Aichach    

Jaudus steht im Feuer

Aichach-Friedberg - Er ist für viele Ortschaften im Dachauer und Aichacher Land ein besonderes Spektakel: der Jaudus. Entzündet wird er am Vorabend des Ostersonntags, dem höchsten kirchlichen Feiertag im Kirchenjahr.


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Ein weithin sichtbares Jaudusfeuer wurde vor fünf Jahren in Gallenbach entzündet. Der Jaudus war so imponierend, dass eine Autofahrerin, die auf der B 300 unterwegs war, eine Katastrophe vermutete und die Feuerwehr alarmierte. Mehrere Wehren rückten aus, erkannten jedoch schnell, dass in Gallenbach alles unter Kontrolle war. Foto: Maximilian Glas


Im Landkreis Dachau darf das traditionelle Feuer heuer aber nicht stattfinden, im Aichacher Land entscheidet die Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) heute, wie mit dem Brauch verfahren wird. In beiden Kreisen liegt die Sieben-Tage-Inzidenz seit mehreren Tagen über 100.
Im Dachauer Land sieht man in dem traditionellen Feuer eine Veranstaltung und die sind momentan allesamt verboten. Im Landkreis Aichach-Friedberg ist die Wahrscheinlichkeit, dass Jaudusfeuer angezündet werden dürfen, ebenfalls sehr gering, wie Pressesprecher Wolfgang Müller gestern auf Nachfrage bestätigte.
Ohnehin ist die Zahl der Feuer in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Waren es um die Jahrtausendwende noch Dutzende Jaudusfeuer im Aichacher Land, wurden 2019 nur noch 23 gezählt. Die Gründe dafür liegen in strengeren Umweltauflagen sowie mehreren Unfällen, die sich im Kreis ereignet haben. Aus einem ganz anderen Grund "fragwürdig" findet der Bundestagskandidat der Grünen Aichach-Friedberg und Augsburg-Land, Stefan Lindauer, den uralten Brauch.
Lindauer weist darauf hin, dass sich bis ins 20. Jahrhundert hinein in Bayern im Jaudusfeuer eine antijüdische Konnotation klar belegen lasse. "Erst 2019 wurde in der polnischen Kleinstadt Pruchnik eine Puppe angezündet, die eindeutig aufgrund eines stereotypen antisemitischen Aussehens gestaltet war", schreibt der Bundestagskandidat in einer Pressemitteilung.
Lindauer sieht im Aichacher Land eines der lokalen Zentren des alten Brauches. Aufklärung, so der Grüne weiter, sei deshalb das A und O.
Gemeinsam mit Gabriele Triebel, Mitglied des Bayerischen Landtags und Sprecherin die Themenbereiche Bildung, Religion und Erinnerungskultur, veranstaltet Lindauer am heutigen Mittwoch ein Fachgespräch um 18.30 Uhr. Übertragen wird das Gespräch auf Facebook und YouTube.
In einer unserer früheren Ausgaben hat Aichach-Friedbergs Kreisheimatpfleger Michael Schmidberger den Hintergrund des Brauchs beleuchtet. Demnach hat der Jaudus mit dem Osterfest nichts zu tun. Vielmehr lägen ihm Umwandlungen alter jahreszeitlich-naturkultischer Bräuche zugrunde.


Von Thomas Winter



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Veröffentlicht am 30.03.2021 16:59 Uhr