Aichach    

"Is des no mei Hoamat?" Der Weiherer beim Canada

Obermauerbach - Mit Jeans und legerer Jacke stand er auf der Bühne im Canada-Saal und streifte seine langen Haare immer wieder hinter die Ohren. Dabei stimmte er oftmals wohl unbewusst an seiner Gitarre herum und schaffte es bestens, wiederholt einen Lachangriff auf das gut gelaunte Publikum, das er voll im Griff hatte, zu starten: "Der Weiherer", der sympathische und mehrfach mit Preisen ausgezeichnete niederbayerische Liedermacher und Kabarettist mit Wohnsitz München, sorgte am Freitagabend in Obermauerbach für spontane, lockere und humorvolle Plauderei in bayerischer Mundart. Und er besang politische, sozial- und gesellschaftskritische Themen oder banalste Alltäglichkeiten, auch spritzig serviert.


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Der Weiherer riss im Canada in Mauerbach sein Publikum mit. Die Besucher erlebten einen hoch unterhaltsamen Abend. Der Liedermacher und Kabarettist servierte viel zum Lachen, aber auch Nachdenkliches. Foto: Xaver Ostermayr


Der 41-jährige Christoph Weiherer ist seit nahezu 20 Jahren als Solist im deutschsprachigen Raum unterwegs. Mit seinem Programm "Im Prinzip aus Protest" zog er nicht nur Besucher aus der Aichacher Gegend an, auch aus Schrobenhausen, Anzing, Erding und sogar aus Saarlouis (Weiherer: "Der Frau ist in Obermauerbach das Auto verreckt") waren einige gekommen. Man konnte nie genau vorhersehen, was vom Weiherer als nächstes kommt und wie und wann es endet. Und zwischendurch rief der Musikkabarettist immer wieder "Obermauerbach", streckte dabei seine Faust nach oben und hängte das Wort "sensationell" an, oder kicherte selbst über seine mit viel Herzblut und grandiosem Humor vorgetragenen Worte.
Und: Der Weiherer beherrschte im Canada-Saal auch die leisen Töne zum Nachdenken und entlockte seiner Gitarre und Mundharmonika zudem jede Menge mitreißende Musik. Dabei kam der Weiherer schnell auf Corona zu sprechen. Der Klopapier-Engpass war für ihn nie ein Problem. Schließlich reichte ihm in seinen vier Wänden eine Rolle sechs bis acht Wochen lang, da er selten zu Hause war. Wegen Corona darf er auch nicht mehr auf seiner Website schreiben, dass "der Abend positiv war". "Is des no mei Hoamat?" hinterfragte sich sodann der Bühnenkünstler. In sein Lied hat er den Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe, Alexander Dobrindt, "hineinqualifiziert". "Den Dobrindt mag i ned." Und er könnte sich gut vorstellen, dass seine Band namens "Weiherer und die Dobrindts" auch "Weiherer und die Zeugen Seehofas (Seehofer)" heißen könnte. Aber der Weiherer war in Obermauerbach nicht nur politisch unterwegs, er hatte für das Publikum sogar einen Chinesisch-Sprachkurs parat. Denn das niederbayerische "meng" (mögen) heißt auf Chinesisch "hell" und die oberfränkische Ausdrucksform "ming" heißt "Traum". Somit ergibt sich "Ein Helles wäre ein Traum", und damit kommt man in China mindestens drei Tage lang locker durch.
Große Berühmtheit erlangte er mit dem millionenfach geklickten Facebook-Video "25541 Brunsbüttel". Der Weiherer hatte dazu aufgerufen, an der Kasse im Laden bei der Befragung des Wohnortes stets die Postleitzahl von Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) anzugeben. Nun darf er allerdings nicht mehr dazu aufrufen, da auch in den Wirtschaften diese Postleitzahl immer wieder angegeben wurde und Brunsbüttel dadurch einen hohen Inzidenzwert habe, so der Weiherer mit einem Augenzwinkern. In Obermauerbach freute sich der Liedermacher und Kabarettist mit seiner natürlich-authentischen Art über das "längste Konzert seit dem Lockdown" und dass "wieder was los ist und ihr so zahlreich erschienen seid". Erst um 23.15 Uhr endeten sodann die Zugaben mit einem Riesenapplaus.
Im Gespräch mit der AICHACHER ZEITUNG sagte der Weiherer, der schon des Öfteren im Canada gastierte, dass die Corona-Zeit für ihn sehr "ungewohnt" war. Neue Lieder brachte er in dieser Zeit nicht zustande, denn seine Lieder erzählen aus dem Leben. Für seine Ideen braucht er die Begegnungen mit Menschen. Seine Fans hätten ihn allerdings mit dem Kauf von Fanartikeln, wie die legendären Brunsbüttel-Shirts, gut unterstützt. Derzeit läuft das Konzertgeschäft zäh an. Manche Veranstalter und auch das Publikum sind noch zurückhaltend. Die Besucherzahlen liegen mancherorts bei nur rund 50 Prozent gegenüber der Zeit vor Corona. Und da hatte er im Jahr 100 bis 120 Auftritte. Konzertgeschäft läuft nach Corona wieder zäh an

Von Xaver Ostermayr


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Veröffentlicht am 17.10.2021 16:49 Uhr