmen der Stadt als "durchaus gut und mit Augenmaß betrieben". Das Problem sehen sie allerdings nicht in der Anschaffung von Einsatzmitteln an sich. Vielmehr, so ist dem Brief zu entnehmen, gehe es um Schulungen und Unterweisungen, die unter anderem sicherstellen sollen, dass die ehrenamtlichen Helfer im Einsatz nicht selbst verletzt werden.

Von Thomas Winter


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Veröffentlicht am 06.10.2021 17:28 Uhr