Aichach    

Das große Entrümpeln: Alles muss raus

Aichach-Friedberg - Dieses befreiende Gefühl, wenn wieder Platz im Schrank ist. Wenn der Dachboden endlich übersichtlich wird oder der Keller entrümpelt: Im "Corona-Jahr" räumen offenbar mehr Menschen als sonst auf - oder tun das gründlicher. Sie haben oder hatten Kurzarbeit, sparten sich im Homeoffice die Fahrtzeit zum Betrieb und hatten so mehr Zeit, um sich Heimprojekten zu widmen - oder hatten gar ihre Jobs verloren und suchten nach Ordnung daheim. Dass kräftig ausgemistet wurde, zeigt die vorläufige Bilanz der Aichach-Friedberger Wertstoffsammelstellen.


Alles muss raus
Brauchen wir das noch? Haben wir es je gebraucht? Also: Weg damit. Für viele Landkreisbürger gehört die Fahrt zur Wertstoffsammelstelle vor allem an den Samstagvormittagen fest zum Programm.
Monika Grunert Glas


Mit dem Betrieb seiner 30 Wertstoffsammelstellen machte der Landkreis im Jahr 2019 einen Verlust von 1,34 Millionen Euro. "Allerdings wurden für dieses Geld rund 11,2 Tonnen Wertstoffe entsorgt beziehungsweise dem Wertstoffkreislauf zugeführt", erklärt Landratsamtssprecher Wolfgang Müller.
Für das Jahr 2020 liegt eine Hochrechnung der Bilanz vor. Vor allem an den Samstagen stauen sich etwa in Ecknach oft die Fahrzeuge zurück bis auf die alte B 300. Einer nach dem anderen fährt auf den weitläufigen Wertstoffhof. Aus den Kofferräumen und von den Rücksitzen quellen die Materialien. Oft lässt sich auf den ersten Blick gar nicht sagen, was genau es ist. Damit es ins Auto passt, wurde zu Hause schon mal zerkleinert. 2838 Tonnen Papier und Kartonagen kamen im zurückliegenden Jahr zusammen, die die Menschen abgeben haben. Das sind 473 Tonnen mehr als im Jahr 2019, dessen Bilanz abgeschlossen ist. Kein Wunder, wird doch, wenn die Geschäfte im Lockdown geschlossen haben, vieles online bestellt. All die Pappkartons, die der Postbote ins Haus liefert, voll mit Dingen, die die Menschen natürlich unbedingt brauchen, müssen dann auch wieder raus aus dem Haus. "Meine Papiertonne daheim wird viel zu schnell voll, wenn ich die ganzen Kartons hineinstopfe", sagt eine junge Frau, die fast ein Dutzend Schachteln mit dem lachenden Mund, dem Symbol von Amazon, nacheinander aus ihrem Renault holt und zum Container trägt. Die Tonne daheim wird eben auch nur alle vier Wochen geleert. Sperrigere Schachteln fährt man deshalb mitunter lieber zum Wertstoffhof.
Beim Metallschrott rechnet man mit einer Mehrmenge von 74 Tonnen auf insgesamt 1402 Tonnen. Haushaltskunststoffe - nicht Verpackungen - wurden 2020 weniger abgegeben. Man rechnet mit 274 gegenüber 291 Tonnen im Vorjahr. Die Gelben Tonnen wurden hingegen mehr befüllt: Es steht ein Plus von 665 auf 3992 Tonnen in der Bilanz.
Ausgedient hatten offenbar zahlreiche Waschmaschinen oder Kühlschränke: 70 Tonnen mehr Elektrogroßgeräte (516 insgesamt) landeten im Container. Bei den Elektrokleingeräten sind es 35 Tonnen mehr, insgesamt 517.
Auch so manches Regal war nun offenbar am Ende seines Daseins angelangt: Ein Plus von 180 auf 2750 Tonnen verzeichnet man beim Sperrmüll.  

Von Monika Grunert Glas



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Veröffentlicht am 24.02.2021 18:08 Uhr