Aichach    

Biergärten öffnen, doch jetzt fehlt das Personal

Aichach - Seit gestern ist der Biergarten des Kühbacher Peterhof wieder offen. Wirt Stefan Reitberger hat auf seiner Terrasse kurzerhand ein Zelt aufgestellt. 60 Gäste haben in dem 120 Quadratmeter großen Pavillon Platz. Im Freien, aber ebenfalls unter Dach, servieren auch die Affinger Pilsstube, der Landhausbräu Koller in Hergertswiesen und ab Fronleichnam der Ochsenwirt in Pöttmes. Dessen 100 Außensitzplätze auf der Veranda sind ohnehin wettergeschützt. Jetzt hofft Wirt Georg Krammer, dass er baldmöglichst auch seine Gaststube und den Saal mit 400 Sitzplätzen in Betrieb nehmen darf - nach sieben Monaten Corona-Lockdown. "Wenn ma d'Leut nach Mallorca fliegen lasst, muaß ma auch die Wirtschaften bei uns endlich aufmacha", sagt er.


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Man darf wieder: An diesem Wochenende öffnen wieder viele Bier- und Wirtsgärten im Aichacher und Dachauer Land. Allerdings gelten auch in der Außengastronomie Maskenpflicht auf den Wegen sowie Hygiene- und Abstandsregeln. Foto: Stock Adobe


So wie der Krammer Schorsch warten viele Wirtsleut' im Wittelsbacher und Dachauer Land darauf, dass die Schranken wieder hochgehen. Bis sie drinnen Gäste empfangen dürfen, werden aber noch einige Tage vergehen. Oder vielleicht auch Wochen, genau vermag das derzeit niemand vorherzusagen. Noch bis 6. Juni gilt die derzeitige 12. Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung. Erst danach können weitere Lockerungen in Kraft treten, falls die Politik das so beschließt.
Derweil plagen die Gastronomen noch ganz andere Sorgen. Sie haben kein Personal mehr. Kaspar Wagner, Inhaber des gleichnamigen Untergriesbacher Gasthofs und Hotels, sagt: "Vor Corona hatten wir eine Whatsapp-Gruppe, über die kontaktierten wir all unseren Bedienungen und Küchenhelfer. Da waren 49 Leute drin. Jetzt sind es nur mehr 22." Die anderen haben sich inzwischen eine neue Beschäftigung gesucht. Wagner versteht das: "Das sind meistens 450-Euro-Kräfte. Die brauchen das Geld, die können nicht monatelang darauf warten, dass die Gaststätten wieder aufmachen. Die sind längst in einem Supermarkt untergekommen oder sonst einem Betrieb mit geringfügig Beschäftigten." Vermutlich werden einige seiner Spülkräfte oder "Food-Runner", wie die Hilfskräfte genannt werden, die Geschirr abräumen und Tische abwischen, wieder in die Gastronomie zurückkehren. Viele aber halt nicht. Kaspar Wagner überlegt, nach Corona seine 500 Plätze umfassende Gaststätte nur mehr von Donnerstag bis Sonntag zu öffnen, an den anderen Tagen nur Essen to go anzubieten. Mehr gebe die Personaldecke nicht her. Wagner: "Die Gasthauskultur, wie wir sie vor Corona kannten, wird es künftig wohl nicht mehr geben."
Wie ihm gehe es vielen Kollegen in der Region, sagt er. Kaspar Wagner ist stellvertretender Kreisvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga). Der meldete dieser Tage, im Vergleich zu 2019 hätte das Gastgewerbe mehr als 325 000 Mitarbeiter verloren. Dehoga ließ wissen: "Vor Corona galt unsere Branche als krisenfest und als Jobmotor. Hotels und Gaststätten waren zuverlässige Arbeitgeber. Derzeit sind wir noch mit der Krisenbewältigung beschäftigt. Aber in den nächsten Monaten müssen wir eine Ausbildungsoffensive starten."
Weniger dramatisch sieht Ochsenwirt Georg Krammer die Zukunft. Er beschäftigt 27 Mitarbeiter, viele von ihnen sind seit 20 Jahren und mehr im Boot. Die blieben ihm bis auf vereinzelte Bedienungen und Schankkellner treu - auch, weil sein Essen-to-go-Angebot in der Krise floriert. Rund ein Dutzend Gerichte steht auf der Mitnahme-Karte des Ochsenwirts, die müssen täglich gekocht und gepackt werden. Die Leute aus Pöttmes und dem Umkreis nähmen den Abhol-Service gerne an, "das läuft super", sagt Krammer. Er befürchtet eher, dass die Leute nach Corona Angst haben, wieder in ein vollbesetztes Wirtshaus zu gehen.

Von Wolfgang Glas



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Veröffentlicht am 28.05.2021 16:29 Uhr