Aichach    

Keine Angst vor dem Blackout

Aichach-Friedberg - Plötzlich ist der Strom weg. Das Licht geht aus, der Computer ist schwarz, und auch das Telefon streikt. Die Heizung steht still, der Kühlschrank ist aus und auch ein Kaffee zwischendurch ist nicht mehr drin. Das hat jeder schon erlebt - und meist ist das auch nicht weiter schlimm, weil der Strom bald wieder fließt und sämtliche Alltagsdinge kurz darauf wieder funktionieren. Anders ist die Lage bei einem sogenannten Blackout: Wenn der Strom flächendeckend und langanhaltend ausbleibt, also überregional in Teilen Deutschlands oder Europas für länger als zwölf Stunden. So lautet die offizielle Definition für ein Blackout-Szenario. Dem will sich der Landkreis Aichach-Friedberg stellen und ein Notfallkonzept dafür erarbeiten.


Blackout
Alle Sicherungen drin? Bei einem Stromausfall führt der erste Weg meist zum Schaltschrank. Was aber ist zu tun, wenn der Strom länger und flächendeckend ausbleibt? An einem Notfallkonzept für ein solches Blackout-Szenario arbeitet der Landkreis derzeit. Foto: Bastian Brummer


"Kein Bereich unseres gewohnten Alltags bliebe von einem Blackout unberührt, mit extremen Folgen. Es ist wichtig, dass wir nicht den Kopf einziehen ob der Größe der Aufgabe, sondern uns gemeinsam zeitig und klug vorbereiten und wappnen", sagte Landrat Klaus Metzger (CSU) kürzlich bei einem Vortrag im Landratsamt. Die Folgen wären, verglichen mit einem kurzen, lokal beschränkten Stromausfall enorm. Denn: "Letztlich geht bei einem Blackout gar nichts mehr", erklärt Landkreissprecher Wolfgang Müller.

Wie wahrscheinlich ist das Szenario?


Zu Hause streiken sämtliche elektrischen Geräte vom Herd über die Heizung bis hin zum Kühlschrank, das Trinkwasser fällt aus, die Kommunikation bricht zusammen, Einkaufen ist nicht mehr möglich. Auch die Mobilität ist extrem eingeschränkt, die Bahn steht, aus Zapfsäulen kommt kein Sprit mehr. Betroffen wäre auch die Landwirtschaft, mit extremen Folgen: Funktionierende Lüftungsanlagen in Ställen oder Melkmaschinen sind für die Tiere essentiell. Aber natürlich wäre auch der Betrieb von Krankenhäusern oder der Verwaltung schwer getroffen. Zumal die Katastrophenschützer im Landratsamt darauf hinweisen, dass das "Hochfahren" und die vollständige Wiederherstellung der Stromversorgung mehrere Wochen oder gar Monate dauern kann.
Aber wie wahrscheinlich ist ein Blackout? Darüber möchte der Stromversorger LEW nicht spekulieren. Dennoch versichert Ingo Butters, Pressesprecher von LEW Verteilnetz: "Alle Akteure - Politik, Behörden und Netzbetreiber - tun alles dafür, dass so ein Fall möglichst nicht eintritt." Laut Zahlen der Bundesnetzagentur ist die Versorgungssicherheit in den vergangenen Jahren immer besser geworden. 2006 war ein Stromkunde in Deutschland im Schnitt fast 22 Minuten pro Jahr ohne Strom, 2020 waren es nur noch elf Minuten, so Butters. Dennoch müsse man sich auf den Ernstfall vorbereiten. "Neben entsprechenden Krisenplänen und Krisentrainings arbeiten wir auch an neuen Lösungen und Konzepten zur Notstromversorgung", erklärt Butters.

Regenerative Energien unterstützen Inselnetze


Im Projekt Linda (lokale Inselnetzversorgung mit dezentralen Anlagen) und dem Folgeprojekt Linda 2.0 untersucht LEW Verteilnetz, wie bei einem Stromausfall Einrichtungen der kritischen Infrastruktur - etwa Anlagen zur Trinkwassergewinnung oder Krankenhäuser - mit erneuerbaren Energien versorgt werden können. Dabei bilden regenerative Erzeugungsanlagen den Kern eines solchen Inselnetzes. In dem Fall handelt es sich um Wasserkraftwerke oder Biogasanlagen. In mehreren Feldversuchen habe man das bereits erfolgreich getestet: Unter Federführung der Erzeugungsanlage im Kern des Inselnetzes konnten übrigens auch ganz normale Photovoltaikanlagen in die Netzinsel einspeisen und sie dadurch stabilisieren und auch vergrößern.

Von Verena Heißerer



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Veröffentlicht am 13.05.2022 18:04 Uhr