Aichach    

Glocken lassen Kirchturm zu stark schwingen

Aichach - Die gute Nachricht gleich vorne weg: Aichachs Kirchturm ist keineswegs einsturzgefährdet, und schon bald werden auch wieder alle sechs neue Glocken zur Ehre Gottes erklingen. Gleichwohl ist die Sache unschön, und vor allen Dingen teuer. Ende 2016 erklang das neue Geläut der Stadtpfarrei erstmals in vollem Umfang, schon seit fast einem Jahr muss jetzt bereits wieder darauf verzichtet werden. Läuten nämlich alle sechs Glocken gleichzeitig, beginnt der Kirchturm zu schwingen und zwar so stark, dass sich im Gemäuer der Sakristei bereits ein Riss zeigt.


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Ganz oben im Glockenturm hängen die beiden kleinsten Glocken, die Sankt Michael und der heiligen Anna geweiht sind. Beide sind derzeit abgehängt. Sie bekommen nun ein Gegenpendel, um die Eigenfrequenz des Turmes nicht mehr zu beeinflussen. Deutlich zu sehen ist der Riss in der Sakristei, den Mesner Martin Ruhland zeigt (oben rechts). Fotos: Erich Hoffmann


Mesner Martin Ruhland alarmierte Stadtpfarrer Herbert Gugler, der umgehend den Glockensachverständigen des Bistums Augsburg, Pater Stefan Kling, auf den Plan rief. "Es ist ein Resonanzproblem, kein Kraftproblem", erläuterte Kling im Gespräch mit unserer Zeitung. Nicht die großen, schweren Glocken sind es demnach, die das zu starke Schwanken auslösen. Ausgerechnet die beiden kleinsten Glocken sind vielmehr dafür verantwortlich. Ihre Pendelfrequenz korrespondiert zu nah mit der Eigenfrequenz des Turmes. Was klein beginnt, schaukelt sich hoch. Ein physikalisches Phänomen, das man insbesondere auch bei Brückenbauwerken kennt.
Momentan wird auf das große Festtagsgeläut verzichtet, dadurch will man größere Bauschäden vermeiden. Die kleinen Glocken wurden aus dem Glockenstuhl abgehängt und bekommen von der Glockengießerei nun Gegenpendel, die die Schwingungen verringern sollen. Bis zum Osterfest sollen diese Ausgleichs-pendel angebracht sein.
Bei einem Ortstermin mit dem Glockensachverständigen, dem Architekten und Glockengießer, dem Stadtpfarrer, Mesner, Kirchenpfleger und einem Vertreter der Stadt, die ja Eigentümer des Aichacher Kirchturms ist, war zuvor das Schwingungsverhalten kontrolliert worden. Immerhin waren bei der Renovierung des Kirchturms große Löcher gebrochen worden, um die defekten alten Stahlglocken entfernen und später das neue Geläut installieren zu können. Zuvor habe ein Gutachter klar bescheinigt, dass die geplanten Umbaumaßnahmen im Kirchturm keine Probleme bereiten werden und eine zusätzliche Glocke bedenkenlos eingebaut werden könne. Darauf verweisen die Verantwortlichen, vorne weg Stadtpfarrer Herbert Gugler.
Die Gegenpendel kosten 26 000 Euro, bis alles wieder funktioniert, werden rund 40 000 Euro investiert worden sein. Bei der Pfarrei sei kein Fehler zu suchen, betonte Pater Stefan Kling, der sich mit Blick auf mögliche Schadenersatzverfahren aber nicht näher äußern wollte.
300 000 Euro stifteten die Aichacher Bürger für den neuen Eichenglockenstuhl und die sechs neuen Bronzeglocken. Rund 340 000 Euro musste zuvor die Stadt, die Eigentümer des Kirchturms ist, für die Turmsanierung aufbringen. Ein Fall für Gutachter

Von Erich Hoffmann

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Mit Eisenplatten wurden die großen Glocken etwas höher gehängt, damit sie weniger schwingen.


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Veröffentlicht am 25.02.2021 16:24 Uhr