Aichach    

Bis zuletzt ein Traumberuf

Aichach - An den ersten Schultag im September 1983 kann sich Renate Schöffer noch genau erinnern. "Was kommt da auf mich zu?", sei in den Gesichtern der Fünftklässler zu lesen gewesen, vor denen sie stand. Das dachte aber auch die junge Lehrerin, die damals nach dem Studium in Regensburg und Nizza und dem Referendariat in Bamberg und Neuburg ihre erste feste Stelle am Aichacher Deutschherren-Gymnasium antrat. Etwas enttäuscht, in einer Kleinstadt gelandet zu sein. Das ist aber längst vorbei. Die Ingolstädterin ist zur Aichacherin geworden, und dort, wo sie in ihrem "Traumberuf" als Lehrerin begonnen hat, verabschiedet sie sich auch, nun als Direktorin, in den Ruhestand.


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Morgen hat Direktorin Renate Schöffer ihren letzten Schultag am Aichacher Deutschherren-Gymnasium - im Herbst 1983 trat sie hier ihre erste feste Stelle an und blieb der Schule die ganze Zeit treu. Foto: Berndt Herrmann


Am Freitag, 12. Februar, ist ihr letzter Schultag, heute findet die offizielle Verabschiedung statt. In Form einer Videokonferenz. Was fast schon wieder originell ist, was Renate Schöffer aber sehr bedauert. Gerade die Begegnungen, die Gespräche, die persönlichen Beziehungen zu den Kollegen, den Eltern und natürlich den Schülern seien ihr immer wichtig gewesen und sind es auch heute noch, erzählt sie. Deshalb hätte sie sich einen persönlichen Abschied gewünscht, der aber, da ist sie sicher, irgendwann einmal nachgeholt werden wird.
Nur ein Jahr, nachdem die Englisch- und Französischlehrerin nach Aichach gekommen war, bekam sie ihren ersten Leistungskurs. Manch einer aus dem gewiss nicht einfachen, aber "sympathischen" (Schöffer) Haufen mag noch den knallorangen Band von Harper Lees "To kill a mockingbird", eine der Kurslektüren, zu Hause haben, und vielleicht sogar jenen Satz angestrichen haben: "Nie versteht man jemanden wirklich, solange man sich nicht in ihn hineinversetzt, dessen Haut überstreift und darin herum spaziert."
Für Renate Schöffer ist damit eine Grundkompetenz formuliert, die Lehrer mitbringen sollten, die sie aber auch von Schülern und Eltern einfordern möchte: Empathie, das Hineindenken und Hineinfühlen in den anderen, das Nachdenken über die Motive des Gegenübers, bevor man vorschnell urteilt. Eine Maxime, die freilich nicht nur für die Schule gilt.

Von Dr. Berndt Herrmann


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Veröffentlicht am 10.02.2021 17:50 Uhr