Aichach    

Geht es nicht auch billiger?

Aichach - Geht es vielleicht doch billiger? Um diese Frage für den Erweiterungsbau des Aichacher Landratsamts einer genauen Prüfung zu unterziehen, wollen die Unabhängigen in der heutigen Sitzung des Kreistags darum werben, den Baudurchführungsbeschluss zu verschieben. Ihre Position legten sie in einem Pressegespräch dar.


Der ausgewiesene Bauexperte der Unabhängigen ist der frühere Sielenbacher Bürgermeister Martin Echter. Er hatte schon vor einigen Wochen angeregt, durch ein anderes Bauherrenmodell Kosten zu sparen. Denn die Erweiterung soll rund 21,6 Millionen Euro kosten (14,9 Millionen für den Anbau, 6,7 Millionen für die energetische Sanierung des Bestandsgebäudes). Das seien rund 4000 Euro für den Quadratmeter Nutzfläche, erläutert Martin Echter. Private Unternehmen schafften den Quadratmeter durchaus auch unter 2000 Euro.
Öffentliche Bauten müssen in der Regel nach der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen, kurz VOB, ausgeschrieben werden. Das ist häufig teurer, als Bauleistungen in direkter Verhandlung mit einer Firma zu beauftragen, wie es eine Privatperson tun kann.
Anbau soll
Echter denkt deshalb über die Gründung eines Kommunalunternehmens nach, das dann wie ein privater Bauträger auftreten könnte. Möglich ist das, weil es für die Landratsamtserweiterung keine staatlichen Zuschüsse gibt. Allerdings dürfe ein Kommunalunternehmen nur Bauvorhaben bis zehn Millionen Euro abwickeln. Ob das durch die Trennung von Bauabschnitten möglich ist, müsse erst noch geprüft werden.
Denkbar wäre auch eine sogenannte öffentlich-private Partnerschaft. In diesem Modell würde man ein Unternehmen beauftragen, den gewünschten Bau zu errichten, und diesen dann in die öffentliche Hand übernehmen. Es gibt Firmen, die sich inzwischen auf solche Projekte spezialisiert haben.
Für die Unabhängigen ist aber auch klar: Die Mitarbeiter sollen den Platz zum Arbeiten bekommen, den sie brauchen. Bekanntlich herrscht im Landratsamt Enge, die auch durch mehr Homeoffice laut Landrat Klaus Metzger nicht zu beheben ist. Unter anderem liege das am notwendigen Publikumsverkehr und daran, dass längst nicht alle Akten digitalisiert sind.
Die Gruppierung wünscht sich deshalb, dass in den zuständigen Kreisgremien im nächsten halben Jahr alternative Finanzierungsmodelle geprüft werden. Sollte sich keines als tragfähig erweisen, ist die Zustimmung zum Bau keine ideologische Frage: "Dann ist das für uns okay, und wir werden dem Bau zustimmen", sagte Echter. "Aber wenn man Geld sparen kann, sollte man das zumindest prüfen."

Von Carina Lautenbacher und Dr. Berndt Herrmann


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Veröffentlicht am 16.02.2021 16:40 Uhr