Aichach    

"Der Landkreis stellt nicht einfach so Personal ein"

Aichach - Die Personalkosten im Landratsamt Aichach steigen von 2022 auf 2023 um 1,3 Millionen Euro auf 23,6 Millionen Euro; es werden zwölf neue Stellen geschaffen. Das ist Wasser auf die Mühlen derer, die dem Landkreis zu hohe Personalkosten und eine zu leichte Hand bei der Stellenaufstockung vorwerfen? Den seit Jahren immer wieder geäußerten Vorwurf konterte Landrat Dr. Klaus Metzger gleich zu Beginn der Diskussion des Stellenplans im Kreisausschuss: "Der Landkreis stellt nicht einfach so Personal ein."


Im Rahmen der Haushaltsberatungen stand die Personalsituation auf der Tagesordnung, und Metzger wie Florian Asmussen, im Landratsamt für das Personalwesen zuständig, legten großen Wert darauf, mit viel Zahlenmaterial den Vorwurf aus der Welt zu räumen, das Landratsamt blähe den Mitarbeiterstand unnötig und leichtfertig auf.
Die zusätzlichen Stellen - sie machen 2023 Mehrkosten in Höhe von 465 900 Euro aus - seien vor allem bedingt durch vermehrte Aufgaben, die das Amt erfüllen muss. Ein grundsätzliches Problem, wie der Landrat stets betont.
Der Staat würde den Landratsämtern immer mehr Aufgaben aufbürden, beispielsweise bei der Bearbeitung des Bürgergelds. Für das notwendige Personal sorge er aber nicht. Die Zahl der staatlichen Beamten am Landratsamt in Aichach bewege sich seit Jahren kaum, abgesehen von zeitlich befristeten Aufstockungen wegen Corona.
Der Landkreis Augsburg hat eine Liste zusammengestellt, welche Aufgaben seit 2010 für die Landratsämter hinzugekommen sind. Sie umfasst 110 Punkte, in Aichach-Friedberg sieht es nicht viel anders aus. Trotzdem gibt das Wittelsbacher Land für das Personal im Vergleich mit anderen Landkreisen in Schwaben und Bayern eher wenig Geld aus.
Das belegen mehrere Statistiken, die Asmussen vorlegte. Aichach-Friedberg bewegt sich immer im unteren Drittel oder sogar am Ende der Skalen. Im Sachgebiet Tiefbau habe selbst der Bayerische Kommunale Prüfungsverband festgestellt, dass man zur Erledigung der verpflichtenden Aufgaben zwei Vollzeitstellen mehr benötige.
Die Kostensteigerung beim Personal ist neben der Aufstockung auf die Lohn- beziehungsweise Tariferhöhungen zurückzuführen. Die Verhandlungen laufen noch, die Forderung der Gewerkschaft liegt bei 10,5 Prozent. In Aichach hat man vorsichtige fünf Prozent Steigerung eingeplant.
Fast schwerer als die Kosten wiegen andere Probleme, die Asmussen schilderte. So kämpft auch das Landratsamt mit der verschärften Konkurrenzsituation auf dem Arbeitsmarkt, mit einer hohen Fluktuation und der Schwierigkeit, Fachkräfte länger zu binden. Es gibt viele ältere Beschäftigte, die in Rente gehen oder das in den nächsten Jahren tun werden; die Nachbesetzung der Stellen wird immer schwieriger.
Die Zahl der Schwangerschaften hat sich in den vergangenen Jahren verdoppelt, bei einem grundsätzlich hohen Frauenanteil im Landratsamt von knapp 67 Prozent. In den Führungspositionen sind sie aber nach wie vor unterrepräsentiert. Das kritisierte stellvertretende Landrätin Katrin Müllegger-Steiger (Grüne); gleichzeitig sehe man aber eine positive Entwicklung, gestand sie zu.
Grundsätzlich gab es von den Kreisrätinnen und Kreisräten viel Lob für die Mitarbeitenden im Landratsamt und deren Effektivität.
Trotz eines niedrigen Personalschlüssels sei man "besser" als andere Ämter. Als ein Beispiel führte Landrat Metzger die Zulassungsstelle an: In Aichach bekomme man gleich einen Termin, während man anderswo bis zu acht Wochen darauf warten müsse.

Von Dr. Berndt Herrmann


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Veröffentlicht am 30.11.2022 16:20 Uhr